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	<title>Spurensuche Harzregion e.V. </title>
	
	<link>www.spurensuche-harzregion.de</link>
	<description>Webseite des Vereins Spurensuche Harzregion</description>				
	<pubDate>Thu, 10 July 2003 00:00:01 +0000</pubDate>
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		<title><![CDATA[ Zur antifaschistischen Geschichte im Südharz]]></title>
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		<pubDate>Thu, 10 July 2003 00:00:01 +0000</pubDate>

		<creator>PV</creator>
		
		<category><![CDATA[themen]]></category>
				<keywords><![CDATA[bad lauterberg,antifaschismus,regionalgeschichte]]></keywords>

		<description><![CDATA[Ein Überblick über die NS-Zeit und antifaschistische Tätigkeiten in Bad Lauterberg]]></description>
			<content><![CDATA[
Von Bernd  Langer<br><br>
Mit dem Ende  des I. Weltkrieges, November 1918, brach eine wirtschaftlich harte und politisch unruhige Zeit heran. Besonders  in Bad  Lauterberg entwickelte sich im  Zuge der revolutionären Ereignisse vom  November   1918  eine starke linke, bald kommunistisch  dominierte Bewegung.  Ein Arbeiter- und Soldatenrat übernahm kurzzeitig die Verwaltung. Wenig später, während des Kapp-Putsches 1920, bewaffnete sich die revolutionäre Arbeiterschaft und bezog Posten an strategisch wichtigen Punkten. Erst nachdem  Reichswehrtruppen die Stadt umstellt hatten, gaben die Arbeiter ihre Waffen  ab. Bereits 1921 existierte eine KPD-Ortsgruppe  in Bad  Lauterberg, die bei den sozialen Auseinandersetzungen im Südharz eine führende Rolle spielte. Neben  organisierten Demonstrationen und Streiks gab es oft spontane Aktionen. Besonders unruhig verlief das Jahr 1923. Die Inflation erreichte ihren Höhepunkt, die Menschen  litten bittere Not. In der Folge kam  es zu mehreren Hungerrevolten bei denen die radikale Arbeiterschaft nach öffentlichen Kundgebungen  durch die Stadt zog und Läden plünderte. Ladenbesitzer, die Lebensmittelvorräte gebunkert hatten, wurden auf Karren durch  die Straßen gezogen und  verspottet. Wegen   anhaltender Unruhen  und  der starken kommunistischen  Bewegung   in Lauterberg ließ die Landesregierung eine Schutzpolizei (Schupo) Einheit im Ort  kasernieren. Insbesondere gegen Versammlungen   der KPD   ging diese Sonderpolizei mehrfach hart vor. Wie im  September  1924, als sie eine überfüllte KPD-Versammlung     in Lauterberg auseinanderprügelte. Kurze  Zeit später, am  8. Oktober, fiel der Polizist Hegener, der dieser Polizeitruppe angehörte, einem mysteriösen Mord  zum  Opfer. Die Leiche wurde  nie gefunden, ebenso wenig  konnten die näheren Tatumstände aufgeklärt werden. Der  Mord  hatte direkte Folgen für die Kommunisten  in Bad  Lauterberg. Gegen  Karl Peix, den KPD-Vorsitzenden,  und einige andere Partei-Anhänger wurde Haftbefehl erlassen. Mehrere Monate  saßen die Beschuldigten in Untersuchungshaft. Die  Anklagebehörde  behauptete, dass die örtlichen Kommunisten  unter Führung  von Karl  Peix den Polizisten ermordet und die Leiche im Brennofen  der Blechwarenfabrik eingeäschert hätten. Doch  nichts von  diesen Anschuldigungen konnte bewiesen  werden. Die Verfahren wurden  schließlich eingestellt.
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<b>Die Nazis  von der  Straße gefegt</b><br><br>
Unter ihrem  Vorsitzenden Karl Peix gewann  der Unterbezirk Lauterberg (UBL)  immer  mehr politischen Boden.  Anfang der 30er  Jahre stieg die Zahl der KPD-Mitglieder  in der Stadt auf über 400  (bei damals  knapp 7000 Einwohnern).  Politisch schien die KPD  die SPD  zu überrunden. „Bad Lauterberg ist genauso rot wie der rote Wedding in Berlin“, lautete eine beliebte Polit-Parole, die darauf anspielte, dass die Wahlerfolge reichsweit nur mit diesem kommunistisch bestimmten Bezirk in Berlin zu vergleichen waren. 1932  schaffte Peix den  Sprung  in den Provinziallandtag in Hannover. Damit  war er Landtagsabgeordneter, eine außergewöhnliche  parlamentarische Karriere für einen Arbeiter aus  Bad Lauterberg. Dieser starke kommunistische Einfluss machte Bad  Lauterberg zu einem  schwierigen Terrain für die Nazi-Bewegung,  die hier auf den  massivsten Widerstand  im gesamten  Harzgebiet traf! Im  April 1932 wollten die Nazis erstmals mit einer großen Demonstration  in Lauterberg Flagge zeigen. Dafür wurde  die gesamte SA  der Region zusammengezogen.   Karl Peix forderte als Stadtrat das Verbot dieser Nazi-Demonstration. Der  Rat und  die örtliche Polizei entsprachen dem  Antrag, doch der Nazi-Aufmarsch  wurde  kurze Zeit später von  einem übergeordneten Gericht erlaubt. Eine  Konfrontation war  damit unvermeidlich. Ungefähr in Höhe  des Postplatzes gelang es entschlossenen Antifaschisten, die Polizeisicherung auf zwei Seiten zu durchbrechen und  die SA, insbesondere den  Fahnenträger, anzugreifen. Es kam  zu einer heftigen Straßenschlacht, in deren Verlauf die Nazis „von  der Straße gefegt wurden“,  so der vor einigen Jahren verstorbene Kommunist   Fritz Ließmann in einem  Interview von  1979. Knüppelholz  zweier großer Holzstöße, Koppelzeug  (Lederriemen) und  Beile wurden  als Schlagwerkzeuge  eingesetzt. Es gab  etliche Verletzte und  im November   1932  folgte der große Bad Lauterberger Landfriedensbruch-Prozess. Angeklagt  waren 15  Kommunisten  und  zwei Nazis. ZweiKommunisten   und ein Nazi  wurden  zu Gefängnisstrafen von zwei  bis drei Monaten  verurteilt, die restlichen Angeklagten  freigesprochen. In der Folgezeit kam  es zu mehreren Attentatsversuchen auf Peix, die alle scheiterten.
Kommunisten   und ein Nazi  wurden  zu Gefängnisstrafen von zwei  bis drei Monaten  verurteilt, die restlichen Angeklagten  freigesprochen. In der Folgezeit kam  es zu mehreren Attentatsversuchen auf Peix, die alle scheiterten.
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<b>Streikaktionen gegen  die Nazis</b><br><br>
Am  Tag  der Machtübertragung  auf die Faschisten, am  30. Januar 1933, streikten in Bad Lauterberg die Arbeiter, und  es kam  zu antifaschistischen Kundgebungen.   An  den Fabrikschornsteinen wurden  rote Fahnen  gehisst. Daraufhin wurde  Polizei und  SA  als Hilfspolizei gegen die Streikaktionen eingesetzt. Durchsuchungen,  Verhaftungen, Misshandlungen  gegen  bekannte Antifaschisten folgten. Am   20. März 1933  berichtete das Bad  Lauterberger Tageblatt von einer solchen Razzia: „Am  Freitag und  Sonnabend  fanden in Barbis, Bartolfelde und  Lauterberg durch Landjäger  und Hilfspolizeibeamte unter Führung  des  Landrates Haussuchungen  bei kommunistischen  und sozialdemokratischen Funktionären  statt ... fünf Kommunisten   wurden verhaftet.“
Schlag auf Schlag  wurden die KPD   und ihre Organisationen, danach die SPD   und die Gewerkschaften  verboten. Doch  die KPD   organisierte ihren Widerstand aus der Illegalität heraus. Ihre Parteistruktur wurde fortgeführt und antifaschistische Flugblätter und  Zeitungen verbreitet. Ziel war es, „Massenaktionen gegen  den Faschismus“  zu entwickeln, worunter vor allem Streiks und Aktionen  des zivilen Ungehorsams  verstanden wurden. Bei allen Opfern, den dieser Widerstand kostete, kam  es zu keinen bewaffneten Aktionen  von Seiten der Kommunisten.  Bombenanschläge  und  Attentate auf Nazis  waren nicht Teil des antifaschistischen Kampfes  der KPD.
Da  es trotz aller Verhaftungen  und Repression immer  noch  Widerstand gab, holten die Nazis am  Sonntag, den 17. September  1933, zum  entscheidenden Schlag gegen die Antifaschisten aus. Den  Kommunisten  in Bad  Lauterberg sollte der Garaus gemacht  werden. Ein 750  Mann starkes Einsatzkommando   aus berittener SA  und SS, Schupos,  Landjägern und Ortspolizei fiel um  vier Uhr morgens  in die Stadt ein. Zeitungsartikeln zufolge wurden  115  Wohnungen durchsucht und  251 Personen  verhaftet. Es war die größte Razzia, die je im Landkreis Osterode stattfand. Dennoch  entgingen den  Häschern zentrale Köpfe  des Widerstandes, unter ihnen  der KPD-Vorsitzende  Karl Peix.
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<b>Die Toten  bleiben Mahnung</b><br><br>
Von  der Polizei gesucht, blieb Peix unermüdlich politisch tätig, bis er Ende  Oktober 1933  den NS-Schergen  ins Netz ging. Er wurde im KZ  Buchenwald  inhaftiert, wo  er zu den  führender Personen der illegalen Widerstandsorganisation zählte. Am  6. November  1941  kam  er ins Außenlager  des KZ-Buchenwald   in Goslar. Auf  dem  Gelände des Fliegerhorstes wurde  Karl Peix von  einem SS  Mann  durch einem  Pistolenschuss ermordet. Gleich nach der Tat wurde  die Leiche verbrannt, die Urne  ruht heute neben  der seiner Frau  auf dem Waldfriedhof. 1949  wurde für Karl Peix (geboren am  27. März 1899), Otto  Bockelmann  und  Bruno Maue, zwei weitere von den Nazis  ermordete Antifaschisten aus Bad  Lauterberg von der VVN (Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes)  ein Gedenkstein am Felsenkeller errichtet.
Der  Tischler Otto Bockelmann,  geboren  am 26. Dezember   1910, starb am  10. November  1943 an den  Folgen seiner Haft im KZ-Esterwegen;  die Trauerfeier auf dem  Waldfriedhof wurde von  der Gestapo überwacht, sodass sich nur ganz  wenige Menschen   dort hin trauten. Bruno  Maue, von Beruf Maler, geboren am  15. September  1894, beteiligte sich am Widerstand, obwohl  er kein Kommunist   war. Am  30. Dezember  1939 von  den Nazis  im KZ- Sachsenhausen ums Leben  gebracht. Noch ein weiter ermordeter Antifaschist ist bekannt, dessen Name  aber nicht auf dem  Gedenkstein eingemeißelt ist. Karl Pape, von Beruf Tischler, geboren am  14. Juni 1893, Anfang der 40er Jahre von der Gestapo verhaftet, am 20. Mai 1943 im Häftlingsbau des KZ-Stutthof umgekommen.Kommunisten   und ein Nazi  wurden  zu Gefängnisstrafen von zwei  bis drei Monaten  verurteilt, die restlichen Angeklagten  freigesprochen. In der Folgezeit kam  es zu mehreren Attentatsversuchen auf Peix, die alle scheiterten.

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1. Foto: Schutzpolizei (Schupo) geht 1923  mit aufgepflanztem Bajonett gegen  eine kommunistische  Demonstration vor.
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<div style="font-size:11px;text-align:right;"><a href="http://www.spurensuche-harzregion.de/images/22-lauterberg02.jpg"><img src="http://www.spurensuche-harzregion.de/images/22-lauterberg02.jpg" style="width:100%;">
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2. Foto: SA  beim  1.Mai Umzug   1933  am Postplatz in Bad  Lauterberg. Noch  ein Jahr zuvor waren  die Nazis unweit dieser Stelle durch eine entschlossene antifaschistische Aktion von  der Straße gefegt worden.
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