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	<title>Spurensuche Harzregion e.V. </title>
	
	<link>www.spurensuche-harzregion.de</link>
	<description>Webseite des Vereins Spurensuche Harzregion</description>
	<pubDate>Tue, 05 January 2010 10:11:01 +0100</pubDate>
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		<title><![CDATA[Das Erntedankfest als Einfallstor f&uuml;r die religi&ouml;se &uuml;berh&ouml;hung des "F&uuml;hrers"]]></title>
		<link>http://www.spurensuche-harzregion.de/?publikationen/85</link>
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		<pubDate>Tue, 05 January 2010 10:11:01 +0100</pubDate>

		<creator>PV</creator>
		
		<category><![CDATA[publikationen]]></category>
				<keywords><![CDATA[blut,boden,dokumentation,ausstellung,symposium,schyga,erntedank,goslar,b&uuml;ckeburg,hameln,kirche,probstei goslar, amsdorfhaus,helmut liersch]]></keywords>

		<description><![CDATA[Redebeitrag von Helmut Liersch auf dem Symposium "Erntedank und Blut und Boden"]]></description> 
			<content><![CDATA[
			<i>Dieser Artikel ist Teil der Dokumentation des Symposiums zur Ausstellung "Erntedank und Blut und Boden". Das Symposium fand am Samstag, den 10. Oktober 2009 im Amsdorfhaus in Goslar statt. Alle Beitr&auml;ge der Dokumentation finden Sie <a href="http://www.spurensuche-harzregion.de/?publikationen/88">hier</a>.</i><br><br><br>
Helmut Liersch<br>
<b>Das Erntedankfest als Einfallstor f&uuml;r die religi&ouml;se &uuml;berh&ouml;hung des "F&uuml;hrers"</b><br><br>
Der Befund d&uuml;rfte f&uuml;r unbefangen an das Thema "Erntedankfest" Herangehende unerwartet sein: das Erntedankfest geh&ouml;rt zu den besonders schwach in den kirchlichen Festkalendern verankerten Tagen. Schl&auml;gt man das Evangelische Gesangbuch (EG) auf, so wird man in der Rubrik "Kirchenjahr" vergeblich nach Erntedank-Ges&auml;ngen suchen, auch unter "Besondere Tage" steht es nicht: dort findet man lediglich "Johannestag, 24. Juni" und "Michaelistag, 29. September", sowie "An Gedenktagen der Glaubenszeugen". Die gesuchten Erntedanklieder sind versteckt in der weniger spezifischen Rubrik "Glaube-Liebe-Hoffnung", Untergliederung "Natur und Jahreszeiten". Schaut man in das Perikopenbuch (die Sammlung der Bibeltexte f&uuml;r das Kirchenjahr), so findet man dort zwischen dem 18. und dem 19. Sonntag nach Trinitas den "Erntedanktag" - ohne weiteren Hinweis auf seine Stellung im Kirchenjahr. Der j&auml;hrlich aktualisierte "Evangelische Sonn- und Feiertagskalender" der Liturgischen Konferenz bietet zwar die Texte f&uuml;r den Erntedanktag, erw&auml;hnt auch, dass "das Proprium des Erntedanktages" das des 17. Sonntag nach Trinitatis "ersetzt", schlie&szlig;t aber gleichwohl - wenn auch kleiner gesetzt - die Texte f&uuml;r eben diesen 17. Sonntag nach Trinitatis an.
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Das zeigt: der Erntedanktag - ganz zu schweigen von einem Erntedank"fest" - hat in der evangelischen Kirche keinen fixierten Ort; und f&uuml;r andere Konfessionen wie etwa die Orthodoxen gilt das in noch verst&auml;rktem Ma&szlig;e! Die Termine wandern; die Feier ist regional zur Disposition gestellt. Die neue RGG (Religion in Geschichte und Gegenwart, 4. Auflage) widmet dem Thema einen nur knappen Artikel. Darin wird betont, dass das Erntedankfest "zu den &auml;ltesten Festen der Menschheit" geh&ouml;rt, in Israel gefeiert wurde und wird, dass es im Mittelalter Votivmessen und in einigen lutherischen Kirchen bereits in der Reformationszeit Erntedank-Sonntage gab. Aber es war bis ins 19. Jahrhundert ein bewegliches "Fest". Bis heute ist die Terminierung auf den ersten Sonntag nach Michaelis (29.9.), bzw. auf den 1. Sonntag im Oktober nicht verbindlich - ganz im Gegensatz zu Festen wie Weihnachten, Ostern, Pfingsten und Himmelfahrt, deren Daten exakt bestimmt werden. Die umfangreiche "Theologische Realenzyklop&auml;die" (TRE) handelt das Erntedankfest unter "Feste und Feiertage VI" ab, noch k&uuml;rzer als die RGG. Selbst der Neujahrstag - beileibe kein typisch christliches Fest - ist liturgisch fester verankert, auch im EG. Auf katholischer Seite ist im Prinzip festgelegt, dass der j&auml;hrliche Erntedank am ersten Sonntag im Oktober zu begehen ist, allerdings tut man sich auch dort ganz offensichtlich schwer, ein typisch christliches Festverst&auml;ndnis zu formulieren und eine klare Verankerung im Festkalender zu forcieren. Entsprechend finden sich auch hier die Texte unter "verschiedene Anliegen" - und klare Formulierungen wie "Das heilsgeschichtlich orientierte Jahr der Kirche kennt kein Ernte"Dankfest" (wikipedia).
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Der Grund f&uuml;r diese allenthalben zu beobachtende theologische Zur&uuml;ckhaltung gegen&uuml;ber dem Kasus ist leicht gefunden: Erntedank ist kein christliches Fest im engeren Sinne. "Das Erntedankfest ist von seinem Kern her naturreligi&ouml;s gepr&auml;gt und das einzige auf das Naturjahr bezogene Fest des Kirchenjahres" (RGG4). Es ist kein Christusfest und "damit steht es in einem Spannungsverh&auml;ltnis zur gesamten &uuml;brigen Liturgie der Kirche, die auf der Feier des Christusmysteriums aufbaut". Diese theologische "Schw&auml;che" des Erntedankfestes macht es angreifbar, mit anderen Inhalten besetzbar, austauschbar, ein Vorgang, der in keiner Weise neu oder gar auf die Zeit des Nationalsozialismus beschr&auml;nkt ist! Die "Okkupation" von Festen durch wechselnde Machthaber ist allgemeine Praxis, immer gewesen. Ohne das hier im Detail ausf&uuml;hren zu wollen, erinnere ich nur an die christliche "Besetzung" des Weihnachtsfestes, terminlich, inhaltlich. Der r&ouml;mische "sol invictus" war dann eben Christus, aus der Dunkelheit des sp&auml;ten Dezember f&uuml;hrte dann eben "das Licht der Welt", der Messias, heraus. Schon Ostern und Pfingsten besetzten ja j&uuml;dische Feste. Und man kann noch viel weiter zur&uuml;ckgehen: schon das fr&uuml;he Israel funktionierte die kanaan&auml;ischen Fruchtbarkeitskulte und Erntefeste um, indem es ihnen seine spezifischen Inhalte aufpr&auml;gte: Dank an Adonaj f&uuml;r die Herausf&uuml;hrung aus &auml;gypten, Dank f&uuml;r die Gabe der Tora - auch f&uuml;r die Gaben der Natur. Interessant zu wissen: erst in der Auseinandersetzung mit Babylon und mit G&ouml;ttern wie Baal sieht sich Israel gen&ouml;tigt, seinen Gott als Sch&ouml;pfer des Alls zu proklamieren - also im 6. Jh. v. Chr. erst. Die Parallele zur Entwicklung des christlichen Credo ist beachtlich: so, wie f&uuml;r Israel die Erinnerung an den Exodus prim&auml;r ist, ist f&uuml;r die Kirche die Auferstehung das grundlegende Heilsereignis. Die kreat&uuml;rlichen, elementaren Aspekte kommen jeweils erst sp&auml;ter ins "Glaubensbekenntnis" - immer in polemischer Absicht, in Abwehr anderer G&ouml;tter, "Messiasse" oder sonstiger Verhei&szlig;ungen. Auch nach 1933, so meine These, wurde das Thema "Erntedank" kirchlicherseits erst wichtig - wenn &uuml;berhaupt -, als andere sich dessen bem&auml;chtigten. Wie das vor sich ging, schildere ich nachher anhand der Ausf&uuml;hrungen von Peter Schyga in seinem neuen Buch "Kirche in der NS-Volksgemeinschaft". <br><br>
Es d&uuml;rfte nicht uninteressant sein, sich als Verstehensfolie vor Augen zu f&uuml;hren, was in der Vergangenheit mit dem Erntedankfest passierte. Immer wieder erfolgten Verlagerungen des Schwerpunktes! Als Goebbels, Darr&eacute;, Hitler mit "Blut und Boden" nach dem Erntedankfest griffen, war mancher Pfarrer an diesem Tag sicher noch mit ganz anderen Themen als "Dank f&uuml;r Gottes gute Sch&ouml;pfung" besch&auml;ftigt. "Ernte" war vielfach zur Metapher f&uuml;r die Gewinnung neuer Christen geworden - Bibelworte wie "Die Ernte ist gro&szlig;, aber wenige sind der Arbeiter" schienen solchen Umdeutungen die theologische Basis zu geben. Dass damit eine "offene Flanke" f&uuml;r andere Inhalte entstand, haben die meisten nicht gesehen. Auch in der n&auml;heren Vergangenheit gibt es solche Akzentverschiebungen. In den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts konnte man am Erntedanktag Autoteile am Altar sehen oder Radios, Industrieprodukte. Begr&uuml;ndung: "Der K&uuml;rbis steht in keinem n&auml;heren Verh&auml;ltnis zu Gott als ein Computer oder das Penicillin" (vgl. Gottesdienstpraxis, Erntedankfest, 1992, S.9). Das Verh&auml;ltnis zur Landwirtschaft wurde durch solche Aktionen irritiert. Heute liegt der Akzent h&auml;ufig auf der Frage nach dem Hunger in der Welt und nach den ungerechten Strukturen. Es besteht die Gefahr, dass die Kirche angesichts der k&uuml;nstlich-industriellen Produktion von Nahrung resigniert und das Thema quasi aufgibt - mit der Folge, dass die Konzerne als die Sch&ouml;pfer von Speis' und Trank dastehen und sich feiern lassen - wie heute bereits weitgehend zu beobachten.
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Das Erntedankfest selber bietet also "Angriffsfl&auml;chen" f&uuml;r Ideologien, es ist theologisch nicht sicher begr&uuml;ndet und wird von der Kirche selber immer wieder zur Disposition gestellt. Der fr&uuml;her in G&ouml;ttingen t&auml;tige Theologe Manfred Josuttis spricht gar von einem "unm&ouml;glichen Fest" (Kirche im l&auml;ndlichen Raum 3/1992, S. 86-93). Die M&auml;chte, die in der heutigen industriellen Nahrungsmittelproduktion am Werk sind, seien "sehr irdischer Art und von sehr irdischen Interessen bestimmt" (S. 88). "Die Zahl derer, die Erntedank feiern und noch direkt im agrarischen Produktionsprozess stehen, wird immer geringer". Es sei unklar, wof&uuml;r man heute beim Erntefest danke. "Die Ernte in unserer Gesellschaft vollzieht sich ohne Bezug zur Religion" (S. 90). Josuttis konstatiert, dass heute das f&uuml;r eine "kultische Symbolisierung" n&ouml;tige "stimmige Geflecht" fehle. Dazu z&auml;hlt er die "psychischen Bed&uuml;rfnisse des einzelnen und des Kollektivs", die "gesellschaftlichen Konstellationen" und die "religi&ouml;sen Traditionen". Erntefeste brauchen einen Mythos, eine Festlegende, in der sie wurzeln, der Ritus des Erntefestes muss eine Heilserfahrung sein, pr&auml;formiert "in der G&ouml;ttergeschichte". Die "Kirche des Wortes", als welche sich die evangelische Kirche gern sieht, ist ganz offenbar eine ungeeignete Beheimatung f&uuml;r solches Geschehen und f&uuml;r solche Bed&uuml;rfnisse. Eine bis heute nicht gel&ouml;ste Aufgabe ist ein schl&uuml;ssiger Bezug des Festes zum Christusgeschehen. Das wird einerseits &uuml;ber die Trinit&auml;t gehen m&uuml;ssen: Christus ist Sch&ouml;pfer, andererseits &uuml;ber das Abendmahl: Christus ist das "Brot des Lebens". Rainer Volp (Liturgik 1, S. 522) meint sogar, das Erntedankfest erm&ouml;gliche "wie kein anders Fest, den Dank f&uuml;r die eucharistischen Gaben und damit die Verbindung von Sch&ouml;pfungsdoxologie und Diakonie zu begehen." Trotz dieser - in der einschl&auml;gigen Literatur selten anzutreffenden - Hochsch&auml;tzung des Festes, bleibt aber doch festzuhalten: eine solche theologische Untermauerung bleibt theoretisch und wird praktisch nicht wirksam. Erntedank ist "wie kein anderes Fest ein Fest von Christen- und B&uuml;rgergemeinde" (TRE 11/137) und wurde von letzterer nachhaltiger gepr&auml;gt als von ersterer. 
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Das passierte auch in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts: die Reichserntedankfeste auf dem B&uuml;ckeberg 1933-1937 zeigen das anschaulich. Bernhard Gelderblom hat sie dokumentiert und untersucht. Peter Schyga hat den Goslarer Anteil an der Inszenierung in einer tiefgr&uuml;ndigen Studie erforscht und als Buch vorgelegt. Ich versuche eine kurze Zusammenfassung: (vgl. "Kirche in der NS-Volksgemeinschaft - Selbstbehauptung, Anpassung und Selbstaufgabe. Die ev.-luth. Gemeinden in Goslar, der Reichsbauernstadt des Nationalsozialismus", Hannover 2009, hier: S. 177-236 "Blut, Boden, Rasse"). Ausgangspunkt ist eine Anordnung der Reichsleitung, den 1. Oktober 1933 als "Erntedankfest des Deutschen Volkes" zu begehen. Dazu wird eine Losung ausgegeben: "Das Bauerntum ist die Grundlage der deutschen Zukunft". Eilfertig verschickte daraufhin die "Einstweilige Leitung der Deutschen Evangelischen Kirche" einen Eilrundbrief an die Kirchenleitungen: die Gemeinden sollten angewiesen werden, die Gottesdienste zum Erntedank "nicht mit den zu erwartenden Aufm&auml;rschen und Kundgebungen der zust&auml;ndigen Reichbeh&ouml;rden kollidieren zu lassen" (S. 177). Damit wurde erstmals ein kirchliches Fest durch das NS-Regime besetzt. Im Prinzip war sofort sichtbar, dass andere Inhalte, ein anderer Mythos dieses Fest gelingen lassen sollten: das Bauerntum, die deutsche Zukunft, die "zentralen Elemente national-sozialistischer Blutideologie". Schyga formuliert: "Damit… sollte die christliche Botschaft des Dankes f&uuml;r das Sch&ouml;pfertum Gottes unterh&ouml;hlt werden, um eine neue Gottheit des Blutes und der Rasse, verwurzelt im arischen Germanentum an die Stelle zu setzen" (ebd.). Die Kirchenleitungen haben ganz offenbar diesen zentralen Angriff nicht als solchen verstanden. M. E. liegt das an den ungefestigten Inhalten des Festes (s. o.). W&auml;re es um Karfreitag oder Ostern gegangen, h&auml;tte man vielleicht gemerkt, dass bereits der status confessionis gegeben war. So aber forderte man zwar die Pfarrer auf, zu Erntedank den "Dank gegen den Sch&ouml;pfer" auszudr&uuml;cken und auf die "g&ouml;ttliche Sch&ouml;pfungsordnung" - was immer damit gemeint ist! - hinzuweisen. Aber man nahm auch die schwammige Diktion von Blut, Boden und Bauerntum auf. Die Amtskirchen wichen dem sich anbahnenden Konflikt weitgehend aus, lie&szlig;en es zu, dass der im christlichen Credo bekannte Sch&ouml;pfergott mehr und mehr in einen neuen Mythos von Blut und Boden hineingesp&uuml;lt wurde.
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Es ist nun bemerkenswert, dass gerade im von Darr&eacute; so bezeichneten "Zentrum deutschen Bauerntums" - also in Goslar - die Sache sich anders verhielt. "Hier sch&auml;rfte sich im Laufe weniger Monate das Bewusstsein der Geistlichen, dass die im Zentrum der v&ouml;lkischen Bauernseele ausgebr&uuml;tete und wortgewaltig propagierte Ausgestaltung der neuen nationalsozialistischen Weltanschauung in krassem Widerspruch zu ihrem christlichen Glauben stand" (S. 178). Schyga stellt das in der Folge ausf&uuml;hrlich dar; ich kann es hier in nur wenigen Gedankeng&auml;ngen ausf&uuml;hren. Es existieren Quellen, die auch damals &ouml;ffentlich zug&auml;nglich waren. Da ist zum einen das Goslarsche Gemeindeblatt, in welchem die Widerrede eher zaghaft zum Ausdruck kommt. "Pr&auml;zise und zugespitzt" &auml;u&szlig;ert sich dagegen Pastor Holtermann von der Kirchengemeinde Zum Frankenberg in seinen Wochenbriefen. Klar stellt er heraus, dass "V&ouml;lkischer Geist" mit Heiligem Geist verwechselt werde, gei&szlig;elt die "Vergottung des Volkstums und der Rasse" und prophezeit, dass am Ende "echtes Heidentum" stehen werde, das eben darin bestehe, dass das Menschliche vergottet und Gott vermenschlicht wird". Holtermann greift die Blut- und Bodenideologie in seinen an die "Mitglieder der Bekenntnisgemeinschaften" verteilten insgesamt 27 Briefen massiv an, wohl wissend, dass er "im logistischen und organisatorischen Zentrum dieser neuen Weltanschauung" lebt und arbeitet.
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Dass Holtermann trotz gerichtlicher Verfolgung sieben Monate lang seine Briefe herausgeben konnte, erkl&auml;rt Schyga damit, dass der Geistliche im Kirchenverband Goslar keineswegs isoliert war, sondern R&uuml;ckhalt in der Gemeinde und unter den Amtskollegen hatte - wobei wir allerdings zugeben m&uuml;ssen, dass wir &uuml;ber das Verh&auml;ltnis der Pfarrerschaft zueinander und ihre m&ouml;glichen Debatten zum Thema (noch) nichts wissen. Au&szlig;erdem sei gerade in Goslar das "Trommelfeuer blutsv&ouml;lkischer Propaganda" (S. 183) derart penetrant gewesen, das gerade hier bei den Menschen zunehmend Zweifel gen&auml;hrt wurden, ob diese Ideologie wirklich mit dem christlichen Glauben vereinbar war. Impuls war also nicht ein Widerstand gegen das Regime als solches, sondern der Wille, den Angriffen gegen wichtige Inhalte des Glaubens zu begegnen. Dass man sich damit - Zweireichelehre hin oder her - auf politischem Felde befand, war unvermeidbar. Und dass man hier in Goslar treffsicher einen "zentralen Punkt nationalsozialistischer Ideologiebildung" aufspie&szlig;te, n&auml;mlich die "Erhebung der Rasse zur G&ouml;ttlichkeit" (Schyga, S. 185), ist durchaus bedeutsam, allerdings weder damals noch heute in der Debatte beachtet worden. Goslar war provinziell, die Pfarrerschaft bestand nicht aus Widerstandsk&auml;mpfern, vieles trugen sie schweigend oder zustimmend mit (Nationalsozialismus, Expansion, wohl teilweise auch latenten Antisemitismus). Die Widerrede blieb Episode.
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Um der oben erw&auml;hnten "Anordnung des Regimes" gerecht zu werden und doch zugleich am kirchlichen Charakter des Erntedanks festzuhalten, begannen die Gottesdienste eine halbe Stunde fr&uuml;her als gew&ouml;hnlich: auf dem Markt wurde ein "Erntereigen" veranstaltet (S. 188). W&auml;hrend an jenem 1.10.1933 in den Kirchen traditionell gefeiert wird, schl&auml;gt die NSDAP einen neuen Ton an: "Mit Freuden feiern wir heute das deutsche Erntedankfest, an dem unsere Ahnen dankbar und gl&auml;ubig Herzen und Sinne erhoben zu Gott" (S. 189). Am neuen Mythos wird gezimmert. Der Begriff "Ahnen" d&uuml;rfte - so Schyga - die Germanen vor ihrer Christianisierung bedeuten, &uuml;blicher NS-Sprachgebrauch. Als Brotspender und Ern&auml;hrer wird der deutsche Bauer geehrt, parallel zu Gott, bzw. ihn ersetzend; die "begl&uuml;ckende Mutter der Welt", die "Mutter Erde" taucht auf, alles ankn&uuml;pfend an traditionelle Sprachmuster, und doch die Inhalte mehr und mehr verschiebend in Richtung Germanentum und einer allgemeinen Religiosit&auml;t. Die angebliche "Einheit von Bauern, Boden und Sch&ouml;pfer" (S. 191) wird zur neuen Trinit&auml;t des G&ouml;ttlichen, angeblich "heiligstes Symbol f&uuml;r den deutschen Menschen seit alters her". Dazu kommt die Rasse, deren leiblicher Tr&auml;ger der Bauer sei, Garant deutscher Zukunft. Nicht mehr das Gewordensein aus Gott wird als entscheidend angesehen, sondern die Verbundenheit der nordischen Rasse mit dem Boden. Holtermann diagnostiziert treffend eine "Vergottung des Volkstums und der Rasse" (S. 191). Das Ganze gipfelt in S&auml;tzen wie denen von Goebbels am B&uuml;ckeberg: "Sie, mein F&uuml;hrer, gaben uns wieder unser t&auml;glich Brot" (197/198). "Die Kirche", so res&uuml;miert Schyga, "schien gar nicht zu merken, dass binnen eines Jahres (von 1933 auf 1934) aus der fromm wirkenden Bitte und dem Dank an den Herrgott ein volksgemeinschaftlicher Dank an Hitler geworden war" (S. 199/200). Hitler als gottgewollte Obrigkeit scheinbar - faktisch aber in der religi&ouml;sen Rolle des Messias! Wen wundert es da noch, dass die Ehrenb&uuml;rgerurkunde f&uuml;r Darr&eacute;, ausgestellt von Goslars OB Droste, als Datum nennt: "Im 2. Jahre des 3. Reiches" - ein neues Zeitalter hatte begonnen, Christus war pass&eacute;! <br><br>
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