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	<title>Spurensuche Harzregion e.V. </title>
	
	<link>www.spurensuche-harzregion.de</link>
	<description>Webseite des Vereins Spurensuche Harzregion</description>
	<pubDate>Thu, 08 Jul 2000 00:00:01 +0000</pubDate>
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	<language>de-de</language>
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		<title><![CDATA[Spurensuche Goslar in der Bundestagsdebatte]]></title>
		<link>http://www.spurensuche-harzregion.de/?publikationen/8</link>
		<comments></comments>
		<pubDate>Thu, 08 Jul 2000 00:00:01 +0000</pubDate>

		<creator>PV</creator>
		
		<category><![CDATA[publikationen]]></category>
				<keywords><![CDATA[zwangsarbeit,rede,bundestag,ausstellung,goslar]]></keywords>

		<description><![CDATA[Deutscher Bundestag, 114. Sitzung, Berlin, Donnerstag, den 6. Juli 2000 ]]></description>
			<content><![CDATA[    Deutscher Bundestag
<br><br>
    114. Sitzung
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    Berlin, Donnerstag, den 6. Juli 2000
<br><br>
    Beginn: 9.00 Uhr
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    ...
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    Pr&auml;sident Wolfgang Thierse: Ich erteile dem Kollegen Volker Beck, B&uuml;ndnis 90/Die Gr&uuml;nen, das Wort.
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    Volker Beck (K&ouml;ln) (B&uuml;NDNIS 90/DIE GR&uuml;NEN): Herr Pr&auml;sident! Meine Damen und Herren! Heute bringen wir ein Gesetzeswerk zum Abschluss, f&uuml;r das unsere Fraktion seit 15 Jahren gek&auml;mpft hat: eine Bundesstiftung f&uuml;r die ehemaligen Zwangsarbeiter unter Beteiligung der deutschen Wirtschaft. Angesichts des Unrechts, das diesen Menschen angetan wurde, war es f&uuml;r uns immer unverst&auml;ndlich und inakzeptabel, dass sie vom deutschen Entsch&auml;digungsrecht ausgeschlossen waren.
<br><br>
    Der Holocaust an Juden, Sinti und Roma ist meiner Generation aus dem Schulunterricht bekannt gewesen. Er bedeutete millionenfache Deportation, Vernichtungslager, f&uuml;r die Sklavenarbeiter auch Vernichtung durch Arbeit. &uuml;ber das Schicksal der anderen deportierten zivilen Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen hingegen habe ich in der Schule nichts erfahren: nichts davon, dass ungehorsamen Zwangsarbeitern so genannte Arbeitserziehungslager angedroht wurden, nichts davon, dass die Bedingungen dort vielfach den Bedingungen von KZs vergleichbar waren, nichts davon, dass in diesen Lagern Menschen zu Wracks gemacht wurden, nicht wenige schon nach wenigen Wochen starben.
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    Juden hatten einen Davidstern zu tragen. Wenig bekannt ist, dass Polen ein "P" und Russen und Ukrainer ein "Ost" auf ihrer Kleidung tragen mussten. Habe ich in der Schule erfahren, dass diese Menschen vielfach um ihren Lohn gebracht und am Arbeitsplatz geschlagen wurden, dass sie unterern&auml;hrt und oftmals ohne medizinische Versorgung leben mussten, dass f&uuml;r sie als so genannte Fremdv&ouml;lkische der sexuelle Kontakt zu Deutschen mit der Todesstrafe bedroht war? Nein, diese Wahrheit war weithin versch&uuml;ttet geblieben.
<br><br>
    Das ganze Ausma&szlig; des nationalsozialistischen Zwangsarbeitersystems ist uns erst durch die bahnbrechenden Arbeiten von Ulrich Herbert bewusst geworden. Erst in den letzen 15 Jahren sind ersch&uuml;tternde Dokumentationen &uuml;ber die Lebens- und Leidensbedingungen dieser NS-Opfer erstellt worden. Sie machen auch deutlich, wie das R&auml;derwerk des NS-Staates mit der Ausbeutung durch die Privatwirtschaft verzahnt war.
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    Diese Dokumentationen und die vielen Briefe, die wir als Abgeordnete in den letzen Wochen von den &uuml;berlebenden Opfern bekommen haben, zeigen mir vor allem: Wir als Deutscher Bundestag m&uuml;ssen und wollen uns stellvertretend f&uuml;r das deutsche Volk bei denen entschuldigen, denen man so etwas angetan hat.
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    (Beifall im ganzen Hause)
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    Auch wenn unser Staat und die Gerichte es lange nicht wahrhaben wollten: Der Einsatz von Zwangsarbeitern war nationalsozialistisches Unrecht und dieses Gesetz ist die sp&auml;te Anerkenntnis dieses Tatbestandes.
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    <b>Ich will Ihnen aus einer bemerkenswerten Lokalstudie aus Goslar einige Briefe zitieren. Diese hat Friedhart Knolle unter dem Titel "Gebt uns unsere W&uuml;rde wieder" zusammengestellt. Eine Frau aus der Ukraine, die als junges M&auml;dchen im Fr&uuml;hjahr 1942 nach Grauhof im Harz verschleppt wurde, schreibt:
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    Nach langer Fahrt musste ich vom 30. April 1942 bis zum 6./7. April 1945 in der Mineralwasserfabrik Harzer Grauhof-Brunnen in Goslar gemeinsam mit 11 weiteren jungen Frauen Zwangsarbeit leisten. Ich war im dortigen Zwangsarbeiterlager unter gef&auml;ngnisartigen und schlimmen Bedingungen eingesperrt. So gab es zum Beispiel kein Haarwaschmittel; wir mussten daf&uuml;r die Soda benutzen, ... mit allen gesundheitlichen Folgen wie zum Beispiel Haarausfall bei uns. Wir durften das Lager in der ersten Zeit bis auf die Produktionsr&auml;ume und unsere Unterkunft nicht verlassen; erst viel sp&auml;ter erhielten wir zwei bis drei Stunden Freigang t&auml;glich. Wir litten st&auml;ndig Hunger, es gab nur schlechtes Essen, das zudem h&auml;ufig durch Kakerlaken und Glasscherben gef&auml;hrlich verunreinigt war. ... Es herrschte uneingeschr&auml;nkter Arbeitszwang; wir wurden geschlagen und Tritte geh&ouml;rten zu den Allt&auml;glichkeiten. Unser Meister hat uns so h&auml;ufig und intensiv schikaniert, dass ich seinerzeit mehrfach an Selbstmord gedacht habe.
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    An die Autoren der Ausstellung schrieb Anastasia B. aus Bogdanowka folgen den Brief, den ich auszugsweise zitiere:
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    Ich wurde am 25. Mai 1943 nach Deutschland ver schleppt. Ich war damals 18 Jahre alt. Wir wurden nach Goslar gebracht und dann in der Zinkh&uuml;tte Oker/Harz eingesetzt. Wir haben im Lager gewohnt und unsere Bewacher haben uns nicht wie Menschen gehalten. Unser Arbeitstag war 11 Stunden lang, die Deutschen arbeiteten 6 Stunden. Am Tag haben wir 130 g Brot bekommen, nicht reines Brot, sondern mit S&auml;gemehl. Unsere Arbeit war sehr schwer. ... Mein Bein wurde verletzt und zwei Wochen habe ich kein Brot bekommen. Dann habe ich gebetet, dass ich vielleicht irgendeine Arbeit bekomme im Sitzen, dass ich wenigstens meine Brotration bekomme. ... Die deutschen M&uuml;tter kamen zu unserem Lager mit Kindern; sie waren sehr gut angezogen. Sie haben uns angespuckt. Und wir jungen sch&ouml;nen M&auml;dchen mussten schweigend stehen und unter Tr&auml;nen diese Spucke im Gesicht wegwischen. ... Die Erinnerung ist schmerzhaft und bitter. Ich habe keine Gesundheit, das, was wir erlebt haben, wie wir als Menschen gedem&uuml;tigt wurden, so etwas w&uuml;nsche ich keinem Menschen, nicht einmal meinen Feinden. ... Vielleicht werde ich auch nie Hilfe bekommen, aber ich hoffe und warte, vielleicht kommt zu meiner kleinen Rente etwas dazu.
<br><br>
    Ich hoffe, die gute Nachricht f&uuml;r diese Frau - hoffentlich lebt sie noch - ist heute, dass bald eine Zahlung, eine humanit&auml;re Hilfe f&uuml;r sie erfolgt - als Vers&ouml;hnungsgeste des deutschen Volkes.
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    (Beifall beim B&uuml;NDNIS 90/DIE GR&uuml;NEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der PDS)
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    Dass diese zitierten Beispiele keine Einzelbeispiele waren, sondern der Regelfall, sieht man an der Vielzahl von rechtlichen Sonderregelungen des NS-Regimes gerade f&uuml;r NS-Verfolgte und f&uuml;r die Opfer slawischer Abstammung.
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    Auch die geschilderten Lebensumst&auml;nde der in Goslar eingesetzten Zwangsarbeiter, etwa bei den Firmen Chemische Fabrik Borchers, Harzer Grauhof-Brunnen, Luthe Bleiwerk oder dem Reichsbahnbetriebsamt Goslar, waren sicherlich keine Sonderf&auml;lle. Wir k&ouml;nnten auch Hamburg, Hannover, Stuttgart, M&uuml;nchen, Berlin oder K&ouml;ln nehmen.
<br><br>
    Aber ich frage beispielsweise: Geh&ouml;rt Harzer Grauhof-Brunnen zu denen, die sich nach 1945 bei den Opfern entschuldigt und ihnen einen finanziellen Ausgleich gezahlt haben? Nein. Geh&ouml;ren zum Beispiel Harzer Grauhof-Brunnen oder die Chemische Fabrik Borchers aus Goslar oder ihre Rechtsnachfolger zu den Mitgliedern der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft? Wie viel haben sie gezahlt? Das w&uuml;ssten wir gerne. In der ver&ouml;ffentlichten Mitgliederliste der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft sind diese Betriebe nicht verzeichnet.</b>
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    Gerade die Unternehmen, die oder deren Rechtsvorg&auml;nger sich Sklaven und Zwangsarbeiter beschafft und eingesetzt haben, sind aber in einer beson deren Pflicht. Ich frage zum Beispiel die Firma Haribo in Bonn, warum sie nicht an der Stiftungsinitiative beteiligt ist. Ich frage die Firma Richard Hengstenberg, ich frage die Edeka-Zentrale AG in Hamburg,
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    (Dr. Wolfgang Freiherr von Stetten [CDU/CSU]: Prangerdarstellung!)
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    Ich frage die Sektkellerei Henkel und S&ouml;hne, ich frage die Stollwerck AG in meinem Wahlkreis in K&ouml;ln, ich frage die Bierbrauerei Warsteiner und ich frage die S&uuml;dfleisch Holding AG in M&uuml;nchen, warum sie sich bis heute ihrer historischen Verpflichtung entziehen.
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    (Beifall beim B&uuml;NDNIS 90/DIE GR&uuml;NEN, bei der SPD und der PDS - Dr. Wolfgang Freiherr von Stetten [CDU/CSU]: Die Pranger sind doch abgeschafft worden!)
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    Selbst wenn man nicht wie wir von B&uuml;ndnis 90/Die Gr&uuml;nen eine besondere rechtliche Verantwortung der Firmen f&uuml;r den Zwangsarbeitereinsatz bejaht und man sich stattdessen das Paradigma der deutschen Wirtschaft zu Eigen macht, es gehe heute allein um Verantwortung der gesamten deutschen Wirtschaft, muss man sich fragen: Wo bleibt die angemessene finanzielle Bereitschaft des Transportgewerbes, wo der Bauwirtschaft, wo schlie&szlig;lich des Medienbereichs, der die mangelnde Zahlungsbereitschaft durch Zeitungen, Zeit schriften usw. hundertfach &ouml;ffentlich dokumentiert und auch beklagt hat?
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    <b>Pr&auml;sident Wolfgang Thierse: Kollege Beck, gestatten Sie eine Zwischenfrage des Kollegen Eckhardt?
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    Volker Beck (K&ouml;ln) (B&uuml;NDNIS 90/DIE GR&uuml;NEN): Ja.
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    Dr. Peter Eckardt (SPD): Herr Kollege Beck, Sie haben mehrere Firmen aus meiner Heimatstadt genannt. Ich weiß nicht, wie gut Sie recherchiert haben. Ist Ihnen bekannt, dass die Firmen heute zu Konzernen geh&ouml;ren, die sich an der Initiative beteiligt haben, etwa die Firma Borchers &uuml;ber Bayer Leverkusen?
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    (Erwin Marschewski [Recklinghausen] [CDU/CSU]: Das ist schlimm! Damit treiben Sie Leute zum Nein! - Weitere Zurufe von der CDU/CSU)
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    Volker Beck (K&ouml;ln) (B&uuml;NDNIS 90/DIE GR&uuml;NEN): Das ist mir so nicht bekannt. Sollte es in Einzelf&auml;llen der Fall sein, w&uuml;rde ich das begr&uuml;ßen. Ich habe versucht zu recherchieren. Ich habe es bei den Goslarer Firmen sehr bewusst als Frage formuliert. Bei den anderen Firmen weiß ich aber, dass sie nicht in der Liste auftauchen; da gibt es eine Kontinuit&auml;t.
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    (Zuruf von der CDU/CSU: Dann entschuldigen Sie sich doch einmal! - Gegenruf des Abg. Rezzo Schlauch [B&uuml;NDNIS 90/DIE GR&uuml;NEN]: Ach, h&ouml;ren Sie doch auf!)
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    Ich denke, wir sollten den Schwerpunkt hier vor allen Dingen darauf legen, dass der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft nur eineinhalb Prozent, wie Kollege Bosbach vorhin gesagt hat, beigetreten sind. Das ist der Skandal. Jeder, der dabei ist, ist okay und jeder, der fehlt, muss aufgefordert werden, endlich mitzumachen.
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    (Beifall beim B&uuml;NDNIS 90/DIE GR&uuml;NEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)</b>
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    Pr&auml;sident Wolfgang Thierse: Kollege Beck, gestatten Sie eine weitere Zwischenfrage des Kollegen De&szlig;, CDU/CSU-Fraktion?
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    Volker Beck (K&ouml;ln) (B&uuml;NDNIS 90/DIE GR&uuml;NEN): Bitte sch&ouml;n.
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    Albert De&szlig; (CDU/CSU): Herr Kollege Beck, ich m&ouml;chte fragen: Haben Sie gepr&uuml;ft, ob die SPD f&uuml;r ihre Verlagsanteile bezahlt hat?
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    Volker Beck (K&ouml;ln) (B&uuml;NDNIS 90/DIE GR&uuml;NEN): Ich finde diese Frage der Debatte nicht angemessen und beantworte Sie deshalb nicht.
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    (Lachen bei der CDU/CSU - Beifall des Abg. Rezzo Schlauch [B&uuml;NDNIS 90/DIE GR&uuml;NEN])
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    Meine Damen und Herren, nun zum Medienbereich. Warum ist die Bertelsmann AG zum Beispiel dabei - was zu begr&uuml;&szlig;en ist -, nicht aber die Holtzbrinck-Gruppe?
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    Wichtig ist nat&uuml;rlich nicht nur, wer zahlt, sondern auch, in welcher H&ouml;he gezahlt wird. Wenn uns die Stiftungsinitiative berichtet, es gebe historisch belastete Firmen, die sich mit einmalig 50 000 DM an den Fonds freikaufen wollten, w&auml;hrend junge unbelastete IT-Firmen den x-fachen Betrag freiwillig bezahlten, dann ist das ein unmoralisches Angebot und eine Beleidigung der Opfer.
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    (Beifall beim B&uuml;NDNIS 90/DIE GR&uuml;NEN sowie bei Abgeordneten der PDS)
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    Das Gesetz gew&auml;hrt allen Unternehmen ausreichende Rechtssicherheit. Diese gibt es aber nur, wenn auch die zugesagten 5 Milliarden DM m&ouml;glichst bald eingezahlt werden. Gefordert sind hier an erster Stelle die ehemaligen Profiteure der Zwangsarbeit.
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    Ich habe die Schreiben der Opfer gew&auml;hlt, weil sie zeigen, dass es angesichts des unermesslichen Leids unangemessen w&auml;re, davon zu sprechen, wir k&ouml;nnten mit diesem Stiftungsgesetz das an Sklaven- und Zwangsarbeitern ver&uuml;bte Leid wieder gutmachen oder es auch nur angemessen entsch&auml;digen.
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    10 Milliarden DM sind eine beachtliche Summe. Aber angesichts des Leids der Opfer ist dies eine Summe, die wir als Bundestag nur als humanit&auml;re finanzielle Zuwendung begreifen k&ouml;nnen. Gleichwohl hat sie f&uuml;r Zwangsarbeit und Verm&ouml;genssch&auml;den abschlie&szlig;enden Charakter. Den zumeist verarmten Opfern, die auf dieses Geld dringlich warten, ist es aber vielleicht auch egal, welchen Namen wir dieser Zuwendung geben, wenn sie diese nur endlich bald erleben d&uuml;rfen.
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    Eine moralische Qualit&auml;t bekommt diese Zahlung aber erst dann, wenn wir uns zu dem Unrecht bekennen und uns daf&uuml;r entschuldigen, was den Opfern im Namen Deutschlands angetan wurde. Nur so k&ouml;nnen wir den Menschen auch ihre verlorene W&uuml;rde wiedergeben. Das hat unser Bundespr&auml;sident Johannes Rau vor allen anderen in der &ouml;ffentlichkeit zu Recht herausgestellt.
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    An der moralischen Qualit&auml;t der Debatte hat es bei den Auseinandersetzungen &uuml;ber die H&ouml;he des Fonds, den Verteilungsschl&uuml;ssel und die Rechtssicherheit f&uuml;r Firmen in den letzten eineinhalb Jahren manchmal gefehlt. Das hat bei den Opfern zu Recht oft Bitterkeit hinterlassen. Fraktions&uuml;bergreifend wollen wir Abgeordneten dazu beitragen, dieser moralischen Qualit&auml;t wieder ihren Platz zu geben.
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    Wir stellen nun durch dieses Gesetz fest: Der nationalsozialistische Staat hat Sklaven- und Zwangsarbeitern durch Deportation, Inhaftierung, Ausbeutung bis hin zur Vernichtung durch Arbeit und durch eine Vielzahl weiterer Menschenrechtsverletzungen schweres Unrecht zugef&uuml;gt. Deutsche Unternehmen, die an diesem Unrecht beteiligt waren, tragen daf&uuml;r historische Verantwortung und m&uuml;ssen ihr gerecht werden.
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    Wir wollen bei der Gesetzgebung Regelungen finden, die dem Schicksal der Opfer angemessen sind. Dies hat manches Mal auch &ouml;ffentlich ausgetragenen Streit mit der Wirtschaft, zum Teil auch mit einigen Fachbeamten der Bundesregierung bedeutet. Aber es war die Sache um der Opfer willen wert.
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    Wir haben als Deutscher Bundestag trotz der Besonderheit des Beratungsverfahrens, das Herr Stadler betont hat, nicht nur einfach als Notar agiert. Wir haben im Sinne der Opfer und der maximalen Gerechtigkeit versucht, alle Spielr&auml;ume zu nutzen, um unserer Verantwortung als Gesetzgeber bei dieser historischen Aufgabe gerecht zu werden.
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    Die gr&ouml;&szlig;te Gefahr, die dieser Gesetzgebungsprozess beinhaltet, ist, dass die Opfer, die von der IOM entsch&auml;digt werden sollen - also die nicht j&uuml;dischen Opfer au&szlig;erhalb des Bereiches der osteurop&auml;ischen Vers&ouml;hnungsstiftungen - zum Teil gar nichts oder ungleich weniger erhalten als die Opfer, die von anderen Organisationen entsch&auml;digt werden sollen. Hier hat der Deutsche Bundestag in seiner Entschlie&szlig;ung der vier Fraktionen zum Ausdruck gebracht, dass wir bei der Administration in der Stiftung, aber auch dar&uuml;ber hinaus, eine ganz besondere Verantwortung sehen. Wir haben die Verantwortung daf&uuml;r, dass alle Opfer f&uuml;r gleiches Leid auch gleiche Entsch&auml;digungen bekommen.
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    (Beifall beim B&uuml;NDNIS 90/DIE GR&uuml;NEN, bei der SPD und der PDS)
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    Wir l&ouml;sen heute das Versprechen an die Opfer ein, das Gesetz noch vor der Sommerpause zu verabschieden. Wir haben damit auch die Voraussetzungen daf&uuml;r geschaffen, dass die Opfer noch in diesem Jahr eine erste Auszahlung erhalten. Wir hoffen nun, dass die R&uuml;cknahme der Klagen in den USA eingeleitet wird. Die weiteren Geschicke werden in die H&auml;nde des Kuratoriums und der Partnerorganisationen gelegt. Wir w&uuml;nschen uns und den Opfern, dass sie ihre schwierige Aufgabe verantwortungsbewusst und z&uuml;gig wahrnehmen.
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    Lassen Sie mich zum Schluss f&uuml;r das gute Klima in den Berichterstattergespr&auml;chen sowie f&uuml;r die vorz&uuml;gliche Arbeit und Unterst&uuml;tzung durch den Arbeitsstab Lambsdorff und f&uuml;r die Verhandlungsf&uuml;hrung durch Graf Lambsdorff danken. Ich m&ouml;chte auch einen Dank an einen unserer Mitarbeiter, Herrn Saathoff, anschlie&szlig;en, der mit seiner Fachkompetenz in den Berichterstattergespr&auml;chen beispiellos f&uuml;r alle Fraktionen hilfreiche Zuarbeit im Dienste der Sache geleistet hat.
<br><br>
    Vielen Dank.
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    (Beifall beim B&uuml;NDNIS 90/DIE GR&uuml;NEN, bei der SPD und der PDS)
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    -----
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    Heraushebungen im Text durch den Verein Spurensuche Goslar e.V.]]></content>
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