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	<title>Spurensuche Harzregion e.V. </title>
	
	<link>www.spurensuche-harzregion.de</link>
	<description>Webseite des Vereins Spurensuche Harzregion</description>				
	<pubDate>Thu, 10 July 2006 00:00:01 +0000</pubDate>
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	<language>de-de</language>
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		<title><![CDATA[Arbeiten f&uuml;r Gro&szlig;deutschland - Teil 10]]></title>
		<link>http://www.spurensuche-harzregion.de/?publikationen/32</link>
		<comments></comments>
		<pubDate>Thu, 10 July 2006 00:00:01 +0000</pubDate>

		<creator>PV</creator>
		
		<category><![CDATA[publikationen]]></category>
				<keywords><![CDATA[bad lauterberg,regionalgeschichte,zwangsarbeit]]></keywords>

		<description><![CDATA[Zwangsarbeit in Bad Lauterberg ]]></description>
			<content><![CDATA[
Stadtarchiv Bad Lauterberg<br>
KptLt a.D. Helmut L&uuml;der
<br><br>
<b>Kontakte zwischen deutscher Bev&ouml;lkerung und Ausl&auml;ndern</b>
<br><br>
Das Auftreten der vielen Ausl&auml;nder in Bad Lauterberg und die Besch&auml;ftigung bei den diversen Arbeitgebern in der Stadt legt auf den ersten Blick den Schlu&szlig; nahe, da&szlig; eine F&uuml;lle von Kontakten zwischen der einheimischen Bev&ouml;lkerung und den Ausl&auml;ndern bestand. Die Frage ist nur: wieweit reichten diese Kontakte? Beschr&auml;nkten sie sich nur auf das blo&szlig;e Sehen und die rein dienstlichen Angelegenheiten im Betrieb oder gab es auch weitergehende, wirtschaftliche wie auch private Beziehungen. Administrative und dienstliche Kontakte zwischen Ausl&auml;ndern und Deutschen waren auf jeden Fall vorhanden. Sie erstreckten sich auf deutscher Seite auf Gestapo, Polizei, Gesundheitsbeh&ouml;rden, &auml;rzte, Arbeits&auml;mter, Parteiorganisationen (DAF und Reichsn&auml;hrstand), Reichsbahn, Reichsforst sowie Stadt- und Gemeindebeh&ouml;rden, nur um die wichtigsten zu nennen. Hinzu kamen nat&uuml;rlich noch die betrieblichen Kontakte, wie: Arbeitgeber und Betriebsleitung, Meister, Vorarbeiter, Arbeitskollegen sowie das Wach- und Lagerpersonal. Diese mehr oder weniger gesch&auml;ftsm&auml;&szlig;igen Beziehungen sollen hier aber nicht weiter betrachtet werden. Die Frage nach den wirtschaftlichen und privaten Beziehungen ist da schon interessanter. Wie reagierte die deutsche Bev&ouml;lkerung auf die "Fremdl&auml;ndischen" um im nationalsozialistischen Jargon zu bleiben?
<br><br>
Entsprechende Archivalien sind im Stadtarchiv nicht vorhanden. Eine breit angelegte Zeitzeugenbefragung im Rahmen der m&uuml;ndlichen Geschichtsschreibung w&auml;re wohl das einzige Mittel, die damaligen Verh&auml;ltnisse und Geschehnisse aufzuarbeiten. Diese Zeitzeugenbefragung wurde nach mehrmaligen Ans&auml;tzen aufgrund der Problematik des Themas abgebrochen. Der angesprochene Personenkreis beschr&auml;nkte sich nicht darauf, in den Gespr&auml;chen den damaligen Sachverhalt zu schildern, sondern er war sofort bestrebt seine eigenen meist negativen Erfahrungen mit den Alliierten als Kriegsgefangener, Fl&uuml;chtling, Vertriebener oder Bombenopfer in das Gespr&auml;ch einzubringen. Es gab dabei eine verbl&uuml;ffende &auml;hnlichkeit der Aussagen &uuml;ber die jeweiligen pers&ouml;nlichen Verhaltensweisen. So sagten fast alle, da&szlig; sie den Ausl&auml;ndern gegen&uuml;ber durchaus freundlich gegen&uuml;berstanden und ihnen vielfach auch geholfen haben. Es wu&szlig;ten auch viele, allerdings immer nur &uuml;ber dritte Personen, von der schlechten Behandlung der ausl&auml;ndischen Arbeitnehmer in den etrieben und den Lagern in Bad Lauterberg. Das eigene private und betriebliche Umfeld soll jedoch immer korrekt mit den Ausl&auml;ndern umgegangen sein. Die in den Quellen und Anmerkungen namentlich genannten Zeitzeugen sprachen frei und unvoreingenommen &uuml;ber diese Zeit, ihnen sei an dieser Stelle nochmals ausdr&uuml;cklich gedankt. Es kristallisierte sich letztendlich heraus, da&szlig; die einheimische Bev&ouml;lkerung offensichtlich und auch entgegen den Vorstellungen der nationalsozialistischen F&uuml;hrung, die ausl&auml;ndischen Arbeitskr&auml;fte gleichg&uuml;ltig bis kollegial, manchmal wohl auch freundlich behandelt hat. Das &auml;nderte sich mitunter schnell, wenn Deutsche und Ausl&auml;nder in Konkurrenz zueinander traten bzw. die deutsche Bev&ouml;lkerung auch nur vermeintlich geringf&uuml;gige Nachteile erlitt. So f&uuml;hrte es zum Unmut in der ans&auml;ssigen Bev&ouml;lkerung, da&szlig; Ostarbeiter und Kroatinnen aus Lagern in und um Osterode in Gem&uuml;se- und Kolonialwarenl&auml;den einkauften, was zu Verboten solcher Einkaufsg&auml;nge und zur Beschlagnahme der gekauften Dinge f&uuml;hrte<sup>78</sup>. Ungew&ouml;hnlich ist bei diesem Vorfall auch, da&szlig; Kroatinnen, die ja immerhin aus einer mit Deutschland verb&uuml;ndeten Nation kamen, mit den Ostarbeiterinnen gleichbehandelt wurden. In Bad Lauterberg gab es Vorf&auml;lle, da&szlig; Ostarbeiter, die in ihrer sicher nicht sehr reichlichen Freizeit in den umliegenden D&ouml;rfern auf den Feldern zus&auml;tzlich arbeiteten und daf&uuml;r von den Landwirten mit Lebensmitteln entlohnt wurden, ihnen diese Lebensmittel rigoros durch die Lagerleitung und das Wachpersonal abgenommen wurden.
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Besonderes Augenmerk richteten die Nationalsozialisten auf sexuelle Kontakte bzw. Liebesbeziehungen zwischen Deutschen und Ausl&auml;ndern, wobei die Repressionen in solchen F&auml;llen gem&auml;&szlig; den rassischen Vorstellungen sehr unterschiedlich sein konnten. Sie konnten von einer schlichten Mi&szlig;billigung, wenn Franzosen, Belgier, Niederl&auml;nder oder Tschechen daran beteiligt waren, bis zu drakonischen Strafen f&uuml;r beide Teile des Paares reichen, wenn Polen oder Ostarbeiter daran Anteil hatten<sup>79</sup>. So drohte Ostarbeitern die Todesstrafe, Ostarbeiterinnen die Einweisung in ein Konzentrationslager, wenn sie sexueller Kontakte mit deutschen Partnern &uuml;berf&uuml;hrt wurden. Auch die deutschen Partner hatten mit einschneidenden polizeilichen Ma&szlig;nahmen zu rechnen<sup>80</sup>.
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Aus diesen wenigen bruchst&uuml;ckhaften Quellen kann man eigentlich nur schlie&szlig;en, da&szlig; die einheimische Bev&ouml;lkerung angesichts der politischen Verh&auml;ltnisse engere Beziehungen zu Ausl&auml;ndern nach M&ouml;glichkeit verdeckt hielt, um Verfolgungen und Nachstellungen seitens der Beh&ouml;rden zu entgehen. Sicher ist auch, da&szlig; partnerschaftliche Kontakte zwischen der einheimischen Bev&ouml;lkerung und den Ausl&auml;ndern existierten und da&szlig; generell die Menschen pragmatisch auf die neuen ausl&auml;ndischen Arbeiter reagierten und nicht, wie es die NSDAP verlangte, konsequent ideologisch ausgerichtet. Es mu&szlig; aber unterschieden werden zwischen den in Lagern untergebrachten ausl&auml;ndischen Arbeitern und den ausl&auml;ndischen Landarbeitern, Handwerkern und Hausgehilfen, bei denen manchmal das Verh&auml;ltnis zu ihren Arbeitgebern freundschaftlich und nicht diskriminierend war, so da&szlig; sich noch jahrelange Briefkontakte in der Zeit nach dem Krieg erhalten haben<sup>81</sup>.
<br><br>
<b>&uuml;berwachung und Repression</b>
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Die in Deutschland eingesetzten Ausl&auml;nder wurden w&auml;hrend ihres gesamten Aufenthaltes von staatlichen oder halbstaatlichen Beh&ouml;rden und Institutionen begleitet und &uuml;berwacht. Da der Arbeitseinsatz in den &uuml;berwiegenden F&auml;llen nicht freiwillig erfolgte, war es der deutschen Regierung und Verwaltung klar, da&szlig; die ausl&auml;ndischen Zivilarbeiter wegen der schlechten Arbeits- und Lebensbedingungen oder einfach auch aus Heimweh heraus, in gro&szlig;er Zahl versuchen w&uuml;rden Deutschland zu verlassen. Der Einsatz der ausl&auml;ndischen Arbeiter und vor allem deren Arbeitsleistung war von gro&szlig;er Bedeutung f&uuml;r die deutsche Wirtschaft. Daher unternahmen Polizei und Beh&ouml;rden gro&szlig;e Anstrengungen, um durch Abschreckung und mit empfindlichen Strafen solche Arbeitskraftverluste zu vermeiden. In allen F&auml;llen der eigenm&auml;chtigen Abwesenheit von ausl&auml;ndischen Arbeitskr&auml;ften war generell die Gestapo zu informieren.
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Ein weiterer Grund der rigorosen Bespitzelung und &uuml;berwachung war in der Furcht begr&uuml;ndet, da&szlig; die Zivilarbeiter aus den sogenannten "Feindstaaten" Aufst&auml;nde anzetteln, Sabotage im gro&szlig;en Stil durchf&uuml;hren oder generell die deutsche Bev&ouml;lkerung bedr&auml;ngen k&ouml;nnten. Man versuchte daher, allerdings nicht immer mit Erfolg, einen tiefen Graben zwischen der Bev&ouml;lkerung und den ausl&auml;ndischen Arbeitskr&auml;ften zu ziehen. Besonders empfindlich reagierten staatliche Stellen wenn eine Vermischung von Deutschen und Ausl&auml;ndern zu bef&uuml;rchten stand, wie etwa bei Liebesbeziehungen zwischen Deutschen und Ausl&auml;ndern, vor allem dann, wenn die Partner Polen oder Ostarbeiter waren.
<br><br>
Die Gestapo nutzte die &ouml;rtlichen Parteiorganisationen, Polizei- und Gendarmerieposten um das Netz der &uuml;berwachung sehr dicht zu kn&uuml;pfen. In Bad Lauterberg sind mehrere Festnahmen von Ausl&auml;ndern aktenkundig<sup>82</sup>:
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Tabelle 10
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<table border="1" cellspacing="0" cellpadding="1" width="95%">
<tr><th>Name/ Vorname</th><th>geb. Dat.</th><th>geb. Ort</th><th>Nat.</th><th>Verhaftung</th><th>Firma</th></tr>
<tr><td>Andreani, Antonio</td><td>13.06.1896</td><td>S. Fedele</td><td>I</td><td>03.01.1943</td><td>Schickert</td></tr>
<tr><td>Lazarato, Constante</td><td>05.03.1891</td><td>S. Guiseppe</td><td>I</td><td>03.01.1943</td><td>Schickert</td></tr>
<tr><td>Ingenti, Lino</td><td>24.11.1912</td><td>Villafranca</td><td>I</td><td>03.01.1943</td><td>Schickert</td></tr>
<tr><td>Rossi, Cesare</td><td>18.06.1900</td><td>Crezona</td><td>I</td><td>03.01.1943</td><td>Schickert</td></tr>
<tr><td>Belloni, Andrea</td><td>22.03.1903</td><td>Mornio al Serio</td><td>I</td><td>03.01.1943</td><td>Schickert</td></tr>
<tr><td>Deselli, Antonio</td><td>09.09.1916</td><td>Cemona</td><td>I</td><td>03.01.1943</td><td>Schickert</td></tr>
<tr><td>Roselli, Ercole</td><td>03.07.1899</td><td>Parma</td><td>I</td><td>03.01.1943</td><td>Schickert</td></tr>
<tr><td>Nolli, Ciovan</td><td>03.02.1901</td><td>Cene- Bergamo</td><td>I</td><td>03.01.1943</td><td>Schickert</td></tr>
<tr><td>Amosow, Wladimir</td><td>15.06.1926</td><td>Wenewa</td><td>SU</td><td>unbekannt</td><td> Schickert</td></tr>
<tr><td>Breus, Alexander</td><td>02.12.1925</td><td>Feodosija</td><td>SU</td><td>12.02.1944</td><td>Baryt-Ind.</td></tr>
<tr><td>Serebrjanskij, Wladimir</td><td>19.12.1920</td><td>Sumy</td><td>SU</td><td>14.07.1943</td><td>Miag</td></tr>
<tr><td>Kowenja, Wladimir</td><td>08.12.1924</td><td>Uteljanka</td><td>SU</td><td>22.08.1944</td><td>Miag</td></tr>
<tr><td>Torjanik, Wladimir</td><td>10.05.1924</td><td>Slawjansk</td><td>SU</td><td>21.09.1944</td><td>Miag</td></tr>
<tr><td>Horenko, Sergej</td><td>13.09.1900</td><td>Mitinzi</td><td>SU</td><td>08.10.1943</td><td>Metall-werk</td></tr>
</table>
<br>
Torjanik, Wladimir wurde am 16.1.1945 wieder aus der Haft entlassen und bei der Fa. Miag-M&uuml;hlenbau in Bad Lauterberg erneut eingestellt. Horenko, Sergej wurde von der Gestapo in ein Erziehungslager verbracht und ist dort gem&auml;&szlig; den Angaben auf der Meldekarte verstorben, Ort und Zeit sind unbekannt. Was aus den anderen ausl&auml;ndischen Arbeitskr&auml;ften wurde, ist nicht bekannt.
<br><br>
Die allt&auml;gliche Behandlung der Ausl&auml;nder durch Lagerpersonal, Betriebsleiter und Gestapo war durch Verordnungen geregelt, die eigentlich Exzesse wie Schikanen, Beleidigungen und Pr&uuml;gel ausschlie&szlig;en sollten. Bei Arbeitsverweigerungen war ausschlie&szlig;lich die Gestapo zust&auml;ndig. Den Betriebsf&uuml;hrungen wurden andere Mittel zugestanden, um schlechte Arbeitsleistungen mit Sanktionen zu belegen, z.B. die zeitweilige Streichung der warmen Mahlzeit<sup>83</sup>. Die Lager-verwalter und ihr Personal hielten sich nicht immer an diese Vorgaben.
<br><br>
In Bad Lauterberg ist durch Zeitzeugen best&auml;tigt<sup>84</sup> worden, da&szlig; die Lagerverwalter und ihr Personal in den gro&szlig;en Arbeitslagern im Odertal Unterschlagungen, Schikanen, Beleidigungen und Pr&uuml;gel als sogenannte Erziehungsma&szlig;nahmen angewandt haben. Es mu&szlig; davon ausgegangen werden, da&szlig; es sich dabei nicht um Ausnahmen, sondern um h&auml;ufig vorkommende Praktiken gehandelt hat.
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<hr width="40%">
<small>Fu&szlig;noten<br>
78 HSA Hannover, Hann. 310 IO Nr. 170.
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79 KreisA Osterode, Karton Nr. 041, Sign. X01.450.01-4540.
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80 Der Ausl&auml;ndereinsatz im Landkreis Osterode 1939 - 1945, C.H. Gattermann, P. 110 (Fu&szlig;note).
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81 PA Helmut L&uuml;der, Briefe des franz&ouml;sischen Kriegsgefangenen Raymond Morard aus Molaine (Aisne) an B&auml;ckermeister Eduard Herbst Bad Lauterberg.
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82 siehe Anlagen (Dokumente + Lagepl&auml;ne). SA Bad Lauterberg, Meldekartei f&uuml;r Ausl&auml;nder 1939 - 1946.
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83 KreisA Osterode, Karton Nr. 041, Sign. X01.450.01-4540.
<br>
84 SA Bad Lauterberg, Brief der Mathilda Danco, Juli 2004 zur Best&auml;tigung ihrer Zwangsarbeit. PA Helmut L&uuml;der, Erlebnisbericht von B&auml;ckermeister Eduard Herbst, P. 1 - 3.
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