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 <title>Spurensuche Harzregion e.V. </title>
    
   
 <link>www.spurensuche-harzregion.de</link>
   
 <description>Webseite des Vereins Spurensuche Harzregion</description>
   
 <pubDate>Tue, 13 Nov 2018 09:40:00 +0200</pubDate>
   
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 <language>de-de</language>
   
	 <item> 
        
		<title><![CDATA[20 Jahre Spurensuche Harzregion - Feier im Gro&szlig;en Heiligen Kreuz am 5. November 2018 - Rede Dr. Peter Schyga, Verein Spurensuche Harzregion
]]></title>
        
		<link>http://www.spurensuche-harzregion.de/?publikationen/183</link>
        
		<comments></comments>
        
		<pubDate>Tue, 13 Nov 2018 09:40:00 +0200</pubDate>

        
		<creator>PV</creator>
        
        
		<category><![CDATA[publikationen]]></category>
		<keywords><![CDATA[verein, spurensuche, 20 jahre, rede, peter schyga]]></keywords>
        		
		<description><![CDATA[Dokumentation der Rede von Dr. Peter Schyga, Verein Spurensuche]]></description> 
            
		<content><![CDATA[
<b>Peter Schyga: Rede bei der Veranstaltung 20 Jahre Spurensuche am 5.11.2018 im
Gro&szlig;en Heiligen Kreuz, Goslar</b><br><br>
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<br><br>
Anrede, OB, Landrat,<br>
sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde.<br><br>
Im Namen des Vereins Spurensuche Harzregion, bedanke ich mich f&uuml;r Ihr /euer
Kommen, f&uuml;r das Interesse, an unserer Veranstaltung zu 20 Jahre Spurensuche
teilzuhaben, und Ihnen Herr Oberb&uuml;rgermeister Junk und Ihnen Frank Heine mein
besonderer Dank, hieran aktiv mitzuwirken.<br><br>
Kurz zum Ablauf des Abends, wie wir ihn uns vorgestellt haben: Herr OB Dr. Junk
wird gleich eine kurze Ansprache halten und Frank Heine danach die Eloge singen -
er hat eine &uuml;berraschung versprochen, angedroht - wer wei&szlig;. Bernd Krage Sieber
wird diesen Sprechteil mit einem Lied beenden und danach sind Sie eingeladen zum
Gespr&auml;ch bei Knabberkram und Trank - Aufnahmeantr&auml;ge f&uuml;r unseren Verein liegen
&uuml;brigens genug aus.<br><br>
Sie alle sind es von uns gewohnt, dass wir inhaltlich etwas zu sagen haben, das soll
heute kurz und knapp nicht anders sein: Nur m&ouml;chte ich erst einmal meinen
Dankmarathon absolvieren, was ich heute &uuml;brigens gern tue.
Denn wir h&auml;tten kaum einen Grund zu feiern, wenn wir nicht von etlichen
Menschen in dieser Stadt und der Region w&auml;hrend all dieser Jahre tatkr&auml;ftige
Unterst&uuml;tzung, Zuspruch und Aufmunterung erfahren h&auml;tten, unseren Weg zu
gehen.<br><br>
Ohne mit 1., 2., 3. irgendeine Sympathierangfolge uns gegen&uuml;ber formulieren zu
wollen: Die Hauptabteilung Kultur der Stadt - ich nenne das mal so -, heute
namentlich Christoph Gutmann und sein Team im Museum und mit Herrn Abers im
Archiv, zu Beginn ganz sicher Heidi Roch-St&uuml;bler als z&auml;h so manchen Widerstand
z&auml;hmende engagierte Frau, alle haben uns die ganzen Jahre solidarisch - auch
kritisch - begleitet. Ich erinnere nur an die erste Ausstellung zur Zwangsarbeit in
Goslar, die wir im Museum zeigen konnten, weitere folgten - und heute d&uuml;rfen wir
in diesem st&auml;dtischen Raum unsere kleine Feier abhalten. Herr Albers musste seine
Teilnahme heute leider absagen: ohne Archiv und deren zuvorkommende
Mitarbeiter geht bekanntlich gar nichts in der Geschichtsforschung - mein Dank
daf&uuml;r.<br><br>
Die GZ, namentlich die Redakteure Heinz Georg Breuer und Frank Heine haben von
Anfang an mit Interesse und kritischer, manchmal bissiger aber nie - oder habe ich
was verdr&auml;ngt? - b&ouml;sartiger Berichterstattung eine &ouml;ffentlichkeit f&uuml;r unsere Arbeit
hergestellt, ohne die wir kaum h&auml;tten so agieren k&ouml;nne, wie wir es taten und tun,
n&auml;mlich nicht im stillen K&auml;mmerlein, sondern &ouml;ffentlich und dort auch ruhig
kontrovers. F&uuml;r Ina Seltmann und Werner Beckmann aus der Bad Harzburg
Redaktion gilt das Gleiche.<br><br>


Mit dem DGB Goslar kooperieren wir von Beginn an. Der Stadtf&uuml;hrer zu den St&auml;tten
von Verfolgung und Widerstand im Goslar der NS-Zeit, mehrfach neu aufgelegt, ist
nur ein Zeugnis davon.<br><br>
Die fruchtbaren Verbindungen zu Personen und Initiativen in der ganzen Region, zu
Seesen, Clausthal, Bad Lauterberg, zur S&uuml;dharzregion, auch zu Wernigerode und
Umgebung, ganz besonders aber zu Bad Harzburg haben dazu beigetragen, das Bild
von Zeitgeschichte in der Region durch pr&auml;zise Forschung und engagierte
Vermittlung zu ver&auml;ndern.<br><br>
Mit Herrn Liersch und seiner Propstei hatten wir vor 10 Jahren in der Marktkirche
gemeinsam eine bedeutende und folgenreiche Ausstellung zur Reichpogromnacht
auf die Beine gestellt, ein paar Jahre sp&auml;ter - wieder im Museum - eine Ausstellung
zum Erntedank in Goslar und auf dem B&uuml;ckeberg. Auch diese hallt in den
gegenw&auml;rtigen Auseinandersetzungen um die Einrichtung eines
Dokumentationszentrums auf dem B&uuml;ckeberg bei Hameln inhaltlich noch nach.
Mit dem Geschichtsverein, von dessen F&uuml;hrung wir lange Zeit als unliebsame und
st&ouml;rende Konkurrenz betrachtet wurden - wer wei&szlig; warum auch immer -, arbeiten
wir inzwischen produktiv zusammen. Herr Piegsa hat sich wegen Urlaubs
entschuldigt, der sei ihm herzlich geg&ouml;nnt.<br><br>
Wer bei meinem Dank nun wirklichen nicht fehlen darf, sind die Mitglieder von
Spurensuche. Einige sind seit der Gr&uuml;ndung aktiv dabei, etliche sind
hinzugekommen und leisten ihren von der &ouml;ffentlichkeit oft nicht sichtbaren
Beitrag f&uuml;r unsere Arbeit. Alle stehen im Beruf und sind verbandlich oder politisch
anderswo engagiert, finden aber die Kraft bei Spurensuche mitzuwirken. In diesem
Zusammenhang muss ich Friedhart Knolle f&uuml;r seine Abwesenheit heute
entschuldigen. Friedhart ist NGO-m&auml;&szlig;ig wegen eines Nationalparkprojekts an der
Grenze zwischen Algerien und Tunesien unterwegs.<br><br>
Und mein besonderer Dank gilt heute einem aktiven Nichtmitglied. Eberhrad
H&ouml;gerle begleitet uns als professioneller Designer seit Jahren. Ohne ihn w&auml;ren die
Ausstellung zur Harzburger Front - inklusive Katalog - oder die Bad Harzburger
Geschichtspunkte kaum realisiert worden. Lassen Sie mich hier und heute auch an
unsere verstorbenen Gr&uuml;ndungsmitglieder Wolfgang Janz und Renate Ristig
erinnern, die beide dem ersten Vorstand des Jahres 1998 angeh&ouml;rten.
Und - mit bitte um Nachsicht bei allen, die ich nicht explizit erw&auml;hnt habe -: ohne
die finanzielle Unterst&uuml;tzung von Spendern und Stiftungen aus der Region - ich
nenne hier stellvertretend die Bad Harzburg Stiftung - h&auml;tte gar nichts auf die Beine
gestellt werden k&ouml;nnen.<br><br>
Das finanzielle und auch fachliche Engagement der Stiftung nieders&auml;chsische
Gedenkst&auml;tte muss und will ich herausstellen, insbesondere die Zusammenarbeit
mit Arnold J&uuml;rgens und Rolf Keller. Ihnen sei unser Dank f&uuml;r die jahrelange
sachkundige und hilfreiche Unterst&uuml;tzung ausgesprochen.
<br><br>
Wir haben uns 1998 mit einem kleinen Heft unter dem damals ziemlich vermessen
klingenden Titel "Dem Vergessen Einhalt gebieten" der &ouml;ffentlichkeit mit unseren
Zielen und in Angriff zu nehmenden Aufgaben vorgestellt.
Darin hie&szlig; es plakativ: "Es hat im Vorfeld der Vereinsgr&uuml;ndung &ouml;ffentlich Kritik zu
Zielen und Aufgaben des Vereins gegeben. Diese Kritik reichte von produktiver
Skepsis bis zur Leugnung des Geschehenen. Sich der Vergangenheit zu stellen, um
seine Aufgabe als Staatb&uuml;rger in einem freiheitlichen Rechtssatt in einem
zusammenwachsenden Europa wahrnehmen zu k&ouml;nnen, halten wir f&uuml;r eine
Selbstverst&auml;ndlichkeit."<br><br>
Vernehmlich gebr&uuml;llt, Stubentiger, k&ouml;nnte man retrospektiv urteilen, und alles wird
gut, wenn die Zeiten politisch nicht nur un&uuml;bersichtlicher, sondern f&uuml;r den
Charakter unserer Demokratie gef&auml;hrlicher werden w&uuml;rden. Damals mussten wir
uns mit anderen dem geschichtsvergessenen Spruch: "Was sind schon zw&ouml;lf Jahre in
der &uuml;ber 1.000 -j&auml;hrigen Geschichte der Stadt" mit Forschung und im &ouml;ffentlichen
Streit widersetzen. Ich denke, dass wir &uuml;ber die 20 Jahre damit einiges bewirkt
haben. Und ich denke, dies konnte leidlich gelingen, weil wir quellen- und
wissensgest&uuml;tzte Arbeit an Zeitgeschichte immer als politischen Auftrag verstanden
haben - zumindest haben wir das versucht.<br><br>
Ich m&ouml;chte nur ein einziges Beispiel nennen: Wir haben mit gro&szlig;er Unterst&uuml;tzung
und aktiver Beteiligung der &ouml;rtlichen B&uuml;rger*innengesellschaft die Ausstellung zur
Harzburger Front von 1931 in Bad Harzburg und als wanderndes Exponat in vielen
Orten gezeigt. Dort haben wir, ohne uns in Analogien zu verirren, dargestellt, wie
das B&uuml;ndnis der b&uuml;rgerlich-nationalen Eliten mit Hitler zur Zerschlagung der
demokratischen Republik geschmiedet wurde.<br><br>
Ich erinnere mich sehr gut an eine Reaktion von Ludwig Hoffmann, erster und
langj&auml;hriger B&uuml;rgermeister von Wernigerode nach der Wende, der angesichts der
Erfahrungen mit der NDP in seiner Stadt und im Landkreis die Parallelen von
gewaltt&auml;tiger Sprache, von Begriffen rassistischer und v&ouml;lkischer Ausgrenzung, der
&uuml;berheblichen Selbsterm&auml;chtigung zum Volk gestern und heute betonte.
Gauland war damals noch in der CDU, H&ouml;cke blieb mit seinem v&ouml;lkischen
Geschichtsrevisionismus im Klassenzimmer - schlimm genug. Doch heute greift die
historische Ignoranz, massiv und bundesweit Jahrzehnte erarbeiteter
bundesdeutscher Erinnerungskultur und -politik an, p&ouml;belt respektlos gegen Wissen
und Argument, schwadroniert von "deutschem Soldatenstolz" und preist deutsche
Leitkultur gegen &uuml;berfremdung an.<br><br>
Aleida Assmann hat dazu in ihrer Dankesrede zur Verleihung des Friedenspreises
des deutschen Buchhandels an sie und ihren Mann Jan gesagt:
"Die Nation ist kein Heiliger Gral, der vor Befleckung und Entweihung - Stichwort
Vogelschiss - zu retten ist, sondern ein Verbund von Menschen, die sich auch an
besch&auml;mende Episoden ihrer Geschichte erinnern und Verantwortung &uuml;bernehmen
f&uuml;r die ungeheuren Verbrechen, die in ihrem Namen begangen wurden." (zit. n. SZ
v.15.10.2018)<br><br>
Ausdr&uuml;cklich bezogen sich beide auf ein Vorg&auml;ngerpaar: Den Preistr&auml;ger von 1958
Karl Jaspers und seine Laudatorin Hannah Arendt, die nach dem Zivilisationsbruch
der NS-Zeit um die Humanitas in Politik und Gesellschaft gerungen haben.
Aneignen von Wissen, Schaffung von Erkenntnis, &ouml;ffentliche und argumentative
Debatte unter der unabweisbaren Pr&auml;misse, dass der Mensch das Recht hat,
Mensch zu sein, dass dies Menschenrecht und Menschenw&uuml;rde ausmacht, die nicht
ein Gran zur Debatte stehen d&uuml;rfen.<br><br>
Das ist der Grundsatz, von dem sich Arbeit an Geschichte in einer reflektierenden
und in ihrem demokratischen Selbstverst&auml;ndnis sich immer wieder selbst
verst&auml;ndigenden Gesellschaft leiten lassen muss.<br><br>
Wir haben das die letzten 20 Jahre versucht und wir sind willens und von
ungebremstem Tatendrang - trotz der im Alter zunehmenden Zipperlein -, dies mit
Ihrer Hilfe und Ihren Interventionen in &ouml;ffentlicher Debatte fortzusetzen.
So lade ich Sie deshalb am 9. November zum Gedenken und Nachdenken anl&auml;sslich
des 80sten Jahrestags der Reichspogromnacht von 1938 um 17 Uhr nach Bad
Harzburg in den Badepark und danach ins Gemeindehaus der Lutherkirche ein.
Vielen Dank.<br><br>
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