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	<title>Spurensuche Harzregion e.V. </title>
	
	<link>www.spurensuche-harzregion.de</link>
	<description>Webseite des Vereins Spurensuche Harzregion</description>				
	<pubDate>Thu, 10 October 2006 00:00:01 +0000</pubDate>
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	<language>de-de</language>
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		<title><![CDATA[NS-Zwangsarbeitslager im Westharzgebiet - ein verdr&auml;ngtes St&uuml;ck Industrie- und Heimatgeschichte- Teil 1]]></title>
		<link>http://www.spurensuche-harzregion.de/?publikationen/46</link>
		<comments></comments>
		<pubDate>Thu, 10 October 2006 00:00:01 +0000</pubDate>

		<creator>PV</creator>
		
		<category><![CDATA[publikationen]]></category>
				<keywords><![CDATA[harz,goslar,zwangsarbeit,zwangsarbeiter,rammelsberg,wifo,schickert,bad lauterberg]]></keywords>

		<description><![CDATA[Kriegswirtschaft und Zwangsarbeit in Deutschland und im Harz]]></description>
			<content><![CDATA[
Im Harz gab es w&auml;hrend des Dritten Reiches eine Vielzahl von R&uuml;stungsbetrieben und kriegswichtigen Zulieferbetrieben. Pr&auml;destiniert durch seine strategisch-geografisch g&uuml;nstige Lage in der Mitte des Deutschen Reiches ("Mittelraum"), das vor Kriegsbeginn brachliegende industrieerfahrene Arbeitskr&auml;ftepotential dieser Region und nicht zuletzt die guten Tarnungsm&ouml;glichkeiten f&uuml;r die neuen R&uuml;stungsbetriebe entwickelte sich im Harzgebiet und Harzvorland ein Schwerpunkt der nationalsozialistischen R&uuml;stungsproduktion.
<br><br>
Allein im Bereich der heutigen Landkreise G&ouml;ttingen, Holzminden, Osterode, Goslar und Northeim arbeiteten w&auml;hrend des 2. Weltkrieges &uuml;ber 140 Betriebe an knapp 40 Standorten f&uuml;r die R&uuml;stungsindustrie. Etwa ein Viertel dieser Firmen stellten chemische Vorprodukte oder Sprengstoffe her. Im Harz befanden sich aber nicht nur kriegswichtige Betriebe der Chemie- und der Metallverarbeitungsbranche. Hinzu kamen strategisch wichtige Anlagen wie die Harzer Erzbergwerke oder der Fliegerhorst Goslar. Herausragend kriegswichtige Betriebe waren z.B.:
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<ul type="disc">
<li>Schickert-Werke in Bad Lauterberg (streng geheim gehaltene Produktionsst&auml;tte von Wasserstoffsuperoxid als V2-Treibstoff)</li>
<li>Werk Tanne ("Verwertchemie") in Clausthal-Zellerfeld (Sprengstoffproduktion; eines der gr&ouml;&szlig;ten Werke dieser Art im Reich; BRAEDT, H&ouml;RSELJAU, JACOBS & KNOLLE 1993)</li>
<li>Wifo Langelsheim (Salpeters&auml;ureproduktion f&uuml;r das Werk Tanne)</li>
<li>Hoesch-Munitionswerke der Silberh&uuml;tte in Sankt Andreasberg (KNOLLE & RUTSCH 2000)</li>
<li>Chemische Werke Harz-Weser GmbH in Langelsheim (Aktivkohleproduktion, u.a. Gasmaskenfilter)</li>
<li>Firmen Gebr. Borchers AG und H.C. Starck in Goslar (Arsen, Seltenmetalle, ABC-Forschung, Spezialchemie)</li>
<li>Erzbergwerk Rammelsberg in Goslar und Unterharzer Berg- und H&uuml;ttenwerke GmbH in Oker-Harlingerode (Metall- und Schwefels&auml;ureproduktion; SCHYGA, JACOBS & KNOLLE 1999).</li>
</ul><br>
Hinzu kamen zahlreiche kleinere, weniger bekannte Produktionsst&auml;tten.
<br><br>
Den meisten dieser Werke wurden im Krieg Arbeitslager f&uuml;r Zwangsarbeiter oder Kriegsgefangene zugeordnet. Denn in der Kriegswirtschaft des sog. 3. Reiches, insbesondere im Metall- und Bergbausektor, herrschte kriegsbedingt ein eklatanter Arbeitskr&auml;ftemangel. Die vielen Millionen Fremdarbeiter, die ab Herbst 1941 nicht mehr nur in der Landwirtschaft, sondern mit der Umstellung auf einen langen Abnutzungskrieg auch in der Industrie zum "Arbeitseinsatz" kamen, lebten in einem System von Lagern und Barackenbehausungen, die zum Bild aller St&auml;dte und fast jedes Dorfes in Deutschland geh&ouml;rten. Nach Sch&auml;tzungen existierten auf dem Reichsgebiet insgesamt etwa 20.000 Lager dieser Art; nur ein Bruchteil von ihnen ist bis heute namhaft gemacht (WEINMANN 1990).
<br><br>
Der Lagerkosmos des NS-Systems wurde seit 1933 systematisch entwickelt; dabei nutzte man sogar langj&auml;hrige Erfahrungen hinsichtlich der Lagerorganisation in der mit NS-Deutschland zeitweise verb&uuml;ndeten Sowjetunion. Die SU hatte ihr Lagersystem schon seit den 20er Jahren aufgebaut und zunehmend perfektioniert; dieses Wissen wollte die Nazif&uuml;hrung offenbar nutzen. STETTNER (1996) zitiert ROSSI und eine franz&ouml;sische Darstellung, nach der im August 1939 hochrangige NS-Funktion&auml;re eine Inspektionsreise durch das GULag-System unternommen h&auml;tten. ROSSI berichtet (zit. nach STETTNER) weiterhin, dass sich im Sommer 1941 - kurz vor dem deutschen Angriff auf die SU - eine Kommission des NKWD in Deutschland aufgehalten und das NS-Strafvollzugssystem studiert habe. So sensibel Vergleiche (nicht Gleichsetzungen!) der beiden Terrorregime auch sind: STETTNER stellt fest, dass sich beide Lagersysteme nur in einem wesentlichen Punkt unterschieden - der direkten Vernichtung. Die Massenerschie&szlig;ungen und Gaskammern der NS-Lager gab es in der Sowjetunion nicht. Ansonsten weisen beide Lagersysteme aber verbl&uuml;ffende Parallelen auf - vom organisatorischen Aufbau und der Millionenzahl der Toten durch indirekte Vernichtung &uuml;ber den systematischen Einsatz des Faktors Hunger bis hin zur Stellung des Lagersystems im Wirtschaftsregime des jeweiligen Landes. - Auch beim Aufbau des NS-Polizeiapparates gab es Parallelen; so ist bekannt, dass sich Heydrich fr&uuml;hzeitig &uuml;ber Stalins Unterdr&uuml;ckungs- und Spionageorgan GPU und dessen Methoden informieren lie&szlig;, um die entsprechenden Erfahrungen f&uuml;r seine Arbeit auszuwerten.
<br><br>
Hervorragende Originalquellen f&uuml;r die Lokalisierung der NS-Lager sind immer noch die von WEINMANN (1990) kommentiert neu herausgegebenen beiden Lagerkataloge des International Tracing Service (Catalogue of Camps and Prisons in Germany and German-Occupied Territories; CCP); hier sind etwa 7000 Lager und Gef&auml;ngnisse lokalisiert. Gr&ouml;&szlig;e und Art der Zwangsarbeitslager f&uuml;r Ausl&auml;nder, oft in verharmlosender Pauschalierung "Arbeitslager" oder "Zivilarbeiterlager" genannt, wichen nach WEINMANN stark voneinander ab. Viele Lager hatten den Charakter streng bewachter Haftst&auml;tten; in anderen F&auml;llen waren es umz&auml;unte oder nicht umz&auml;unte Unterk&uuml;nfte, die auf diese Weise leichter von der Polizei zu kontrollieren waren. Bei Detailforschungen stellte sich jedoch immer wieder heraus, dass der Anteil bewachter, rigide kontrollierter Lager sehr hoch liegt.
<br><br>
Anders als die KZ lagen die Zwangsarbeitslager im Wahrnehmungsfeld der Bev&ouml;lkerung - auch im Harz. Trotzdem wollen sich nur wenige Zeitzeugen freim&uuml;tig an diese Lager erinnern, obwohl es auch immer wieder F&auml;lle gab, in denen Deutsche den teilweise unterern&auml;hrten Ausl&auml;ndern in den Lagern aus Mitleid Nahrungsmittel zukommen lie&szlig;en. Zur Normalit&auml;t des Lageralltags konnte geh&ouml;ren, dass die "Fremdv&ouml;lkischen" am Arbeitsplatz - immerhin zumeist mitten in deutschen Betrieben! - zusammenbrachen, weil ihre Nahrungsmittelrationen unter das Existenzminimum gesenkt worden waren. Zu den normalen Selbstverst&auml;ndlichkeiten geh&ouml;rte es auch, dass bei Luftangriffen "den Ausl&auml;ndischen" der Zugang zu den Luftschutzkellern verwehrt war - sie waren f&uuml;r die Deutschen reserviert (weitgehend nach WEINMANN 1990).
<br><br>
<b>&uuml;bersicht der Zwangsarbeitslager (ZL), KZ-Arbeitskommandos und Gef&auml;ngnisse im Westharz</b>
<br><br>
Wir haben uns bei der Zusammenstellung der nachfolgenden Liste auf den nieders&auml;chsischen Teil des Harzes mit den heutigen Landkreisen Goslar und Osterode beschr&auml;nkt; die Hinzunahme des im &uuml;brigen wegen der bekannten KZ-Anlagen Mittelbau-Dora bei Nordhausen (Th&uuml;ringen) und Langenstein bei Halberstadt (Sachsen-Anhalt) in der Literatur bereits sehr viel besser untersuchten Ostharzgebietes h&auml;tte den Rahmen dieser kurzen &uuml;bersichtsdarstellung gesprengt. Die Daten st&uuml;tzen sich im wesentlichen auf die beiden zitierten B&auml;nde des Catalogue of Camps and Prisons, wurden aber aus anderen Quellen erg&auml;nzt. Nicht ber&uuml;cksichtigt wurden die Harzer Arbeitskommandos der Kriegsgefangenen-Stammlager der Wehrmacht, in denen ebenfalls Zwangsarbeit geleistet wurde.
<br><br>
Herausragende Belegungszahlen von &uuml;ber 2000 Arbeitern hat der Lagerkomplex des Werkes Tanne in Clausthal-Zellerfeld, was aufgrund der Kriegsrelevanz des dortigen Sprengstoffwerkes der Verwertchemie, eines der gr&ouml;&szlig;ten des Reiches, nicht verwundert. An zweiter Stelle folgen die Lager der Metallwerke in Sankt Andreasberg-Silberh&uuml;tte.
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<table border="1" cellspacing="0" cellpadding="0"><tr><td>
<b>Verantwortung der heutigen Firmen und Nachfolgefirmen</b>
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Auf die allermeisten dieser Lager im Harz, in denen sich teilweise grausame Schicksale abgespielt haben, verweisen keine Tafeln oder Gedenksteine; ihre Geschichte ist bisher nur ansatzweise erforscht und dargestellt und muss zumeist erst noch geschrieben werden.
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Eine besondere Verantwortung kommt hierbei den Firmen bzw. Nachfolgefirmen zu, die heute f&uuml;r die Produktions- bzw. Lagerstandorte von damals verantwortlich sind. Beispielhaft seien genannt:
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<ul type="disc">
<li><a href="http://www.hcstarck.de/">Borchers AG/H.C.Starck GmbH & Co. KG</a> (Zwangsarbeit in den gleichnamigen Firmen in Goslar)</li>
<li><a href="http://www.exide-automotive.de/">Deutsche EXIDE GmbH</a>  (Zwangsarbeit im Metallwerk Odertal)</li> 
<li><a href="http://www.fels.de/">Fels GmbH</a> (Nachfolger der SS-Firma Steine und Erden; Zwangsarbeit im Winterbergsteinbruch bei Bad Grund)</li>
<li><a href="http://www.harzergrauhofbrunnen.de/">Harzer Grauhof-Brunnen</a> (Zwangsarbeit in der Mineralwasserabf&uuml;llung in Goslar-Grauhof)</li>
<li><a href="http://www.harzwasserwerke.de/">Harzwasserwerke GmbH</a> (Zwangsarbeit an einigen Harztalsperren)</li>
<li>Hoesch (Zwangsarbeit in den Metallwerken Silberh&uuml;tte)</li>
<li><a href="http://www.thyssenkrupp.com/">Krupp</a> (Kruppsche Bergverwaltung Bad Harzburg)</li>
<li>Mitteldeutsche Sprengstoffwerke GmbH MSW (Zwangsarbeit in der gleichnamigen Firma in Langelsheim)</li>
<li><a href="http://www.piller.de/">Piller GmbH</a> (Zwangsarbeit in der gleichnamigen Firma in Osterode)</li>
<li><a href="http://www.preussag.de/">Preussag AG</a> (Zwangsarbeit in den Harzer Erzbergwerken und H&uuml;tten)</li>
<li>Schmalbach-Lubeca und Z&uuml;chner (Zwangsarbeit in den gleichnamigen Firmen in Seesen)</li>
</ul>
Die Preussag arbeitet die Geschichte ihrer Zwangsarbeit nach langem Z&ouml;gern nunmehr aktiv auf; von den anderen genannten Firmen sind bisher erst Ans&auml;tze, z.T. jedoch gar keine Aktivit&auml;ten bekannt geworden.
</td></tr></table>
<br>
<u>Altenau</u><br>
ZL Baugebiet Eckertalsperre: 90 Arbeiter<br>
ZL Baugebiet Okertalsperre: 100 Arbeiter<br>
ZL Forstamt Altenau
<br><br>
<u>Bad Grund</u><br>
ZL Erzbergwerk: 150 Arbeiter<br>
ZL Fa. Steine und Erden: 180 M&auml;nner und 170 Frauen
<br><br>
<u>Bad Harzburg</u><br>
ZL Kruppsche Bergverwaltung Bad Harzburg: 120 Arbeiter<br>
ZL Eckertal-Baracken: 50 Arbeiter<br>
Gerichtsgef&auml;ngnis: 26 Insassen bekannt
<br><br>
<u>"Bad Lautenthal" (wahrscheinlich Lautenthal)<sup>1</sup></u><br>
"Beobachtungslager Bad Lautenthal" der Kinderheilanstalt Braunschweig<br>
(der Tod von 8 Kindern ist beurkundet):  ? Kinder
<br><br>
<u>Bad Lauterberg</u><br>
ZL Schickert & Co.: 400 Arbeiter<br>
ZL Metallwerk Odertal: 500 Arbeiter ("Lager Hauxkopf")
<br><br>
<u>Braunlage</u><br>
6 ZL bei verschiedenen Betrieben: 260 Arbeiter
<br><br>
<u>B&uuml;ndheim</u><br>
ZL Sieg-Lahn-Bergbau GmbH, Ledigenheim: 50 Arbeiter
<br><br>
<u>Clausthal-Zellerfeld</u><br>
mehrere ZL der Fabrik zur Verwertung chemischer Erzeugnisse Clausthal-Zellerfeld GmbH: 1200 Arbeiter<br>
ZL Dynamit AG, Bauleitung: 300 Arbeiter<br>
ZL Bauhof: 400 Arbeiter<br>
ZL B&uuml;rgergarten: 100 Arbeiter<br>
ZL Gemeindehaus: 50 Frauen<br>
Bereitschaftslager: 650 Arbeiter<br>
Gerichtsgef&auml;ngnis: 260 Insassen bekannt
<br><br>
<u>D&ouml;rnten</u><br>
ZL J.F. Eisfeld Pulverfabrik Kunigunde: 100 Arbeiter
<br><br>
<u>Goslar</u><br>
KZ-Au&szlig;enkommando des KZ Buchenwald (25.11.1940 - 7.12.1942): durchschnittlich 60 - 80 KZ-H&auml;ftlinge<br>
KZ-Au&szlig;enkommando des KZ Neuengamme (Oktober 1944 - Ende M&auml;rz 1945): 15 KZ-H&auml;ftlinge<br>
ZL Fliegerhorst: 80 Arbeiter<br>
ZL im Schleeke der Chemischen Fabrik Gebr. Borchers AG: 550 Arbeiter<br>
ZL Erzbergwerk Rammelsberg: 350 Arbeiter<br>
ZL Goslarer Kleinbetriebe am Petersberg: 200 Arbeiter<br>
ZL Reichsbahnlager Astfelder Stra&szlig;e: 100 Arbeiter<br>
ZL Grauhof (2 Lager): 100 Arbeiter<br>
ZL Weinbrunnen, Clausthaler Stra&szlig;e: 50 Arbeiter  <br>
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