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	<title>Spurensuche Harzregion e.V. </title>
	
	<link>www.spurensuche-harzregion.de</link>
	<description>Webseite des Vereins Spurensuche Harzregion</description>
	<pubDate>Tue, 05 January 2010 10:11:01 +0100</pubDate>
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		<title><![CDATA[Wie die Nazis die Bauern betrogen]]></title>
		<link>http://www.spurensuche-harzregion.de/?publikationen/85</link>
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		<pubDate>Tue, 05 January 2010 10:11:01 +0100</pubDate>

		<creator>PV</creator>
		
		<category><![CDATA[publikationen]]></category>
				<keywords><![CDATA[blut,boden,dokumentation,ausstellung,symposium,schyga,erntedank,goslar,b&uuml;ckeburg,hameln,kirche,probstei goslar, amsdorfhaus,helmut liersch]]></keywords>

		<description><![CDATA[Redebeitrag von Helmut Liersch auf dem Symposium "Erntedank und Blut und Boden"]]></description> 
			<content><![CDATA[
			<i>Dieser Artikel ist Teil der Dokumentation des Symposiums zur Ausstellung "Erntedank und Blut und Boden". Das Symposium fand am Samstag, den 10. Oktober 2009 im Amsdorfhaus in Goslar statt. Alle Beitr&auml;ge der Dokumentation finden Sie <a href="http://www.spurensuche-harzregion.de/?publikationen/88">hier</a>.</i><br><br><br>
Helmut Liersch<br> 
<b>Wie die Nazis die Bauern betrogen</b>
<br> <br> 
Die scharfsinnige Abrechnung des Heinrich Eduard Jacob 
<br> <br> 
Auf der Suche nach Material zu "Erntedank" stie&szlig; ich in meiner Bibliothek auf ein Werk von Heinrich Eduard Jacob mit dem Titel "Sechstausend Jahre Brot". Dieses 500 Seiten starke Buch enth&auml;lt ein spannendes letztes Kapitel, &uuml;berschrieben: "Es hatte sich aber damals der Teufel..." Hinter dieser &uuml;berschrift verbirgt sich eine fr&uuml;he Abrechnung mit Hitlers angeblicher "Bauernfreundschaft" und mit den Betr&uuml;gereien Darr&eacute;s. Der Autor schreibt &uuml;ber sich: "Im Konzentrationslager Buchenwald hatten wir eigentlich kein Brot... Viele starben, ohne jemals wieder wirkliches Brot gekostet zu haben. Ich lebe." Jacob, der sein englisch geschriebenes Buch selber ins Deutsche &uuml;bersetzt und 1954 bei Rowohlt herausgegeben hat, schreibt: "...als ich vor dem Nationalsozialismus aus Europa fliehen musste, ist Amerika der Hafen geworden, in dem die Original-Ausgabe meines Buches wachsen konnte". Das Original erschien 1944 in New York! Jacob gilt heute als ein zu Unrecht Vergessener, man bem&uuml;ht sich darum, ihn der &ouml;ffentlichkeit wieder bekannt zu machen. Sein Buch "6000 Jahre Brot" wurde 1985 neu aufgelegt, die amerikanische Originalversion 2007 in New York. Jacob gilt als "der Begr&uuml;nder des modernen Sachbuches"; von den Nationalsozialisten wurde er 1938 als "Schundliterat" eingekerkert, er kam nach Dachau, dann nach Buchwald. Anfang 1939 gelang ihm die Ausreise in die USA. Er war befreundet mit Thomas Mann, Karl Jaspers, Heinrich Marcuse, Stefan Zweig, Kurt Tucholsky, Albert Einstein. 1953 kehrte er zur&uuml;ck und lebte teilweise in Deutschland; 1967 starb er. 
<br> <br> 
In einigen ausf&uuml;hrlichen Zitaten sei das Kapitel dargestellt! Jakob er&ouml;ffnet das Kapitel mit einem Text des Propheten Joel:
<br> <br> 
"Was die Raupen lassen, das fressen die Heuschrecken;
<br> <br> 
und was die Heuschrecken lassen, das fressen die K&auml;fer;
<br> <br> 
und was die K&auml;fer lassen, das frisst das Geschmei&szlig;...
<br> <br> 
Das Feld ist verw&uuml;stet, und der Acker steht j&auml;mmerlich!"
<br> <br> 
Er erw&auml;hnt kurz die Situation in der Zeit des Propheten, um dann sofort zur Sache zu kommen:
<br> <br> 
"Aber noch machtvoller klangen die Worte, als ein deutscher Prediger 1944 sie von der Kanzel erschallen lie&szlig;, Sonntag um Sonntag, bis man ihn aus seiner Kirche herauszerrte und in ein Hungerlager warf, damit er erkenne, 'was Hunger sei'. Wir wissen seinen Namen nicht. Namenlos bleichen seine Gebeine. Er war ein evangelischer Christ. Der katholische Priester, der es erz&auml;hlt hat, pflegt zu fragen, ob man nicht - wie die Anf&auml;nge der Geschichte - auch die Geschichte der letzten Zeit in der Form der Legende erz&auml;hlen solle. Denn schon in wenigen hundert Jahren werde niemand mehr glauben wollen, was sich in unserer Zeit zutrug. Jene 'Verschw&ouml;rung wider das Brot", jenen k&uuml;nstlich organisierten Hunger. Die Legende aber m&uuml;sse mit den Worten beginnen: "Es geschah aber damals, dass der Teufel sich des Brotes bem&auml;chtigt hatte..." (S. 453) 
Jakob referiert die Lage der Agrarwirtschaft nach dem 1. Weltkrieg und kommt dann auf Hitler zu sprechen:
<br> <br> 
"HITLERS "Bauernfreundschaft" war keine sehr echte. Wie h&auml;tte es anders sein k&ouml;nnen? Sohn kleiner Leute, war er gewohnt, nach oben zu blicken und nicht nach unten. Bereits im Wilhelminischen Deutschland war der N&auml;hrstand wenig gesch&auml;tzt worden. 'Kaiser, K&ouml;nig, Edelmann, B&uuml;rger, Bauer, Bettelmann' - das war zwar ein Kinder-Abz&auml;hlvers, aus dem Mittelalter &uuml;berkommen: trotzdem war es auch eine Rangordnung, in der der brotbereitende Stand gleich vor dem Bettelstand rangierte. Das lag weniger an der Gro&szlig;stadt, wo man vom Bauern gar nichts wusste, als am Wesen der deutschen Kleinstadt, wo man vom Bauern zu viel wu&szlig;te. Das deutsche Lebensideal war von der Kleinstadt geformt worden. Hier, wo der Bierwirt das gro&szlig;e Wort f&uuml;hrte, wo er seine R&auml;ume an die Honoratioren des St&auml;dtchens vergab; wo der kleinste Postbeamte, weil er eine Uniform trug, noch des Kaisers Abbild war: hier wurde der Bauer gr&uuml;ndlich verachtet. Hier sah man mi&szlig;g&uuml;nstig auf den Mann, der, verschwitzt und nach D&uuml;nger riechend, mit hohen Stiefeln von drau&szlig;en kam. Der Weltkrieg hatte dies seltsam ge&auml;ndert. Die Ber&uuml;hrung mit wirklichen Bauernv&ouml;lkern, mit Russen, Serben, war es vielleicht, die zahllose deutsche Kleinst&auml;dter heimwehkrank nach Erd-Besitz machte. Sie ahnten dumpf im Trommelfeuer, da&szlig; ein St&uuml;ckchen eigener Scholle das beste Gegengift abgeben werde gegen Militarismus und Nationalismus." (S. 455)
<br> <br> 
Der Autor erw&auml;hnt dann den bulgarischen Diktator Stambuliski (&#134; 1923), der versucht hatte, sein Land allein durch die Bauernschaft zu regieren:
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"Vier F&uuml;nftel des Volkes stand geschlossen hinter der agrarischen Diktatur; denn sie alle waren Bauern. Aber die anderen zwanzig Prozent, die Taschen voll italienischen Geldes, erhoben im Juni 1923 sich in einem n&auml;chtlichen Putsch und schossen Stambuliski nieder. Sein letzter Schrei soll gewesen sein: 'Gr&uuml;ne Internationale aller L&auml;nder, r&auml;che meinen Tod!'
<br> <br> 
Aber es gab gar kein solches Ding wie die 'Gr&uuml;ne Internationale' oder eine 'Weltbauernschaft'. Und Hitler, der damals gerade dabei war - im November 1923 -, seinen M&uuml;nchner Putsch vorzubereiten, war tief beeindruckt von Stambuliskis Ende. Er lernte daraus, dass der Faschismus viel m&auml;chtiger war als der Gedanke des b&auml;uerlichen Zusammenschlusses. Wer die reale Macht anstrebte, der lehnte sich besser nicht auf den Pflug.
<br> <br> 
Nun war Hitler freilich kein Dilettant. Er brauchte, trotz allem, die Stimmen der Bauern. So gab er, nach seinem Machtantritt, ihnen zwar nicht das verhei&szlig;ene Neuland - das er den Junkern und Konservativen, dem historischen 'Ritterstand', ja erst h&auml;tte wegnehmen m&uuml;ssen-, doch immerhin das 'Erbhofgesetz' vom 29. September 1933. Es bestimmte, dass Einfamilieng&uuml;ter bis zu 125 Hektar als Erbh&ouml;fe gesch&uuml;tzt werden sollten. Das Verbot der Hypothekenbeleihung, die Herausnahme des Bodens aus dem Spiel des G&uuml;terverkehrs, war eine volksfreundliche Ma&szlig;nahme f&uuml;r sehr viele Bauern und ihre Familien: sie schlo&szlig; die Zwangsversteigerung aus...
<br> <br> 
Der deutsche Bauer hatte sehr lange Hitlers Versicherungen geglaubt, dass er ein 'Kanzler der Bauern' sein werde. Dabei h&auml;tte ihm auffallen m&uuml;ssen, da&szlig; dasselbe Megaphon, das den 'Kleinen auf dem Lande' den Wirtschaftshimmel auf Erden versprach, zwanzig Kilometer weiter dem 'Kleinen Manne in der Stadt' genau dasselbe zusicherte - also dem Verk&auml;ufer von Korn, dem Bauern, (S. 458) besonders hohe Preise und dem kaufenden St&auml;dter niedrige. Da&szlig; das eigentlich nicht ging, h&auml;tte auf der Hand liegen sollen. Aber der Bauer verstand nicht einmal, da&szlig; ein und derselbe Emiss&auml;r des nationalsozialistischen Kl&uuml;ngels ihm selbst die Aufteilung der Gro&szlig;g&uuml;ter und dem Rittergutsbesitzer bewaffneten Schutz gegen jeden agrarischen Umsturz versprach. Noch niemals sind in historischer Zeit alle Klassen eines Volkes gr&uuml;ndlicher betrogen worden ...
<br> <br> 
Als 1939 der brotbereitende Stand in den Krieg trat, da war der Bauer nicht reicher als sonst. Er sa&szlig; auf seinem Erbhof', schwitzte, und die Preise waren schlecht. ... Hitlers Minister Walther Darr&eacute; sah sich gen&ouml;tigt, auf der Landwirtschaftstagung in Goslar 1938 nach Entschuldigungen zu suchen, warum es dem deutschen Bauern so schlecht ging: Verlust von mehr als einer Dreiviertelmillion von Landarbeitern, die in die Stadt gezogen seien ... &uuml;berb&uuml;rdung der Bauersfrau mit Arbeit, die sie daran verhindere, ihre Kinder gesund zu erziehn ... Die Bauerngesetzgebung sei in Gefahr ... Der Bauer seufze immer noch in den 'Banden des Kapitalismus'.
<br> <br> 
Wovon Darr&eacute; freilich schweigen mu&szlig;te, war, da&szlig; nicht die 'Bande des Kapitalismus', sondern die 'Milit&auml;rsklaverei' den deutschen Bauern ruinierte. Die immer steigenden R&uuml;stungen trieben die Landarbeiter in die Stadt - ohne da&szlig;, wie etwa in Ru&szlig;land oder in Amerika, ein gro&szlig;z&uuml;giges Maschinensystem den Verlust an Farmerh&auml;nden wettgemacht h&auml;tte. Seit 1935 war jeder Gedanke der deutschen F&uuml;hrer auf den kommenden Krieg gerichtet. Und mehr als 600 000 Hektar fruchtbaren Ackerbodens wurden aus der Bebauung herausgezogen, um Baracken, Flugfeldern und Exerzierpl&auml;tzen Platz zu machen. Wie Martin Gumpert errechnet hat, &uuml;berstieg dieser Landverlust das gesamte Garten-Areal, das dem Reich zur Verf&uuml;gung stand.
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Und dann kam der 1. September 1939. Krieg! Und man wagte den Bauern zu sagen, da&szlig; dies ein Krieg um Siedlungsland sei! Der deutsche Bauer w&uuml;rde jetzt dem polnischen Bauern sein Land wegnehmen, das der nicht zu bebauen verst&uuml;nde... Und die tausendj&auml;hrige Bauernnot in Deutschland, der ungestillte Landhunger, werde jetzt ein Ende haben." 
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Jacob konstatiert, dass Hitler "die Entv&ouml;lkerung Europas durch eine k&uuml;nstliche Hungersnot" (S. 460) geplant habe. "Entv&ouml;lkerung ist eine Wissenschaft", habe Hitler gesagt (S. 461):
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"Hunger auf wissenschaftlicher Grundlage! Die Welt hat lange nicht gewu&szlig;t - denn es geschah hinter verschlossenen T&uuml;ren! - da&szlig;, bevor die Verantwortlichen ihren 'k&uuml;nstlichen Hungerkrieg' starteten, sie die Akten des V&ouml;lkerbunds sehr genau studiert hatten. Die Funde, die sich mit der Vorbeugung der Unterern&auml;hrung befasst hatten; mit der Antwort, die der K&ouml;rper gab, wenn man ihm zellerneuernde Hilfsstoffe verweigerte. Dieses medizinische Wissen haben sie dann als Hammer verwendet, sobald sie 'germanisieren' wollten. Nat&uuml;rlich gab es da Unterschiede. Es gab Ostv&ouml;lker, denen immerhin ein dienendes Schicksal zugedacht war, wie den Polen. Andere wieder sollten v&ouml;llig vom Antlitz der Erde verschwinden, wie die Juden. Sobald zum Beispiel die deutschen Siedler 100 Prozent der ben&ouml;tigten Kalorien empfingen, sollten die Polen 65 und die Juden 21 empfangen. Bei dem allgemeinen Fettmangel erhielten die Deutschen immer noch 77 Prozent, die Polen 18 und die Juden 0,32 Prozent.
<br> <br> 
Aus der gro&szlig;en Genauigkeit, mit der dies alles notiert wurde, ging hervor, dass drei Rassen geplant waren: eine wohlges&auml;ttigte Herrenrasse; ein Arbeitervolk, zu schwach zur Erhebung; und schlie&szlig;lich eine Rasse von Toten. Doch auch dem 'Pessimismus des Endes' war in Hitlers Aushungerungssystem eine T&uuml;r ge&ouml;ffnet worden: Sollte schlie&szlig;lich alles mi&szlig;lingen und der Nationalsozialismus den Krieg verlieren, w&uuml;rde man wie die G&ouml;tter der Edda die Welt verlassen in dem erhebenden Bewu&szlig;tsein, das Resultat habe sich gelohnt. Nach so viel Jahren wissenschaftlich und kunstreich applizierten Hungers w&uuml;rde sich in Osteuropa das Verh&auml;ltnis zwischen Deutschen und Slawen f&uuml;r ewige Zeiten verschoben haben!" 
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Jakob schlie&szlig;t mit den Worten (S.462): 
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"Der 'Berg der Schuld', der da aufgeh&auml;uft lag, war so &uuml;berdimensional, dass kein menschliches Auge in fa&szlig;te, keine Sittlichkeit ihn begriff und kein Urteil aus Menschenmund ihm jemals 'gerecht' werden konnte. Jene M&ouml;rder, sofern man sie ergriff, konnten ja auch nur einmal sterben: und so war ihr Tod keine S&uuml;hne. Er war fast eine Formalit&auml;t. Und die milit&auml;rischen oder zivilen Rechtsbeamten, die &uuml;ber sie zu Gericht sa&szlig;en, waren ebenfalls Sterbliche - wie konnten sie ein Urteil f&auml;llen &uuml;ber S&uuml;nden, die nicht nur dem Menschengeschlecht, sondern Gott selbst angetan worden waren? Den Teufel kann der Mensch nicht richten - in keiner Zeit, auch nicht in der unsern. Da wird es eines ANDERN bed&uuml;rfen, von dem es im DIES IRAE hei&szlig;t: 'Sitzt der Richter DANN zu richten, wird sich das Verborgne lichten. Nichts kann vor der Strafe fl&uuml;chten': <br> <br> 
JUDEX ERGO CUM SEDEBIT
<br> <br> 
QUIDQUID LATET APPAREBIT
<br> <br> 
NIL INULTUM REMANEBIT."<br><br>
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