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	<title>Spurensuche Harzregion e.V. </title>
	
	<link>www.spurensuche-harzregion.de</link>
	<description>Webseite des Vereins Spurensuche Harzregion</description>				
	<pubDate>Thu, 10 July 2006 00:00:01 +0000</pubDate>
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	<language>de-de</language>
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		<title><![CDATA[Arbeiten f&uuml;r Gro&szlig;deutschland - Teil 8]]></title>
		<link>http://www.spurensuche-harzregion.de/?publikationen/30</link>
		<comments></comments>
		<pubDate>Thu, 10 July 2006 00:00:01 +0000</pubDate>

		<creator>PV</creator>
		
		<category><![CDATA[publikationen]]></category>
				<keywords><![CDATA[bad lauterberg,regionalgeschichte,zwangsarbeit]]></keywords>

		<description><![CDATA[Zwangsarbeit in Bad Lauterberg ]]></description>
			<content><![CDATA[
Stadtarchiv Bad Lauterberg<br>
KptLt a.D. Helmut L&uuml;der
<br><br>
<b>Gesundheitszustand der Ausl&auml;nder</b>
<br><br>
&Uuml;ber den Gesundheitszustand und die Gr&uuml;nde der Erkrankungen der in Bad Lauterberg eingesetzten Ausl&auml;nder lassen sich nur marginale Aussagen machen. Die Quellen, die dar&uuml;ber Auskunft geben k&ouml;nnten, wie Arbeitsunf&auml;higkeitsmeldungen der AOK oder Krankenhausakten und Journale des St&auml;dtischen Krankenhauses Bad Lauterberg, stehen dem Stadtarchiv nicht, bzw. nicht mehr zur Verf&uuml;gung. Bei schweren Erkrankungen mit Todesfolge wurde die Todesursache vielfach in den Standesamtsb&uuml;chern vermerkt. Diese Quelle konnte in vollem Umfang in Bad Lauterberg genutzt werden und erm&ouml;glichte die nachfolgende Auswertung.
<br><br>
<b>Krankenf&uuml;rsorge</b>
<br><br>
Unter den Bedingungen des Krieges hatten die Gesundheitsbeh&ouml;rden erhebliche Schwierigkeiten, eine auch nur ann&auml;hernd angemessene Gesundheitsf&uuml;rsorge der in gro&szlig;er Zahl eingesetzten Ausl&auml;nder aufzubauen und zu praktizieren. Hinzu kam, da&szlig; die Rassenlehre des Dritten Reiches in ihrer Ideologie von vornherein Einschr&auml;nkungen f&uuml;r Ostarbeiter und Polen vorsah. Diese wirkten sich naturgem&auml;&szlig; auch auf medizinischem Gebiet aus. Die &ouml;rtlichen Gesundheitsbeh&ouml;rden waren gehalten, gemeinsame Behandlung von deutscher Bev&ouml;lkerung, Ostarbeitern und Polen m&ouml;glichst einzuschr&auml;nken<sup>61</sup> mit der Folge, da&szlig; Krankenh&auml;user und Heilst&auml;tten ab 1942 von Personen aus Osteuropa kaum genutzt werden konnten. 
<br><br>
Ab Sommer 1942 gab es Pl&auml;ne, f&uuml;r aus Polen und der Sowjetunion stammende Arbeiterinnen und Arbeiter eine Krankenversorgung au&szlig;erhalb der regul&auml;ren Krankenh&auml;user zu organisieren. Das neu zu schaffende Krankenversorgungssystem basierte auf zwei S&auml;ulen. Erstens behielten, bzw. bekamen die gr&ouml;&szlig;eren Lager eigene Krankenreviere, zweitens wurden zum Teil in Anlehnung an die, f&uuml;r die deutsche Bev&ouml;lkerung bestehenden Krankenh&auml;user, sogenannte Krankenbaracken f&uuml;r die Therapie von Ausl&auml;ndern eingerichtet. In Bad Lauterberg stand die Krankenbaracke am Kupferoser Weg unterhalb des St&auml;dtischen Krankenhauses. In dieser Krankenbaracke wurden auch Ausl&auml;nder aus den Lagern der Orte Herzberg, Osterode, Hattorf und St. Andreasberg behandelt. Das Lager Metallwerk Odertal/Hauxkopf und das Gemein-schaftslager Otto Schickert und Co. KG. sowie das Lager Metallwerk Silberh&uuml;tte in St. Andreasberg/Silberh&uuml;tte hatten eigene Krankenreviere. Insgesamt konnte die geringe Betten-zahl der Krankenbaracke und der Krankenreviere den notwendigen Bedarf nicht decken, so da&szlig; Ausl&auml;nder auch entgegen Vorschriften und Weisungen von Gesundheitsbeh&ouml;rden doch in den Krankenh&auml;usern behandelt wurden. Daneben kam auch eine Verlegung oder &Uuml;berweisung in benachbarte Anstalten in Frage. Die Gesundheitsorganisation war mit den Massen der ausl&auml;ndischen Arbeiterinnen und Arbeiter v&ouml;llig &uuml;berfordert. 
<br><br>
Hinsichtlich des Personals war die Krankenversorgung von Polen und Ostarbeitern vor allem auf deutsche &Auml;rzte, Hebammen und medizinisches Hilfspersonal angewiesen. Die Krankenbaracke am Kupferoser Weg in Bad Lauterberg verf&uuml;gte ab Februar 1943 &uuml;ber einen russischen Feldscher<sup>62</sup>. Das Metallwerk Odertal hatte ab Oktober 1944 einen italienischen Arzt, die Deutsche Baryt Industrie und die Schickert Werke hatten ab September 1943 je eine sowjetische Sanit&auml;terin, die Miag ab Oktober 1944 eine estl&auml;ndische Sanit&auml;terin. 
<br><br>
<b>Todesf&auml;lle und Todesursachen</b>
<br><br>
In Bad Lauterberg waren insgesamt 153 Todesf&auml;lle zu beklagen. Fast 50% der Sterbef&auml;lle war auf Tuberkulose und deren unzureichende Behandlung in den Krankenrevieren bzw. in der Krankenbaracke zur&uuml;ckzuf&uuml;hren. Auch bei den Kindern<sup>63</sup> war eine hohe Sterblichkeit festzustellen.
<br><br>
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<br><img src="http://www.spurensuche-harzregion.de/images/ex.gif" style="width:11px;float:right">Bild vergr&ouml;&szlig;ern</a></div>
<br>
Tabelle 8
<br>
<table border="1" cellspacing="0" cellpadding="1">
<tr><th>Todesursache</th><th>Personen</th></tr>
<tr><td>Arbeitsunfall</td><td align="right">1 Fall</td></tr>
<tr><td>Bombenangriff</td><td align="right">2 F&auml;lle</td></tr>
<tr><td>Darmgeschw&uuml;r</td><td align="right">1 Fall</td></tr>
<tr><td>Erschlagen </td><td align="right">1 Fall</td></tr>
<tr><td>Fluchtversuch/Erschossen</td><td align="right">1 Fall</td></tr>
<tr><td>Gehirnabsze&szlig;</td><td align="right">1 Fall</td></tr>
<tr><td>Grippe/Lungenentz&uuml;ndung</td><td align="right">1 Fall</td></tr>
<tr><td>Grippe/Herzschw&auml;che</td><td align="right">1 Fall</td></tr>
<tr><td>Herzdegeneration</td><td align="right">1 Fall</td></tr>
<tr><td>Herzinfarkt</td><td align="right">1 Fall</td></tr>
<tr><td>Herzschw&auml;che</td><td align="right">3 F&auml;lle</td></tr>
<tr><td>Knochentuberkulose</td><td align="right">1 Fall</td></tr>
<tr><td>Lungenentz&uuml;ndung </td><td align="right">3 F&auml;lle</td></tr>
<tr><td>Lungentuberkulose</td><td align="right">76 F&auml;lle</td></tr>
<tr><td>Lungentuberkulose/ Herzschw&auml;che</td><td align="right">1 Fall</td></tr>
<tr><td>Lungentuberkulose/ Knochentuberkulose</td><td align="right">1 Fall</td></tr>
<tr><td>Meningitis</td><td align="right">1 Fall</td></tr>
<tr><td>Magengeschw&uuml;r</td><td align="right">1 Fall</td></tr>
<tr><td>Morbus Banti</td><td align="right">1 Fall</td></tr>
<tr><td>Nackenkarbunkel</td><td align="right">1 Fall</td></tr>
<tr><td>Paralyse</td><td align="right">1 Fall</td></tr>
<tr><td>Sch&auml;delbruch</td><td align="right">2 F&auml;lle</td></tr>
<tr><td>Scharlach</td><td align="right">2 F&auml;lle</td></tr>
<tr><td>Suizid</td><td align="right">1 Fall</td></tr>
<tr><td>Tumor</td><td align="right">1 Fall</td></tr>
<tr><td>Todesursache nicht vermerkt</td><td align="right">23 F&auml;lle</td></tr>
<tr><td>Unfall</td><td align="right">1 Fall</td></tr>
<tr><td>Ungl&uuml;cksfall</td><td align="right">2 F&auml;lle</td></tr>
<tr><td colspan="2">Die Kinder starben an:</td></tr>
<tr><td>Fr&uuml;hgeburt</td><td align="right">1 Fall</td></tr>
<tr><td>Gastroentritis</td><td align="right">1 Fall</td></tr>
<tr><td>Intoxikation/ Vergiftung</td><td align="right">1 Fall</td></tr>
<tr><td>Lungentuberkulose</td><td align="right">2 F&auml;lle</td></tr>
<tr><td>Lungenentz&uuml;ndung</td><td align="right">8 F&auml;lle</td></tr>
<tr><td>Meningitis</td><td align="right">2 F&auml;lle</td></tr>
<tr><td>Todesursache nicht Vermerkt</td><td align="right">6 F&auml;lle</td></tr>
<tr><td>Totgeburt</td><td align="right">2 F&auml;lle</td></tr>
</table><br>
<div style="font-size:11px;text-align:right;"><a href="http://www.spurensuche-harzregion.de/images/30-02.jpg"><img src="http://www.spurensuche-harzregion.de/images/30-02.jpg" style="width:100%;">
<br><img src="http://www.spurensuche-harzregion.de/images/ex.gif" style="width:11px;float:right">Bild vergr&ouml;&szlig;ern</a></div>
<br>
Todesf&auml;lle aufgrund von Gewalteinwirkung waren auch zu verzeichnen. Der sowjetische Kriegsgefangene Wassyl Hontscherenko, geb. 12.1.1918 in Troskaja/Rostowsk, wurde am 9.9.1941 in der Lutterstra&szlig;e durch einen Wachposten bei einem vermeintlichen Fluchtversuch erschossen.
<br><br>
Nach Aussagen von Zeitzeugen aus dem Bad Lauterberger Ortsteil Odertal<sup>64</sup> wurden im April 1945 w&auml;hrend der Kampfhandlungen f&uuml;nf russische Ostarbeiter von einer Nachhut deutscher Fallschirmj&auml;ger beim Pl&uuml;ndern in den Wohnh&auml;usern der Werkssiedlung der Harzwasserwerke unterhalb des Oderstaudammes &uuml;berrascht und sofort vor Ort, ohne kriegsgerichtliche Verhandlung, erschossen. Die Toten wurden auf dem Grundst&uuml;ck in der N&auml;he des Hauses zusammengelegt und mit einem Schild mit der Aufschrift "Pl&uuml;nderer" versehen. Die deutschen Bewohner der Werksh&auml;user fl&uuml;chteten daraufhin aus Angst vor Vergeltungsma&szlig;nahmen der befreiten Ostarbeiter nach Bad Lauterberg. Zwei der f&uuml;nf Toten wurden vor Ort von Unbekannten begraben, die sterblichen &Uuml;berreste wurden in den 70ziger Jahren bei Ausschachtungsarbeiten wieder entdeckt; wo die drei anderen Toten verblieben sind, ist unbekannt.
<br><br>
Im Sumpfgebiet zwischen Schmiedekinds M&uuml;hle und Dreymanns M&uuml;hle im Ortsteil Bartolfelde/Barbis wurden die Ostarbeiter<sup>65</sup> N.N. Brewurs, geb. 1923 in Kertsch, und N.N. Polenko, geb.1922 in Leningrad, von Unbekannten erschlagen und verscharrt. Nach Aussage eines bereits verstorbenen Zeitzeugen<sup>66</sup> sollen sie aus Bad Lauterberg/Odertal gekommen sein. 
<br><br>
Der polnische Arbeiter Stanislaus Sobeczack, geb. am 28.4.1914 in Lieratz oder Sierads, und seine deutsche Ehefrau wurden am 9.11.1945 in Bad Lauterberg/OT Bartolfelde<sup>67</sup> ermordet.
<br><br>
Auch unter den verschiedenen Nationalit&auml;ten der nach Kriegsende "Displaced Persons<sup>68</sup>" genannten Menschen ist es zu gewaltt&auml;tigen Auseinandersetzungen mit t&ouml;dlichem Ausgang gekommen. Nach Ende der Kampfhandlungen im April 1945 wurden bis in das Jahr 1946 hinein dreizehn teilweise unbekannte, tote Kriegsgefangene und Ostarbeiter in den W&auml;ldern der Umgebung aufgefunden. Die Todesursachen wurden meistens nicht gekl&auml;rt.
<br>
<hr width="40%">
<small>Fu&szlig;noten<br>
61 Grund war die Sorge, da&szlig; die ohnehin geringe Zahl von Krankenhausbetten nicht zur Behandlung aller Patienten ausreichen k&ouml;nnte und deshalb eine Beieintr&auml;chtigung der Gesundheitsversorgung der deutschen Bev&ouml;lkerung zu erwarten w&auml;re (SA Wolfenb&uuml;ttel, 129 Neu FB. 2 Nr. 4455).
<br>
62 HSA Hannover, Hann 122a XII Nr 3150.
<br>
63 siehe Kapitel Familien, Geburten und Eheschlie&szlig;ungen.
<br>
64 Interview mit den Zeitzeugen O. Wiegand am 03.02.2003 und H. Bode am 25.03.2003.
<br>
65 Standesamt Bad Lauterberg/ Bartolfelde
<br>
66 Kirchenarchiv Bartolfelde, "Erlebnisbericht 1945".
<br>
67 ebd.
<br>
68 Displaced Persons war die alliierte Bezeichnung von Kriegsdeportierten.
<br>
</small>
<br>


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