- Forschungs- und Erinnerungsarbeit zu Zwangsarbeiterschicksalen und NS-Geschichte im Harzgebiet -
Homann, Mark. Jenseits des Mythos - Die Geschichte(n) des Buchenwald-Außenkommandos Wernigerode und seiner "roten Kapos"

Tarnname "Tanne" - eine Harzer Rüstungsaltlast in Clausthal-Zellerfeld und Osterode am Harz
Neuerscheinung, Mai 2020

09.11.2018, Einweihung des sechsten Bad Harzburger Geschichtspunkts am Schalom-Denkmal - gestiftet von Herrn Dirk Junicke.
Artikel und Video zur Einweihung des 6. Bad Harzburger Geschichtspunkts

20 Jahre Spurensuche Harzregion - Feier im Großen Heiligen Kreuz am 5. November 2018
Dokumentation der Rede von Dr. Peter Schyga, Verein Spurensuche

20 Jahre Spurensuche Harzregion - Feier im Großen Heiligen Kreuz am 5. November 2018
Dokumentation der Rede von Frank Heine, Goslarsche Zeitung

Zum Rechtsextremismus der Nachkriegszeit - Nachdenken über Begriffe und ihre historischen Bezüge
Dokumentation des Vortrags von Dr. Peter Schyga am 24.05.2018 im ehem. Standesamt Goslar

Steinsiek, Peter-Michael: Zwangsarbeit in den staatlichen Forsten des heutigen Landes Niedersachsen 1939 - 1945
Neuerscheinung

Zwangsarbeit in Liebenburg: Versuch einer Spurensuche
Präsentation des Vortrags von Dr. Friedhart Knolle in Liebenburg

Dokumentationsort Reichserntedankfest auf dem Bückeberg
Spurensuche Harzregion aus Goslar zur aktuellen Auseinandersetzung um das Projekt. Resolution

Markus Weber: "Das ist Deutschland und es gehört uns allen" Juden zwischen Akzeptanz und Verfolgung im Kurort Bad Harzburg
Buch, Sommer 2016

Peter Schyga: Goslar 1945 - 1953. Hoffnung - Realitäten - Beharrung.
Neuerscheinung

Dr. Peter Schyga. Über die Volksgemeinschaft der Deutschen
Neuerscheinung. Begriff und historische Wirklichkeit jenseits historiografischer Gegenwartsmoden

Dokumentation: Veranstaltung - Displaced Persons, Flüchtlinge und Vertrieben nach 1945
Vortrag und Präsentation der Veranstaltung vom 21. Januar 2016 in Jürgenohl

Publikationen zur Zeitgeschichte - insbesondere NS-Zeit und ihren Nachwirkungen
Forschungskonzept

Historisches Forschungsprojekt:
Goslar in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg (1945-1953)

Forschungskonzept

Historisches Forschungsprojekt:
Goslar in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg (1945-1953)

Konzept

Auschwitz und die Nachkriegszeit: Das Beschweigen und die Integration des IG-Farben Funktionärs aus Monowitz H. Schneider in die Stadtgesellschaft Goslars
Vortrag

UNSER HARZ: Gedenkstätte "Russenfriedhof" am Massengrab der Sprengstoff-Fabrik Tanne in Clausthal-Zellerfeld
Pressemitteilung zur Ausgabe Januar 2014

Dr. Peter Schyga. NS-Macht und evangelische Kirche in Bad Harzburg
Neuerscheinung.

Peter Lehmann: geachtet - geleugnet - geehrt. Oberst Gustav Petri, Retter von Wernigerode
Neuerscheinung. Pressemitteilung.

Frank Baranowski. Rüstungsproduktion in der Mitte Deutschlands 1929 - 1945
Neuerscheinung. Rezension

Nachreichung: Goslar und die Harzburger Front - die Radikalisierung des Bürgertums.
Vortrag im Rahmen der Ausstellungspräsentation am 26.4.2012 im Kreishaus Goslar

Nachreichung: Im Gleichschritt zur Diktatur? Der "Stahlhelm. Bund der Frontsoldaten" in der Harzburger Front1
Vortrag

Nachreichung: Zur Einführung in die Ausstellungspräsentation am 24.4.2012 im Kreishaus Goslar
Rede

NS-Geschichte der Goslarer Fa. H.C. Starck aufgearbeitet - Bd. 5 "Spuren Harzer Zeitgeschichte"
Presseinformation

Austellung zur Harzburger Front in Wolfenbüttel
Vortragsmanuskript: Die Formierung des "Rechtsextremismus der Mitte"

Austellung zur Harzburger Front in Wolfenbüttel
Vortragsmanuskript: Frieden undenkbar?

Politisches Frühjahr 1933: Terror und Gewalt - Begeisterung und Jubel
Vortrag von Dr. Peter Schyga

Nachreichung: Rede von Peter Schyga während der Ausstellungseröffnung zur Harzburger Front in Wernigerode
Redeprotokoll

Auf den Spuren der NS-Kriegswirtschaft im Harz
Artikel zum Thema in "Der Zeppelin" erschienen

"Festung Harz - Die extreme Rechte im Landkreis Goslar und der niedersächsischen Harzregion"
Vortragsveranstaltung am Freitag, den 27. August um 19:00 Uhr, in der Jugendherberge Goslar, Rammelsberger Straߟe 25, Raum Rammelsberg

"Geschichte und Geschichten aus Hahndorf am Harz, Band 1"
Neue Chronik von Hahndorf erschienen

Erntedank und "Blut und Boden" - Bückeberg/Hameln und Goslar 1933 bis 1938
Dokumentation des Symposiums

Der Reichsnährstand in der Reichsbauernstadt - Eine symbiotische Beziehung?
Redebeitrag von Dr. Peter Schyga auf dem Symposium "Erntedank und Blut und Boden"

Wie die Nazis die Bauern betrogen
Redebeitrag von Helmut Liersch auf dem Symposium "Erntedank und Blut und Boden"

Das Erntedankfest als Einfallstor für die religiöse Üœberhöhung des "Führers"
Redebeitrag von Helmut Liersch auf dem Symposium "Erntedank und Blut und Boden"

Erntedank und "Blut und Boden" - Bückeberg/Hameln und Goslar 1933 bis 1938
Ausstellungskatalog - Neuerscheinung

Vorstellung der neuen Broschüre "NS-Zwangsarbeit in Seesen am Harz - ein fehlendes Kapitel Stadtgeschichte"
08.12.2009, 12:00Uhr, Bürgerhaus Seesen

Pressemitteilung
Dokumentation zur Harzburger Front aufgrund der großen Nachfrage in Neuauflage erschienen

Neuerscheinung: "Du sollst keinen Gott haben neben mir"
Neuerscheinung - Buchveröffentlichung am 09. Oktober 2009 in der Marktkirche

Katalog zur Ausstellung "Harzburger Front - Im Gleichschritt in die Diktatur"
Neuerscheinung - Ausstellungskatalog

Ein mahnendes Zeitdokument in Bildern
Neuerscheinung - NS-Zeit in Herzberg

Ausstellung Harzburger Front
Ausstellungsflyer zum Download

Beitrag in - Der Harly - Von Wöltingerode zum Muschelkalkkamm
Artikel über den Harly in der NS-ZEit

Neue Broschüre: Arbeiten für Groß-Deutschland - Zwangsarbeit in Bad Lauterberg
Pressemitteilung

Von der Ausgrenzung zur Vernichtung - Leben und Leiden Goslarer Juden 1933 - 1945
Ausstellung in der Marktkirche Goslar vom 09. - 26. Nov

Neuerscheinung - Zwangsarbeit bei Gebr. Borchers/H.C. Starck - "Briefe meines Vaters 1943 - 1945"
Im Februar 1943 wurde Max Dalkowski bei einer Straßenrazzia in Warschau festgenommen...

Spuren Harzer Zeitgeschichte Heft 2
Spurensuche Goslar e.V. (Hrsg.): Harzburger Front von 1931 - Fanal zur Zerstörung einer demokratischen Republik.

Spuren Harzer Zeitgeschichte Heft 1
Spurensuche Goslar e.V. (Hrsg.): Die Reichspogromnacht am 09./10. Nov 1938 in Goslar.

Holocaust-Gedenktag 2007
Dokumentation der Veranstaltung in Langelsheim

Die NS-Rüstungsaltlast "Werk Tanne"
Sprengstoffproduktion im Harz

Rundgang durch die "Reichsbauernstadt"
Stätten der NS-Herrschaft in Goslar

NS-Zwangsarbeitslager im Westharzgebiet - ein verdrängtes Stück Industrie- und Heimatgeschichte- Teil 2
Kriegswirtschaft und Zwangsarbeit in Deutschland und im Harz

NS-Zwangsarbeitslager im Westharzgebiet - ein verdrängtes Stück Industrie- und Heimatgeschichte- Teil 1
Kriegswirtschaft und Zwangsarbeit in Deutschland und im Harz

Buchbesprechung - Dr. Peter Schyga: Goslar 1918 - 1945
Von der nationalen Stadt zur Reichsbauernstadt des Nationalsozialismus - Beiträge zur Geschichte der Stadt Goslar

Arbeiten für Großdeutschland - Anhang - Quellen und Literaturverzeichnis
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Anhang - Teil 6
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Anhang - Teil 5
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Anhang - Teil 4
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Anhang - Teil 3
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Anhang - Teil 2
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Anhang - Teil 1
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Teil 11
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Teil 10
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Teil 9
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Teil 8
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Teil 7
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Teil 6
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Teil 5
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Teil 4
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Teil 3
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Teil 2
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Teil 1
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Von Dora bis zum Bahnhof Oker - Teil 3
Eine Spurensuche auf der Route der Todesmärsche der Südharzer KZ-Häftlinge vom Apr 1945 im Westharz

Von Dora bis zum Bahnhof Oker - Teil 2
Eine Spurensuche auf der Route der Todesmärsche der Südharzer KZ-Häftlinge vom Apr 1945 im Westharz

Von Dora bis zum Bahnhof Oker - Teil 1
Eine Spurensuche auf der Route der Todesmärsche der Südharzer KZ-Häftlinge vom Apr 1945 im Westharz

1944/45: Der Bau der Helmetalbahn
Sklavenarbeit mitten in unserer Heimat

Die verdrängte Vergangenheit
Rüstungsproduktion und Zwangsarbeit in Nordthüringen, 65 Abb., 15-seitiger Dokumentenabdruck

Erinnerungsstätten an Unmenschlichkeiten des Nationalsozialismus im Landkreis Goslar
Verein Spurensuche Goslar e.V., Wolfgang Janz, Erinnerungsstätten an Unmenschlichkeiten des Nationalsozialismus im Landkreis Goslar, Goslar 2003

Spurensuche Goslar in der Bundestagsdebatte
Deutscher Bundestag, 114. Sitzung, Berlin, Donnerstag, den 6. Juli 2000

"Gebt uns unsere Würde wieder" - Die Briefe
Kriegsproduktion und Zwangsarbeit in Goslar 1939 - 1945

"Gebt uns unsere Würde wieder"
Kriegsproduktion und Zwangsarbeit in Goslar 1939 - 1945

Von "Dora" bis zum Bahnhof Oker
Das Wegzeichenprojekt Westharz und der Marsch des Lebens

Zur Umweltgeschichte der Firmen Gebr. Borchers & H.C. Starck und der Ahnenerbe-Rüstungsforschung der Waffen-SS in Goslar - Teil 1

Summary

A short environmental history of the companies Gebr. Borchers, founded 1807 in Goslar, and H.C. Starck, founded 1920 in Berlin, is given. Both companies are now based in Goslar, Lower Saxony. For a long period, Gebr. Borchers and H.C. Starck caused severe environmental problems following their intensive arsenic and metal production (toxic emissions, hazardous waste output) and also played an important role in WW II production including certain aspects of R&D in A, B and C weapon technology. Borchers top manager Dr. phil. F. Borchers had contacts to Heinrich Himmler and his SS; H.C. Starck top manager Hermann C. Starck was married to a jewish wife and had difficulties with the Nazis.


Gebr. Borchers und H.C. Starck - Geschichte und Produktion

Gegründet 1920 in Berlin, ist die heute in Goslar ansässige Fa. H.C. Starck GmbH als Hersteller einer breiten Palette von chemischen Spezialprodukten mit ca. 1500 Mitarbeitern Goslars größter Arbeitgeber. Weitaus älter ist jedoch die Geschichte der Gebr. Borchers AG, welche den Standort Goslar begründete; hier eine stichwortartige kurze Firmenchronologie.

1807 - GRÜNDUNG DER GEBR. BORCHERS AG: 1807 wurde in Goslar das Familienunternehmen Gebr. Borchers AG gegründet; es beschäftigte sich zunächst primär mit der Raffination von Rammelsberger Vitriolen. In der zweiten Hälfte des 19. Jh. erlangte das Unternehmen überörtliche Bedeutung, da jetzt mit der Aufarbeitung seltener Nichteisenmetalle wie Wolfram, Kobalt und Nickel aus importierten Erzen begonnen wurde. Während das Wolfram zunächst nur für die Stahlveredlung benötigt wurde, gab es für das Kobalt schon eine lange Tradition in den keramischen Farben (Kobaltblau). Bereits um 1890 produzierten und lieferten die Gebr. Borchers AG Kobaltoxide. Weiterhin war Borchers Spezialist in der Herstellung von Borsäure und Borax. Schon 1901 wurden die Borsäureaktivitäten in ein neues Werk am Bahnhof Oker verlagert; hier entstand später die Hauptproduktionsstätte der Firma. Frühzeitig hatten sich Borchers-Chemiker mit der Löslichkeit der Metalloxide in Leinöl befasst und die Beschleunigung der Trocknung durch die Oxide des Kobalt und Mangan erkannt. Zu Beginn der 20er Jahre wurden Kobalt-Salze wie Karbonat, Azetat und Hydroxid geliefert; eine reguläre Produktion von geschmolzenen Kobalt-, Mangan- und Blei-Resinaten und Oleaten wurde im Zuge des Ausbaus der neuen Fabrik in Oker eingerichtet. Der Umzug nach Oker war nötig geworden, weil die in der Innenstadt von Goslar angesiedelte Firma dort zu große Umweltprobleme verursachte.

PFLANZENSCHUTZ: Weil vor der Entdeckung des DDT Pflanzenschutz wesentlich auf anorganischen Präparaten beruhte, besaß dieser Produktionszweig bei Borchers mit seinen arsenhaltigen Pflanzenschutzmitteln große Bedeutung; Bleiarsenat "Borchers", Arsenstäubemittel "Borchers", Arsenködermittel "Borchers", Räucherbeutel "Borchers", Kupferkalk "Borchers", "Hercynia-Grün" (43% As), "Hercynia-Neutral" (13% As), Gaspatronen "Borchers", Veltox-Giftmehl "Borchers", Goslarit, Rotenoxon, Fungisol "Borchers", Schwefelkalkbrühe "Borchers" u.a.m. waren bekannte Produkte des Hauses. Aber die arsenhaltigen Pflanzenschutzmittel waren sehr giftig. Es war daher eine große Errungenschaft, dass ab 1942 Gesarol mit dem Wirkstoff DDT z.B. gegen den Kartoffelkäfer eingesetzt werden konnte. DDT war 1939 von Prof. Dr. Paul Müller, Mitarbeiter der Firma Geigy in Basel, entdeckt worden. Es ist ein hochinteressantes Stück Kriegsgeschichte, wie dieses neue Spritzmittel DDT mitten im 2. Weltkrieg aus der Schweiz nach Deutschland gelangte!

Da auch die Fa. Borchers mit organischen Insektiziden experimentierte und der Firmenchef der Gebr. Borchers AG, Wehrwirtschaftsführer Dr. Friedrich Borchers (geb. 2.4.1880, gest. 5.10.1957), im Krieg nachweisbar in die Schweiz fuhr (so z.B. Anfang September 1944), sind hier noch offene Fragen zu klären.

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Im B.I.O.S.-Report 1480 heißt es: "Gebr. Borchers A.G. (1700 employees prewar) work up cobalt ores with arsenic as by-product. They manufacture arsenicals, winter washes, lime sulphur and other insecticides based on dinitro cresol, diphenylamine and azobenzene. The erection of a DDT plant is contemplated. ... A biological testing laboratory is in operation at Bad Harzburg under the direction of Dr. Gerneck." (BRITISH INTELLIGENCE OBJECTIVES SUB-COMMITTEE 1946a). Erst 1970 wurde der Pflanzenschutz zugunsten der Metallaktivitäten aufgegeben.

KRIEGSPRODUKTION: Goslar wurde nach 1933 aus einer verträumten, von Handwerk, Mittelstand und Fremdenverkehr geprägten mittelalterlichen Stadt zu einem wichtigen Ort der Rüstungsproduktion des Naziregimes. Die Stahlveredelungsprodukte und Arsenverbindungen der Firma Borchers AG/H.C. Starck waren kriegswichtig; beide Betriebe wurden mit staatlichen Mitteln ab 1935/36 ausgebaut, Produktion und Belegschaften mehr als verdoppelt. Neben der Preussag war die Chemische Fabrik Gebr. Borchers AG/H.C. Starck nun Goslars größter Arbeitgeber. 1935 übernahm H.C. Starck von der Hildesheimer Bank die Aktienmehrheit der Gebr. Borchers AG. Die Fa. H.C. Starck war 1920 in Berlin gegründet worden; Hermann C. Starck verfügte als Metall- und Erzhändler über für das Reich so wertvolle Kenntnisse kriegswichtiger Rohstoffe, dass er im 1. Weltkrieg vom Kriegsdienst freigestellt war.

Ein Konsortium aus Krupp AG, Gesellschaft für Metallurgie, I.G. Farben und H.C. Starck/Borchers wurde gegründet, um die Gewinnung einheimischer Rohstoffe für die Stahlveredelung zu forcieren. Dieses sogenannte „Ofensauenkonsortium“ hatte die Aufgabe, aus den Rückständen der Verschmelzung des Mansfelder Kupferschiefers Molybdän zu gewinnen, ein technologisch energieintensiver und äußerst umweltschädlicher Prozess. Die Anlagen für diese Produktion wurden ab 1935 in Oker gebaut, geplant übrigens vom bekannten Weimarer Bauhausarchitekten Schulze-Naumburg. Als es Ärger mit den Genehmigungsbehörden gab, weil Borchers die Ofensauenabteilung ungenehmigt ausbaute, beschwerte sich die Firma. Der Regierungspräsident Hildesheim schrieb in dieser Sache am 29.4.1940 unter dem Bearbeitungsvermerk "Sofort! Vertraulich!" an den Braunschweigischen Minister des Innern: "Auf Ihre Mitteilung über die Fortführung des Baues ohne Genehmigung habe ich mich zunächst an das Reichswirtschaftsministerium gewandt. Soeben habe ich fernmündlich die bereits erwartete Nachricht erhalten, daß der Ministerrat für die Reichsverteidigung seine Zustimmung zu dem Bau der Ofensauabteilung gegeben habe. Unter diesen Umständen muß ich aus wehrpolitischen Gründen davon absehen, gegen die Fortführung des Baues einzuschreiten."

Ein weiteres Standbein der Produktion war die Arsengewinnung für die Produktion von Schädlingsbekämpfungsmitteln; auf diesem Gebiet war Borchers seit Jahren Marktführer in Deutschland; siehe oben. Diese lange Erfahrung mit Schädlingsbekämpfungsmitteln auf Arsenbasis veranlasste das Regime, die Borchers AG zum Ausbau der Arsengewinnung zu nutzen, doch wahrscheinlich nicht nur zur Verbesserung des Pflanzenschutzes.

TROCKENSTOFFGESCHÄFT: Um 1920 begann die Trockenstoffproduktion im Werk Goslar, bevor 1935 H.C. Starck die Gebr. Borchers AG erwarb. Von großer Bedeutung waren die Lizenzvereinbarungen mit dem amerikanischen Unternehmen „Nuodex" zur Nutzung des Know-Hows im Trockenstoff- und Lackhilfsmittelbereich. Neben den Trockenstoffen wurden etwa ab 1960 weitere Lackadditive in das Produktprogramm übernommen und insbesondere auf dem Gebiet der PUR-Verdicker erwarb sich Borchers Kompetenzen. 1971 erfolgte dann die Übernahme des Trockenstoffgeschäftes der Hoechst AG und deren Marken Soligen® und Octa-Soligen® sowie im Jahre 1974 der Erwerb des französischen Trockenstoffherstellers Nuodex France, der später in Borchers France umbenannt wurde.

1986 - ÜBERNAHME DURCH DIE BAYER AG: 1986 erwarb die Leverkusener Bayer AG die Firmen H.C. Starck und Gebr. Borchers. 1994 wurde die gesamte Produktion des Goslarer Borchers-Werkes auf die Borchers France S.A. in Castres, Frankreich, verlagert; das Werk in Goslar wurde geschlossen. Zum 1.1.1995 gingen alle Geschäftsaktivitäten der Gebr. Borchers AG auf die neugegründete Borchers GmbH über und bilden seitdem dort den Kern für die Zusammenfassung aller Marketingaktivitäten des Bayer Konzerns auf dem Gebiet der Additive für die Farben- und Lackherstellung.

1992 - H.C. STARCK ZIEHT NACH GOSLAR: Seit 1992 residiert die Firma mit Hauptsitz in Goslar, wechselte mehrfach die Konzernmutter und ist heute nach eigener Einschätzung ein "global player".

Heutige Produktionsschwerpunkte sind:

Anwendungsgebiete sind u.a. Metallerzeugnisse und -verarbeitung, Optik, Elektrotechnik, Elektronik, Schweißen, thermisches Spritzen, Oberflächenveredlung, Katalysatoren, Farben und Lacke.

Entsorgung und Altlasten

Durch die Art der Produktion und Entsorgung - u.a. durch die frühere Herstellung von Pflanzenschutzmitteln auf Arsenbasis - war die Firma immer wieder Quelle von Umweltproblemen der verschiedensten Art, u.a. durch eine große Zahl von problematischen Altlasten im Raum Goslar.

Bundesweite Beachtung fand der Borchers-Entsorgungsskandal von Abfällen der Lindanproduktion in der stillgelegten Eisenerzgrube Morgenstern nördlich Goslar. Ende der 60er Jahre entzündete sich der dort völlig unsachgemäß über eine Drittfirma gelagerte Chemiemüll und konnte erst nach Wochen gelöscht werden. Die beiden verantwortlichen Inhaber der Entsorgungsfirma begingen in ihrem eigenen Labor Suizid.

Folgende Altlasten, in denen schwerpunktmäßig Industrieabfälle und -schlämme deponiert wurden, haben die Betriebe Borchers und H.C. Starck rund um das Werksgelände hinterlassen (Flächen- und Volumina nach Angaben der Unteren Abfallbehörde des Landkreises Goslar):

Auch in den alten Hausmülldeponien "Paradiesgrund" (13 ha, 2 Mio. m3), "Am Müllerkamp" (0,7 ha, 14.000 m3) und "Oker" (1 ha, 115.000 m3) finden sich Industrieschlämme aus der Produktion von Borchers/H.C. Starck. Weitere Altablagerungen befinden sich auf dem Werksgelände der Firma.

Die Emissionen einiger dieser Ablagerungen, ggf. verstärkt durch aktuelle Auswirkungen des Chemiebetriebs, finden sich im abströmenden Grundwasser wieder und werden im Tiefen Okerstollen gemessen. Die Beprobung der Wässer und Sedimente wurde bereits von GRID (1993) gefordert, aber erst 2000 begonnen, als der Stollen erneut einbrach und der öffentliche Druck so groß wurde, dass die Behörden und H.C. Starck reagieren mussten.

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