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	<title>Spurensuche Harzregion e.V. </title>
	
	<link>www.spurensuche-harzregion.de</link>
	<description>Webseite des Vereins Spurensuche Harzregion</description>				
	<pubDate>Thu, 12. Sep 2013 18:15:00 +0000</pubDate>
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		<title><![CDATA[Frank Baranowski. Rüstungsproduktion in der Mitte Deutschlands 1929 – 1945]]></title>
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		<pubDate>Thu, 12. Sep 18:15:00 +0000</pubDate>

		<creator>PV</creator>
		
		<category><![CDATA[publikationen]]></category>
		<keywords><![CDATA[baranowski, rüstung, arbeit, deutschland, verlag rockstuhl]]></keywords>

		<description><![CDATA[Neuerscheinung. Rezension]]></description>
			<content><![CDATA[
Frank Baranowski (2013)<br><br>
Rüstungsproduktion in der Mitte Deutschlands 1929 – 1945<br><br>

Festeinband 24 x 17 cm, 608 Seiten, 273 Abbildungen, darunter 260 Fotos, Verlag Rockstuhl, 

Bad Langensalza, ISBN 978-3-86777(501-999), 49,95 €, Vorbestellungen unter <a href="http://

www.verlag-rockstuhl.de/epages/63713257.sf/de_DE/?ObjectID=30277519">http://

www.verlag-rockstuhl.de/epages/63713257.sf/de_DE/?ObjectID=30277519</a><br><br>

<a href="http://www.spurensuche-harzregion.de/images/136-01.jpg"><img src="http://www.spurensuche-harzregion.de/images/136-01.jpg" style="float:left;margin:3px;width:60%;"></a>
Zu einem Zeitpunkt, als im gesamten Deutschen Reich Kriegsführung und -rüstung erste 

Zerfallserscheinungen zeigten, der bevorstehende Zusammenbruch der Fronten sich 

abzeichnete und gezielte Luftangriffe der Alliierten die Schaltstellen der Rüstungsindustrie 

massiv lähmten, gab es in quasi letzter Minute Bestrebungen, wichtige Rüstungsbetriebe 

namentlich der Flugzeugindustrie in den Südharz zu verlegen. Dies, obwohl die Region 

um Nordhausen bis dahin in der Rüstungspolitik keine wesentliche Rolle gespielt hatte. 

Mit Ausnahme der unterirdischen Munitionsanstalten, die das Heer ab 1934 in stillgelegten 

Kaliwerken von Bernterode bis Sondershausen eingerichtet hatte, war im Gegensatz zum 

angrenzenden Gau Südhannover-Braunschweig ein nennenswerter rüstungskonjunktureller 

Aufschwung bis Mitte 1943 ausgeblieben; allenfalls Zulieferaufträge gingen in geringem 

Umfang an Betriebe südöstlich des Harzes. Auch hatten sich bis zu dem Zeitpunkt nur 

wenige Firmen zum Zwecke der Kriegsproduktion in Nordthüringen neu angesiedelt, so etwa 

die Gerätebau GmbH oder der Röhrenhersteller Lorenz in Mühlhausen. In den westlichen 

Harzkreisen Goslar und Osterode bot sich hingegen ein anderes Bild. Dort ließ sich in den 

Jahren 1934 bis 1938 eine Vielzahl neu gegründeter Betriebe nieder; eine Vorrangstellung 

nahmen dabei die chemische und die metallverarbeitende Industrie ein.<br>

In Göttingen verzeichneten Unternehmen der Feinoptik starke Zuwächse, ein weiteres 

wichtiges Standbein stellten Luftwaffenaufträge dar. Noch weitaus prononcierter war 

die Entwicklung in und um Braunschweig. Die Grundlagen dafür hatte die Reichswehr 

bereits Anfang der 1930er Jahre mit ihrem Bestreben gelegt, sich trotz der auferlegten 

Beschränkungen des Versailler Vertrages ein engmaschiges Netz an Zulieferern für 

den „Bedarfsfall“ zu schaffen. Eine Vielzahl gerade alteingesessener Unternehmen profitierte 

davon. Bereits frühzeitig warben sie Rüstungsaufträge ein, die ihnen das Überleben in 

wirtschaftlich schwierigen Zeiten sicherten, bevor sie später ganz von Rüstungsaufträgen 

abhängig wurden. So entstand – zudem durch die Ansiedlung der Reichswerke Hermann 

Göring und einiger anderer mit Staatsmitteln alimentierter Firmen – eine Industriedichte, die 

im Reichsgebiet beispiellos blieb und zur Gründung ganzer Städte (Salzgitter, Wolfsburg) 

führte.<br><br>

Diese Ausweitung der Kriegsproduktion im Gau Südhannover-Braunschweig hatte zur 

Folge, dass in zunehmendem Maße Fremd- und Zwangsarbeiter herangezogen, später auch 

mehr und mehr KZ-Sklaven eingesetzt wurden. Da in der nordthüringischen Industrie ein 

solcher rüstungskonjunktureller Aufschwung nicht stattfand, blieb die Nachfrage nach 

ausländischem Personal zunächst gering. Erst mit der verstärkten Einberufung zur Wehrmacht 

im Zusammenhang mit dem Überfall auf die Sowjetunion begann ein stetiger Anstieg der 

Zahl der Fremd- und Zwangsarbeiter; bis Ende 1943 war das allerdings nur in den wenigsten 

Fällen auf eine wesentliche Aufstockung der Rüstungskapazitäten zurückzuführen. Allein 

Rheinmetall-Borsig behauptete mit seinem Betrieb in Sömmerda eine Sonderstellung. Der 

Konzern hatte in Thüringen unter Missachtung der Bestimmungen des Versailler Vertrages 

bereits im April 1921 die Zünderfertigung wieder aufgenommen und im Folgejahr die 

Entwicklung einer neuen Maschinenpistole vorangetrieben. Im Oktober 1922 beauftragte die 

Reichswehr das Unternehmen, die gesamte von den Alliierten für Deutschland zugelassene 

Menge an Zündern herzustellen.<br><br>

Unmittelbar nach der Machtübernahme begann Rheinmetall-Borsig mit einer stetigen 

Ausweitung seiner Kriegsproduktion in Sömmerda, die von nun an nicht mehr verdeckt 

betrieben werden musste. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich das Werk zum 

bedeutendsten Rüstungsunternehmen Nordthüringens, stand damit jedoch allein und völlig 

losgelöst von der sonstigen Entwicklung in der Region. 1944 beschäftigte Rheinmetall 

Sömmerda zeitweise 13.000 Arbeitskräfte und damit mehr als die im Juni 1944 jeweils 

12.000 Beschäftigten bei Hanomag oder Conti, den beiden größten Unternehmen des 

Rüstungskommandos Hannover.<br><br>

Die wirtschaftliche Situation in Nordthüringen änderte sich in dem Moment, als die 

Raketenmontage in die von der Wirtschaftlichen Forschungsgesellschaft (Wifo) geschaffene 

und von Häftlingen des eigens gegründeten Buchenwalder Außenkommandos Dora unter 

unmenschlichen Bedingungen ausgebaute Stollenanlage bei Niedersachswerfen verlagert 

wurde. In ihrer Verblendung plante die NS-Führungselite seit dem Frühjahr 1944, nach dem 

Beispiel „Dora“ weitere Produktionsstätten in Nordthüringen unter Tage zu dislozieren, 

vorrangig solche der Flugzeugindustrie, wie es das Heer seit 1934 vorexerziert hatte. Dadurch 

bedingt wurden fast explosionsartig weitere KZ-Außenlager gegründet, um deren Insassen 

als Arbeitssklaven auf den zahlreichen Baustellen der Sonderstäbe auszubeuten, bis ihre 

Lebenskräfte sie verließen. Keine dieser projektierten und unter hohen Menschenopfern in 

Angriff genommenen „Großanlagen“ ging in Betrieb.<br><br>

Gleichzeitig fand ab Mitte 1943 in immer stärkerem Umfang eine oberirdische Verlagerung 

von wichtigen Rüstungsbetrieben in diesen „Mittelraum“ statt. Die Betriebsverlegungen 

nahmen derartige Ausmaße an, dass spätestens im zweiten Quartal 1944 kaum mehr 

freier Produktionsraum zur Verfügung stand und das Rüstungskommando dazu überging, 

im ganzen Gebiet Wirtschaftszweige insbesondere der Textilindustrie, zugunsten 

rüstungsindustrieller Verlagerungsbetriebe stillzulegen. Deren Nutznießer war erneut 

vor allem die Flugzeugindustrie, die damit zu einer führenden Stellung in Nordthüringen 

gelangte. Federführend war dabei der Junkers-Konzern, der zahlreiche seiner dezentralisierten 

Betriebe im Harz und Harzvorland unterbrachte. Mit dieser Verlagerungsbewegung erhöhte 

sich allein die Zahl der in Nordhausen tätigen Ausländer, bezieht man die in der Boelcke-
Kaserne untergebrachten Zivilarbeiter der „Nordwerke“ ein, auf über 10.000. Auf diese 

Weise kam es im Stadtgebiet zu einem Ausländeranteil von fast 25 %, weit mehr als z. B. in 

der Industriestadt Essen, die die meisten ausländischen Arbeitskräfte im Arbeitsamtsbezirk 

Rheinland zählte.<br><br>

Intention des neuen Buches ist es, diese Strukturveränderungen und ihre Gründe zu 

analysieren. Es soll der Weg vom „Notstandsgebiet“ Nordthüringen zu einem wenn auch 

unvollendet gebliebenen Rüstungszentrum dokumentiert und nachgezeichnet werden; 

eine Zusammenballung von Waffenschmieden, die als Torso nur durch Ausbeutung von 

Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen entstand und Zahllosen das Leben kostete. Als Kontrast 

wird im ersten Kapitel ein Blick auf den schon ab 1933 zur Blüte gelangten industriellen 

Ballungsraum Salzgitter-Braunschweig-Hildesheim – eines der Rüstungszentren des Reiches 

von Anfang an – und die weitaus geringer, aber dennoch intensiv vom Rüstungsaufschwung 

betroffenen südniedersächsischen Landkreise Göttingen, Goslar, Osterode und Northeim 

geworfen. Bei nahezu gleichen Ausgangsbedingungen nahm die Entwicklung dort einen ganz 

anderen Verlauf. Der rüstungsbedingte Aufschwung hielt in diesen Kreisen bis Kriegsbeginn 

an, erhielt nach 1939 durch den Krieg aber keine neuen Impulse. In der Endphase des NS-
Regimes blieben hier nennenswerte Verlagerungstendenzen aus, wie sie in Nordthüringen zu 

umwälzenden Veränderungen führten. Von gewisser Relevanz waren lediglich die Untertage-
Bauvorhaben im Hils bei Holzen (Projekt „Hecht“), in denen Zwangsarbeiter in großer Zahl 

zum Einsatz kamen; eine rüstungswirtschaftliche Nutzung der Untertagebauten war dennoch 

nicht erkennbar. Nennenswert ist noch der Flugzeugbauer Heinkel, der im Herbst 1944 eine 

seiner Fabriken aus dem polnischen Mielec nach Bad Gandersheim in Gebäude der Firma 

Bruns Apparatebau, die gerade bezugsfertig geworden waren, auslagerte. Er ließ dort von 

mehr als 500 Häftlingen des werkseigenen KZs Flugzeugrümpfe montieren.<br><br>

Es lässt sich nachweisen, dass der zeitversetzte Rüstungsaufschwung nicht nur 

infrastrukturelle Gründe hatte. Vielmehr war er im heutigen Niedersachsen bereits in der 

Weimarer Republik angelegt und hatte seine Grundlagen in den frühen, unter Verletzung der 

Abrüstungsbestimmungen des Versailler Vertrages betriebenen Aufrüstungsbestrebungen 

der Militärs. Die ‚Flucht aufs Land und in die Provinz‘, insbesondere in das bis 1943 

nur untergeordnet mit Rüstungsaufträgen bedachte Nordthüringen, war hingegen einzig 

aus der Not des alliierten Bombenkriegs und dem Streben nach Dezentralisierung 

der Kriegsmaschinerie erwachsen, ohne nachhaltige Auswirkungen auf die Zeit nach 

dem Krieg. Zur Verdeutlichung dieser in Schüben vollzogenen Entwicklung sind die 

Steuerungsmechanismen aufzudecken und die an dem Prozess beteiligten administrativen 

Entscheidungsinstanzen auf politischer und militärischer Ebene zu benennen. Darüber 

hinaus stellt sich die Frage nach Verantwortung, Schuld und ‚Täterschaft’, insbesondere von 

Industrie und Wirtschaft.<br><br>

Nachdem die ‚Quelle’ ausländischer Zwangsarbeiter und Kriegsgefangener nahezu versiegt 

war, griffen die Unternehmen verstärkt auf das letzte noch verbliebene Arbeitskräftereservoir 

zurück und integrierten in zunehmendem Maße KZ-Häftlinge, zum Teil in Baracken 

unmittelbar neben der Fabrik untergebracht, in ihren Produktionsablauf. In diesem 

Zusammenhang sind die unterschiedlichen Lebens- und Existenzbedingungen in der 

Fabrik und in der Vielzahl an Untertagebaustellen der SS zu untersuchen und bestehende 

Unterschiede aufzuzeigen. Abschließend ist zu erörtern, ob es ein gezieltes Programm 

der „Vernichtung durch Arbeit“ gab, also der Einsatz von Häftlingen Mittel zum Zweck ihrer 

Vernichtung war, oder ob die Vernichtung eine einkalkulierte, nicht aber vorsätzlich und 

willentlich herbeigeführte Folge des Zwangsarbeitereinsatzes war.<br><br>

Das Buch befindet sich in der Drucklegung und wird im Oktober 2013 erscheinen.<br><br>
Vorbestellungen sind bereits jetzt möglich unter <a href="http://

www.verlag-rockstuhl.de/epages/63713257.sf/de_DE/?ObjectID=30277519">http://

www.verlag-rockstuhl.de/epages/63713257.sf/de_DE/?ObjectID=30277519</a>.<br><br>

Der Rezensent konnte den Text bereits vor Druck sichten – der Band ist ein Muss für alle am Thema 

Arbeitenden und Interessierten und bringt zahlreiche neue Fakten.

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