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	<title>Spurensuche Harzregion e.V. </title>
	
	<link>www.spurensuche-harzregion.de</link>
	<description>Webseite des Vereins Spurensuche Harzregion</description>
	<pubDate>Tue, 05 January 2010 10:11:01 +0100</pubDate>
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	<language>de-de</language>
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		<title><![CDATA[Der Reichsn&auml;hrstand in der Reichsbauernstadt - Eine symbiotische Beziehung?]]></title>
		<link>http://www.spurensuche-harzregion.de/?publikationen/87</link>
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		<pubDate>Tue, 05 January 2010 10:11:01 +0100</pubDate>

		<creator>PV</creator>
		
		<category><![CDATA[publikationen]]></category>
				<keywords><![CDATA[blut,boden,dokumentation,ausstellung,symposium,schyga,erntedank,goslar,b&uuml;ckeburg,hameln,kirche,probstei goslar, amsdorfhaus,peter schyga]]></keywords>

		<description><![CDATA[Redebeitrag von Dr. Peter Schyga auf dem Symposium "Erntedank und Blut und Boden"]]></description> 
			<content><![CDATA[
			<i>Dieser Artikel ist Teil der Dokumentation des Symposiums zur Ausstellung "Erntedank und Blut und Boden". Das Symposium fand am Samstag, den 10. Oktober 2009 im Amsdorfhaus in Goslar statt. Alle Beitr&auml;ge der Dokumentation finden Sie <a href="http://www.spurensuche-harzregion.de/?publikationen/88">hier</a>.</i><br><br><br>
Peter Schyga<br>
<b>Der Reichsn&auml;hrstand in der Reichsbauernstadt - Eine symbiotische Beziehung?<sup>1</sup></b>
<br><br>
In der Ank&uuml;ndigung zu diesem Symposium und in der &uuml;berschrift dieses Vortrags steht ein Fragezeichen hinter der Behauptung, dass die Stadt und ihre Reichn&auml;hrstandsbeh&ouml;rde in engem Verh&auml;ltnis zu einander standen. Dies Fragezeichen ist dann berechtigt, wenn wir von der Vorstellung einer Homogenit&auml;t der Einstellungen und Vorstellungswelten in der Stadt Abstand nehmen, wenn wir uns n&auml;her mit Partikeln im sozialen, politischen und kulturellen Geflecht der lokalen NS-Volksgemeinschaft besch&auml;ftigen. Und wenn wir bedenken, dass diese Art von Gemeinschaft zwar auf der gewaltsamen Zerst&ouml;rung von Gesellschaft gr&uuml;ndet, dass ihre Herstellung aber ein Prozess ist, den man sich als nie abgeschlossen vorstellen darf, der auch nie zu einem Ende kommen durfte. Denn das h&auml;tte den totalit&auml;ren Charakter der NS-Herrschaft gef&auml;hrdet, der auf Bewegung, auf zerst&ouml;render Mobilisierung beruhte. Das Fragezeichen ist Ausdruck der Tatsache, dass die Bewegung von Partei, ihren Gliederungen, ihren Nebenorganisationen zwar in der sogenannten Kampfzeit - das hei&szlig;t bis zur Ausschaltung der SA durch die Morde an Ernst R&ouml;hm und anderen im Sommer 1934 - virulent war, dass jedoch das Mitrei&szlig;en eines ganzen Volkes in diesen Taumel der Verhei&szlig;ung eine andere Dimension darstellte. Diese Widerspr&uuml;chlichkeit will ich heute an der Beziehung zwischen dem Reichsn&auml;hrstand und der Stadtbev&ouml;lkerung von Goslar skizzieren.
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Dies in zweierlei Hinsicht: a) auf der ideologischen Ebene und b) dem organisatorischen/politischen Fundament.
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Ich werde heute mein Augenmerk auf ersteres legen, dies aus mehreren Gr&uuml;nden: Das Wissen der Gegenwart um die ideologische Deutungshoheit der von Richard Walther Darr&eacute; und sp&auml;ter Herbert Backe gef&uuml;hrten Bauernvereinigung h&auml;lt sich in argen Grenzen; dies hat weithin zur Untersch&auml;tzung dieses Produktions- und Ideologiesystems innerhalb der Herrschaftsbildung des NS-Regimes gef&uuml;hrt. Ein Zeichen daf&uuml;r besteht darin, dass die Literatur zu diesem Thema &uuml;berschaubar ist, weithin aufeinander Bezug nimmt, um es vorsichtig auszudr&uuml;cken, und damit die meisten AutorInnnen sich darin einig sind, dass die Rolle des Reichsn&auml;hrstands im Herrschaftsapparat des NS-Regimes als wenig wirkungsvoll angesehen werden kann.
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Ablesen l&auml;sst sich das an der Tatsache, dass es noch keine Untersuchung &uuml;ber das Herrschaftswalten dieser Bauernfunktion&auml;rskreise gibt. Darunter verstehe ich deren Beitrag zur materiellen Konstituierung und ideologischen Konstruktion der NS-Volksgemeinschaft im europ&auml;ischen Gro&szlig;raum. So nimmt es kein Wunder, dass Goslar als Reichsbauernstadt lange Zeit nicht in den Fokus zeithistorischer Forschung geriet. Die bedeutenden Untersuchungen etwa von Corni/Gies<sup>2</sup> oder Uwe Mai<sup>3</sup> nehmen den Apparat, seine Struktur, seine wirtschaftspolitischen Instrumentarien und Taten in den Blick, befassen sich aber nur in bescheidenem Ma&szlig; mit den in dieser Organisation und an ihrer Peripherie praktizierten Ideologieproduktionen. Von Goslar ist in diesen volumin&ouml;sen Werken kaum die Rede. Die mir nicht einsichtige Wertsch&auml;tzung der einschl&auml;gigen Untersuchung von Beatrix Herlemann zu b&auml;uerlichen Mentalit&auml;ten scheint daraus zu resultieren, dass das Thema Ideologie und in diesem Zusammenhang religi&ouml;se Erscheinungen &uuml;berhaupt nicht vorkommen, sie im Erz&auml;hlen verharrt. Die mir bekannte einzige Untersuchung, die sich dezidiert mit der Frage von Ideologiekonstruktion in und durch den Reichsn&auml;hrstand &uuml;ber eine Ann&auml;herung an Darr&eacute; besch&auml;ftigt ist die Schrift von Lothar Kroll "Utopie als Ideologie" (Stuttgart 1999). Ein Urteil dazu formuliere ich hier nicht. Eine Biografie zu Darr&eacute; gibt es ebenso wenig wie eine ver&ouml;ffentlichte Besch&auml;ftigung mit Herbert Backe. Da nimmt es kein Wunder, dass sogar die verdienstvolle "Enzyklop&auml;die des Nationalsozialismus" von Benz, Graml, Wei&szlig; (M&uuml;nchen 2007) trotz mehrfacher Intervention in ihrer 5. &uuml;berarbeiteten und aktualisierten Auflage daran festh&auml;lt, Reichsbauertage und NS-Erntedankfeste durcheinander zu schmei&szlig;en. Eine personell hochkar&auml;tig besetzte Tagung in Hannover zur NS-Volksgemeinschaft am Wochenende der deutschen Einheitsfeiern brachte es fertig, Aspekte des Sports, des Konsums zu behandeln, die "wirkungsm&auml;chtige soziale Verhei&szlig;ung" der Volksgemeinschaft anzusprechen, ohne die gr&ouml;&szlig;ten Volksgemeinschaftsinszenierungen auf dem B&uuml;ckeberg zu thematisieren oder ein Wort &uuml;ber die Bedeutung von "Blut und Boden" und deren Tr&auml;gerorganisation zu verlieren. Bei diesem Stand der Dinge in der Forschungslandschaft wundert es nicht, dass Goslar als Reichsbauernstadt kaum thematisiert wird.
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Wir setzten in unsere Ausstellung und dem heutigen Symposium einige Hoffnung, dass sich hieran etwas &auml;ndert. Dass n&auml;mlich Forschung, die es gibt, zur Kenntnis genommen wird. Denn das ist Mindestbedingung f&uuml;r eine produktive Vergangenheitspolitik. Vielleicht kommt man in diesem Diskurs dann auf Seiten politischer Mandatstr&auml;ger auf den eigentlich doch nicht zu abwegigen Gedanken, historische Forschung, die in und zu ihrer Stadt betrieben wird, lesend und betrachtend wahrzunehmen, vielleicht gelingt es sie zu ermuntern, sich auf der Grundlage von angeeignetem Wissen mit dem Thema zu besch&auml;ftigen.
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Dann kann etwas anderes herauskommen kann als g&auml;ngige Praxis. Dass politische Willensentscheidungen von kommunalen Parlamenten vorw&auml;rtsweisend, beispielgebend und im Ergebnis f&uuml;r andere hoch attraktiv sein k&ouml;nnen, hat die Nachbarstadt Bad Harzburg j&uuml;ngst mit der Ausstellung zur "Harzburger Front" bewiesen.
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Wenden wir uns gewissenhaft st&auml;dtischer Vergangenheit der Jahre 1933 bis 1945 zu, dann stellt man fest, dass es wenig Sinn macht "Blut und Boden" moralisch als "f&uuml;rchterlich", appellatorisch als "das darf nie wieder sein" (das sind Zitate aus der Ausstellungser&ouml;ffnungsrede von GS-OB Henning Binnewies) zu behandeln oder - ohne diesen aufkl&auml;rerischen Impetus - als spinnerte, wenig ernst zu nehmende Bauernt&uuml;melei abzutun. Die kurios anmutende aber in Wahrheit stupende Wende, die aus Zweitem abgeleitet wird, lautet dann: Goslar war NS-Normalit&auml;t. Da gibt es nichts Besonderes zu forschen.
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Auch gut gemeinte Gedenkenpolitik wirkt deshalb als unbegriffene Routineveranstaltung, weil das Begriffspaar "Blut und Boden" eine Metapher von Ausgrenzung, Ausschluss, Vernichtung des Anderen war, die heute zwar ihrer w&ouml;rtlichen Bedeutung entledigt ist, die sich aber in anderen Formen von Exklusion und verhei&szlig;endes Wohlssein versprechender Inklusion regeneriert hat. Nicht dass etwas "f&uuml;rchterlich" gewesen ist, gilt es festzustellen. Dass muss jede(r) mit intakter Moral sowieso tun. Wichtig ist es zu fragen, wie es zu dem "F&uuml;rchterlichen" kam, warum Menschen mitgemacht haben. Viele Fragen, mehr sind zu stellen, Antworten zu suchen. Erst dann kann die Floskel "aus der Geschichte lernen" ernst genommen werden. Dann kann man auch den heutigen Begriff von Volksgemeinschaft verstehen, wenn einem die Rede von "Ausl&auml;nder-befreiten-Zonen" begegnet, der Satz "t&uuml;rkische W&auml;rmestuben brauchen wir nicht in Berlin" (Thilo Sarrazin) im Ohr klingt oder wir h&ouml;ren, dass nur deutsche Arbeit etwas wert sei, weil etwa Rum&auml;nen sowieso nur bummeln und schlampen, wie ein "Arbeiterf&uuml;hrer" aus NRW unter hoher Zustimmung seines Publikums deklamieren kann.
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Also noch einmal: "Blut und Boden" war keine Sprechblase, sondern bildete die inhaltliche Basis f&uuml;r ein ideologisches System des andere beherrschenden Herrenmenschentums.
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Gewiss, und hier streife ich das organisatorische Fundament dieser Ideologieproduktionseinrichtung namens Reichsn&auml;hrstand: Das Erntedankfest gab es einmal im Jahr. Da kam Hitler und man war begeistert. Und gleichzeitig war es ein Event, der schnell wieder in den Alltag &uuml;berging. (Es existiert ein Foto vom 5. Okt 1935 im st&auml;dtischen Archiv, auf dem der Marktplatz aus identischer Position fotografiert ist: einmal geschm&uuml;ckt in Erwartung des F&uuml;hrer, einmal fast kahl - die Hakenkreuzfahnen an der Kaiserworth sind abgeh&auml;ngt - mit Marktbetrieb) &auml;hnlich verhielt es sich mit den auch nur viermal hier stattgefundenen Reichsbauerntagen. Ein Event, um den viel Tamtam gemacht wurde, der aber nach ein paar Tagen wieder vorbei war.
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Lebendige Selbstbedeutung in neuinterpretierter Weltgeschichte eingeschenkt wurde  war in Einbettung der Goslarer St&auml;dter in die Reichsbauernstadt verbunden mit der bedingungslosen Aneignung der Darr&eacute;schen Blut-, Boden-, Rasseparolen durch die wortm&auml;chtigen politischen und kulturellen Eliten. Dabei - und insofern ist das Fragezeichen des Vortragstitels in ein Ausrufezeichen zu verwandeln - nahm sich die hier herrschende &ouml;ffentliche Meinung der Parolen an, um sie permanent nachplappernd manchmal noch zu radikalisieren.
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So forcierten zu Beginn der NS-Herrschaft, die lokalen NS-Kader waren trotz einiger &uuml;bung noch nicht auf dem n&ouml;tigen Propagandalevel, die &ouml;rtlichen Kultureliten den strammen weltanschaulichen Schulterschluss mit den Machthabern und dem Reichsbauernf&uuml;hrer. Dass hier keine Details aufgez&auml;hlt, beschrieben und analysiert werden k&ouml;nnen, sehen Sie mir bitte nach. Die sind in nunmehr zwei B&uuml;chern und einigem anderen Schrifttum nachzulesen.<sup>4</sup> Doch beispielhaft seien ein paar Ereignisse n&auml;her betrachtet:
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Der erste Erntedank der NS-Zeit in Goslar geriet noch ein bisschen durcheinander. Die Kirchen verlegten ihre Gottesdienste um ein halbe Stunde, damit das Publikum rechtzeitig zum "Erntereigen" auf dem Marktplatz zusammenkommen konnte. Obwohl dies Ereignis neu war in der Stadt - die letzten Bauernumz&uuml;ge wurden hier zur 1000-Jahrfeier 1922 gesichtet - behielt es, wenn man die Berichterstattung der Lokalpresse als Quelle heranzieht, ihren kirchlich-christlichen Charakter. Nur B&uuml;rgermeister Hermann M&uuml;hlenberg, ein importierter NS-Parteikader, fiel insofern aus der Rolle, als er die erste heidnische Predigt seit der Christianisierung der Stadt anstimmte. Allgemein hatte man sich innerhalb der NS-Bewegung noch nicht sortiert. Der erste Reichsbauerntag fand in Weimar statt: dass man Goethe und Schiller ganz schlecht mit dem germanischen Bauern in Beziehung setzen konnte, fiel dann auch bald auf. In seiner Rede auf dem B&uuml;ckeberg 1933 nahm Adolf Hitler noch Bezug auf den christlichen Charakter des Erntedankfestes, es schien sich bis auf die Gr&ouml;&szlig;enordnungen, die demonstrative Einbettung der Bauern in das "Volksganze", Wesentliches nicht ver&auml;ndert zu haben.
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Doch wohin der Weg f&uuml;hren sollte, war eigentlich klar: der seit 1930 unter Leitung von Darr&eacute;, Reischel und anderen r&uuml;hrige agrarpolitische Apparat der NSDAP hatte nach und nach die Bauernverb&auml;nde erobert, die Propaganda gab die Linie der Zukunft vor. Im Geleitwort Darr&eacute;s zur 2. Auflage (M&uuml;nchen 1931) der programmatischen Schrift "Nationalsozialistische Agrarpolitik" von Werner Willikens - &uuml;brigens Abiturient des Jahrgangs 1911 am Goslarer Gymnasium - aus dem Jahr 1930 hei&szlig;t es:
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"... Der Landwirt und sein Stand, der Bauer besonders, (ist) nicht ein Stand wie alle &uuml;brigen St&auml;nde im Volksk&ouml;rper, sondern (bildet) die Voraussetzung und die Grundlage jedes v&ouml;lkischen Daseins &uuml;berhaupt. Ein wahrer und echter Volksk&ouml;rper kann nur vom Bauerntum aus aufgebaut werden und auf nichts anderes sonst, es sei denn, er geh&ouml;re zu den Schmarotzern und lebe vom Marke anderer V&ouml;lker." (S.4) In diesem Satz sind schon alle Elemente, wenn auch noch verklausuliert, enthalten, die die NS-Ideologie ausmachen:
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Der echte Volksk&ouml;rper als rassische, auf dem bodenst&auml;ndigen, erbgutsichernden Bauerntum basierende Kampfeinheit, die sich gegen alles Fremdbl&uuml;tige - dass mit Schmarotzer die j&uuml;dische Rasse gemeint war, wusste damals jeder - mit v&ouml;lkischer Tatkraft, blutsererbt von den Ahnen, durchzusetzen hatte. Eine konstruierte, noch keineswegs durchformulierte Weltanschauung sollte tragendes Element zur Mobilisierung der Bauern- bzw. Volksmassen werden. Wie das funktionierte, wie das bei den Adressaten ankam, ist die Frage, die hinter dem Fragezeichen des Vortragstitels steht, eine Frage, deren Beantwortung einiges zur Erhellung der Wirkungsweise des NS-Systems beizutragen vermag - eine Beantwortung, die wie die Fragen hier nur skizziert werden kann.
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Dass der Bauer nun so sehr im Vordergrund von Geschichtsmythen, von Rasse- und Z&uuml;chtungsvorstellungen stand, zum Fixpunkt der Eroberung, Sicherung und Erhalts von Rasseherrschaft wurde, irritierte die gemeinen Altvorderen genauso wie folgende Geschichtsforschergenerationen. Doch auch wenn zum der B&uuml;ckeberg die Bratwurst und das Bier ebenso dazu geh&ouml;rten, wie Kanonensch&uuml;sse auf H&auml;userattrappen und Flugvorf&uuml;hrungen sollte das Fest &uuml;ber den "sch&ouml;nen Schein" (Peter Reichel) einer Volksgemeinschaftsinszenierung eine Feier des kollektiven Schwurs der Einheit von Bauern- und Arbeiterrasse sein. Ich behaupte nicht, dass das so bei den Menschen angekommen ist, eher nicht. Das mindert ein Urteil &uuml;ber seinen Zweck und die Absichten aber nicht.
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So machte sich wahrscheinlich auch kein einheimischer Mensch zumindest vernehmlich Gedanken, warum nun gerade Goslar, die alte Reichs-, Kaiser- und Hansestadt nun ausgerechnet Bauernstadt wurde. Man ergriff in der Stadt die M&ouml;glichkeit des Bedeutungsgewinns beim Schopf. Binnen drei Wochen nach der Verk&uuml;ndung Darr&eacute;s vom 15. Febr. 1934, hierher den Sitz des Reichsn&auml;hrstands zu verlegen, stellte Stadtbaumeister Schneider einen Kosten- und Finanzierungsplan in H&ouml;he von 12,7 Mio. Reichmark zum Ausbau der Stadt vor - mitten in der anhaltenden Wirtschaftskrise. Sofort ging man an Planungen und Ausschreibungen f&uuml;r den Bau einer gro&szlig;en Versammlungshalle. Die Zeitung nahm angeblich germanische Monatsnamen in ihren Titelkopf auf, jeden Tag standen nun Berichte aus dem Reichsn&auml;hrstand in dem Blatt. Der Blut- und Bodenverlag wurde in der B&auml;ckerstra&szlig;e willkommen gehei&szlig;en, eine Ausstellung zu "Rasse und Volk" jagte die n&auml;chste. Der Bestand der B&uuml;cherei an Bauernb&uuml;chern und Brosch&uuml;ren schwoll an, man schien sehns&uuml;chtig den Tag zu erwarten, dass Goslar endlich Reichsbauernstadt werden w&uuml;rde; das war dann erst 1936 der Fall. Die Verortung der Urspr&uuml;nge des Germanentums in Niedersachsen lie&szlig; die Heimatforscher die Schaufel schwingen. Die Orte mit den Tagungs- und Grabst&auml;tten der mittelalterlichen Heinrichs und Ottos wetteiferten um Bedeutung. Nat&uuml;rlich stand der "Bauernherzog" Heinrich im Fokus reichsn&auml;hrst&auml;ndischer Geschichtsdeutung.
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Dass vieles organisatorisch im Argen lag und dort verblieb, 1934 nur ein Zelt auf dem Osterfeld aufgestellt werden konnte, der Bau und die Bewirtschaftung der Goslarhalle heftige Konkurrenzk&auml;mpfe entfachte, sich Pensionswirte und Hotelbesitzer &uuml;ber Preisregulierungen aufregten, die hochfahrenden Besiedlungsplanungen des Reichsn&auml;hrstands so gar nicht in das st&auml;dtebauliche Konzept einer "organischen Stadtgestaltung" (Droste/Schneider) passten und zudem eingeplante Mittel f&uuml;r den Siedlungsbau absaugen sollten, sind - hier nur beispielhaft angef&uuml;gt - alles Faktoren, die zu skeptischer Distanz f&uuml;hrten. Wenn es ans Portemonnaie des eigenen Alltags geht, kennt jede Herrschaftsdemonstration ihre Grenzen.
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Nat&uuml;rlich bellten hier wie anderswo nicht irgendwelche Propagandisten t&auml;glich das Schlagwort von "Blut und Boden" durch die Gegend. Doch man sollte die Wirkung allein des Titels Reichsbauernstadt, Stadt des Reichsn&auml;hrstands, Stadt der Reichbauerntage auf die Stadtbev&ouml;lkerung nicht untersch&auml;tzen. Auch dass Goslar zu den St&auml;dten im Reich geh&ouml;rte, denen der F&uuml;hrer mehr als einmal einen Besuch abstattete, verfehlte seine Wirkung nicht. Man war auf das alles ziemlich stolz. Doch dieser Stolz bedurfte der Unterf&uuml;tterung. Die dem Prozess der Bauernwerdung folgenden Elemente von Ideologiebildungen und -ein&uuml;bungen sollten wirksam werden.
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Lassen sie uns zwischendurch ein Gedankenspiel machen: Wer heute mit dem Zug nach Goslar kommt, begegnet einem Schild, auf dem steht "Goslar die alte Kaiserstadt". Goslar wirbt zudem als Stadt des Weltkulturerbes Rammelsberg und mittelalterlich gepr&auml;gte Innenstadt. Kaiserstadt und Weltkulturerbe sind allgegenw&auml;rtig - und damit m&uuml;ssen nicht nur die Stadtmarketingprofis aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung, sondern auch die B&uuml;rgerin und der B&uuml;rger umgehen. Wenn sie oder er von einem Touristen gefragt werden, m&uuml;ssen sie eigentlich begr&uuml;nden k&ouml;nnen, was es mit diesen Titeln auf sich hat, und werden nicht auf die Stadtf&uuml;hrergilde und das Tourismusb&uuml;ro verweisen wollen. Und ich bin sicher, dass sp&auml;testens im Heimatkundeunterricht jedes Kind lernt, mit der Bedeutung dieser Begriffe umzugehen. Es ist also n&ouml;tig sich Kenntnisse - zumindest elementare - um diese Bezeichnung anzueignen, ein Wissen, das in Fleisch und Blut &uuml;bergeht. Die Marketingpolitik der Stadt f&uuml;llt, erg&auml;nzt, unterst&uuml;tzt diese Verinnerlichung. Dass dabei alles in Formen mit historisch korrekten Inhalten &uuml;bermittelt wird, ist damit nicht gesagt.
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Sie m&uuml;ssen sich vorstellen, dass es solche Form der Ausrichtung der Stadt im Goslar der NS-Zeit ebenso gab. Ich gehe gleich auf Elemente dieser Ausrichtung ein. Doch vorher will ich betonen, welch grundlegenden Unterschied es in dieser Hinsicht zwischen gestern und heute gibt: Heute dient die Kulturerbe- oder Kaiserstadteuphorie der Tourismuswerbung, manchmal gewiss auch der Selbsterhebung. Doch man kann prinzipiell oder en Detail Widerrede halten. Ob man geh&ouml;rt wird, ist eine andere Sache.
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Kaiserstadt war Realit&auml;t, die mittelalterliche Altstadt ist Realit&auml;t, und auch ist es wahr, dass der Rammelsberg als Produktionsst&auml;tte wohl seit etwa 3000 Jahren seit existiert. Doch Reichsbauernstadt war eine Fiktion, ein durch und durch k&uuml;nstliches Gebilde, dessen Sinngehalt an keinerlei Realit&auml;t gebunden war. Wenn heute von Goslar als Reichsbauernstadt gesprochen wird, kommt als Erstes die Frage nach dem Warum: Warum war Goslar Reichsbauernstadt? Heute l&auml;sst sich die Antwort nur mit historischen Plausibilit&auml;ten, mit Zugriff auf Darr&eacute;scher Harzliebe, Elemente Darr&eacute;scher Propaganda unter Einbeziehung von Geschichtsmythen und gest&uuml;tzt auf das Wissen um die NS-Weltanschauung einigerma&szlig;en schl&uuml;ssig formulieren - so richtig befriedigen kann sie keinen - auch den Beantworter nicht. Aber damit muss man sich abfinden.
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Die Leute damals waren aber gewiss vor die Aufgabe der Fragebeantwortung gestellt. Sie bastelten um diese Antwort ein Geschichts- und Weltbild. Nat&uuml;rlich musste sich das nicht jede(r) einzelne zurechtlegen, dazu gab es einen reichhaltigen Fluss von Propaganda. Jetzt stellen Sie sich einfach mal vor, dass alle regional wirksamen - regional, denn ich vermute, viele Volksgenossinnen und Volksgenossen im Reich wussten wenig mit dem Begriff Reichsbauernstadt anzufangen - Hebel einer totalit&auml;ren Propaganda, alle Mittel f&uuml;r Geschichts- und Heimatforschung, Arch&auml;ologie, Literatur etc. in die Bedienung einer Fiktion namens Reichsbauernstadt flie&szlig;en. Die Summe der Leute, die dem glauben, wird sich erh&ouml;hen, diejenigen, die diese Konstruktion aus guten Gr&uuml;nden als v&ouml;llig daneben erachten, haben keine M&ouml;glichkeit der &auml;u&szlig;erung - sie m&uuml;ssen schweigen.
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Ich m&ouml;chte ein schriftliches Produkt dieser Hinwendung zum deutschen Bauerntum zitieren: Staatsrat Meinberg, ein hoher Funktion&auml;r im Reichsn&auml;hrstandsapparat mit eindrucksvoller Nachkriegskarriere, betonte in seiner Rede auf dem Reichsbauerntag 1934, dem ersten in Goslar:
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"Und es wird stets ein Geheimnis unseres Volkes bleiben, dass wir aus unserem Boden, aus unserer Muttererde immer wieder die Kraft erhalten, die unsere Art und Zukunft bestimmt. Wir sehen durch unsere ganze Geschichte hindurch die Auswirkung des b&auml;uerlichen Bluterbes, das nicht nur eine bev&ouml;lkerungspolitische Bedeutung, sondern vielmehr eine geistes- und kulturgeschichtliche Bedeutung hat. ... Uns dagegen lehrt die Rasseanschauung, dass Blut und Kultur eine durch das Schicksal gegebene organische Einheit darstellen, dessen Missachtung zwangsl&auml;ufig zur Entartung f&uuml;hren muss. Und das ist das gro&szlig;e Geheimnis unseres deutschen Volkes, dass die Bedeutung des b&auml;uerlichen Bluterbes f&uuml;r Volk und Staat Schicksal des ganzen deutschen Volkes schlechthin ist. Es ist kein Zufall, dass gerade in der Gegenwart diese Gedanken mit immer st&auml;rkerem Nachdruck zum Ausdruck gebracht werden, denn wir alle wissen, dass der Sieg des Nationalsozialismus nicht die Vollendung sondern der Anfang der notwendigen Neugestaltung unseres Volkes ist. ... Denn unser Volk tritt in das Licht der Geschichte als ein Bauernvolk. F&uuml;r uns Bauern ist der Dienst an der Scholle stets eine lebendige Verbindung mit jener unergr&uuml;ndlichen, das Leben bestimmenden Macht, die die Menschheit in Gott verehrt. Aus dieser Gesinnung heraus ist Bauernarbeit Gottesdienst."
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Ich werde hier und heute diesen Text nicht aufdr&ouml;seln, die zentralen Begriffe habe ich hervorhebend betont. Ausf&uuml;hrlich argumentiere ich in meinem neuen Buch. Was nur herauszustellen ist: Rasse und Blut bedeutet alles: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft - und Blut und Rasse sind mehr als biologischer Fakt und anthropologisches Konstrukt: Rasse ist alles, was das Leben ausmacht.
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Mit kr&auml;ftigem Schwung agitiert Meinberg dann wenige Abs&auml;tze weiter noch einmal, damit es auch der letzte begreift, wie sehr die b&auml;uerliche Rasse in Kultur und Seele der Menschen verankert sei, man m&uuml;sse nur richtig hinschauen:
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"Die geistige Macht dieses b&auml;uerlichen Blutserbes, die die deutsche Weltanschauung und Lebenshaltung formte, hat naturgem&auml;&szlig; die Entwicklung der deutschen Kultur entscheidend beeinflusst. F&uuml;r den b&auml;uerlichen Charakter des deutschen Volkes ist aber auch das Bauerntum der Mutterboden der Kultur. B&auml;uerliches Bluterbe ist das ahnungsvolle Wesen aller hohen deutschen Kunst, die hinter den Erscheinungen dieser Welt in einem ewigen 'Stirb und Werde' leben und wirken. ... Ein Gang durch die Stra&szlig;en unserer Reichsbauernstadt Goslar zeigt die innige Wechselwirkung zwischen dem b&auml;uerlichen Bluterbe und deutscher Kultur. Die hochgiebeligen Fachwerkh&auml;user reden die Sprache des Landes. Ob sie die Formenelemente der Gotik, der Renaissance oder des Barocks aufgenommen haben und wunderbaren Schmuck handwerklicher Kunst zeigen, ... Der b&auml;uerliche Grundcharakter des Goslarer B&uuml;rgerhauses ist unbedingt geblieben. Und wenn ihr n&auml;her hinseht, findet ihr immer wieder in den reich geschnitzten Balken die Symbole germanisch-b&auml;uerlicher Weltanschauung, die Sonnenrose, den Lebensbaum, die Siegrune, die Odalsrune, das Hakenkreuz in den verschiedenen Abwandlungen."<sup>5</sup>
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Solch kulturhistorischer Unfug wurde beflissen von den einheimischen Eliten aufgesogen und weiterverbreitet. Der traditionelle Stadtf&uuml;hrer, eine gediegene Informationsbrosch&uuml;re zu Geschichte, Kultur und Wirtschaft Goslars und seiner Umgebung, redigiert von dem Geschichtslehrer Dr. Carl Borchers, nahm die Bauernhuldigungen auf und integrierte sie in die eigene hergebrachte Vorstellung von Goslarer Geschichte. Eine b&uuml;rgerlich gepr&auml;gte "Freie Reichs- und Hansestadt", wie sie sich genannt hatte, wurde einer Germanisierung und Verb&auml;uerlichung unterzogen. Im Geleitwort schrieb Borchers:
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"Am 15. Januar 1934 wurde Goslar vom Reichsbauernf&uuml;hrer, Reichsern&auml;hrungsminister Darr&eacute;, als zuk&uuml;nftiger Sitz des Reichsn&auml;hrstandes bestimmt. Nach dem Willen des F&uuml;hrers sucht der Nationalsozialismus auf allen Gebieten die leider in vielen F&auml;llen gest&ouml;rte Verbindung mit der deutschen Vergangenheit wieder aufzunehmen. ... Von Niedersachsen erhielt einst die Kolonisation des deutschen Ostens starke Antriebe. ... Wie in seiner &uuml;berlieferung Goslar eng an Blut und Boden gebunden ist, so steht auch das Bild der Stadt, eingerahmt von der m&auml;chtigen Kette der Oberharzer Berge, organisch in dieser Landschaft, in der deutsches Waldgebirge, alte Siedlung und fruchtbare Felder sich zu einer wunderbaren Harmonie zusammenschlie&szlig;en."<sup>6</sup> In einer sp&auml;teren Ausgabe ist zu lesen: "Reichsbauernstadt Goslar. Der Wille zum Bauerntum. ... So wird die Leitung des Reichsn&auml;hrstandes in das Herz des niederdeutschen Bauernlandes, nach Goslar ziehen, um fern jeder vernebelnden Gro&szlig;stadtluft in engster Verbindung mit dem nat&uuml;rlichen Leben des Bauerntums seine gewaltigen Aufgaben zu l&ouml;sen. Der Bauer als der fundamentale Tr&auml;ger des deutschen v&ouml;lkischen und staatlichen Lebens kann nur auf dem Boden seiner V&auml;ter seine Eigenart und seine Werte entfalten. Goslar ist der Mittelpunkt und der Kern der Geschichte des deutschen Bauerntums und darum wie keine andere Stadt geeignet, der Sitz der F&uuml;hrung dieses deutschen Bauerntums zu sein. Inmitten steinerner Zeugen sch&ouml;pferischen, deutschen Kulturwillens, inmitten einer wurzelechten, deutschen Bev&ouml;lkerung wird die gewaltige Aufgabe gel&ouml;st werden, das deutsche Bauerntum als die ewige Blutsquelle des deutschen Volkes und den Tr&auml;ger des Hochziels der deutschen Nahrungsfreiheit in seinem Bestande zu sichern, zu erhalten und weiterzuentwickeln."<sup>7</sup>
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So ging das in einem fort und zwar nicht nur zu den Bauerntagen und den kurzen Erntedankjubelakten, sondern im wahren Sinn des Wortes t&auml;glich. Diese Tagesarbeit wurde nicht vom Reichsn&auml;hrstand geleistet, sondern das erledigten die Teile der einheimischen Eliten, die sich &ouml;ffentlich zu Wort melden konnten: die Zeitungen, die geschichtlichen Clubs und Vereine etc. Es gab eine bedeutende Ausnahme: die Kirchen. Mit keiner Zeile wurde etwa im Goslarschen Gemeindeblatt der Jahre 1933 bis 1941 diese Reichsbauernstadtschiene mitgefahren. Welche Ausnahmen es noch gab, ist nicht bekannt, weil nicht &ouml;ffentlich oder nicht aktenkundlich. Dass es &uuml;ber diese nun mittlerweile durchforsteten Quellen hinaus Zeugnisse gesunden Menschenverstandes gab, halte ich f&uuml;r sehr wahrscheinlich. Nur k&ouml;nnen wir keine Aussagen treffen, was etwa Studiendirektor Br&ouml;kelschen und sein Frau, Stadtbaurat Schneider oder Forstmeister Grundner Culemann - um nur prominente Nicht-Nationalsozialsiten zu nennen, zu diesem Bauernhype dachten.
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Ich kann nur jedermann auffordern - vor etwa einen Dutzend Jahren tat ich das zum ersten Mal - die Dachb&ouml;den zu l&uuml;ften und nach privaten Dokumenten und Zeugnissen dieser Zeit zu fahnden, um sie der Forschung zur Verf&uuml;gung zu stellen. Demn&auml;chst wird auf Sie Frau Dr. Lu Seegers zukommen, die sich im Rahmen eines Verbundsprojekts mehrerer nieders&auml;chsischer Universit&auml;ten mit der Erforschung von Volksgemeinschaft in der Region Goslar besch&auml;ftigt.
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Ich habe nun in meinem ersten Buch den Weg der Zersetzung und dann gewaltsamen Zerschlagung von Gesellschaft und ihrer Ersetzung durch die Volksgemeinschaft des NS Regimes erz&auml;hlt. Ich habe allgemein von der Ausbildung zur Volksgemeinschaft berichtet, ohne diesen Begriff zu erw&auml;hnen. Der Inhalt wurde wenig bemerkt, weil das Etikett nicht entsprechend beschriftet war. In meinem jetzt erscheinen Buch habe ich wichtige Elemente der Konstruktion von Volksgemeinschaft zum Thema, denn die Herausbildung, Entwicklung und Ausbildung einer Ideologie zur Religion halte ich f&uuml;r zentral, um dem Begreifen von NS-Herrschaft weiter auf die Spur zu kommen. Wir m&uuml;ssen in diese Richtung also weiter forschen und d&uuml;rfen auch 1945 nicht aufh&ouml;ren.
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Vor drei Jahren habe ich an die Stadt und an alle Fraktionen des Stadtrats die schriftliche Anfrage gestellt, ob sie nicht Interesse h&auml;tten, die Nachkriegszeit Goslars erforschen zu lassen. Kein Mensch hat mir geantwortet bis auf Heidi Johanna Roch, die eine Absage bedauerte und meinte, es sei kein Geld da.  <br><br>
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1 Redaktionell leicht bearbeiteter Vortrag auf dem Symposium am 10.Okt. 2009 anl&auml;sslich der Ausstellung "Erntedank und ‚Blut und Boden’. B&uuml;ckeberg/Hameln und Goslar 1933 bis 1938. NS-Rassekult und die Widerrede von Kirchengemeinden" im Goslarer Museum v. 4. Okt. Bis 1. Nov. 2009.<br><br>
2 Gustavo Corni, Horst Gies, 1997: Brot, Butter Kanonen. Die Ern&auml;hrungswirtschaft in Deutschland unter der Diktatur Hitelrs, Berlin.<br><br>
3 Uwe Mai, 2002: "Rasse und Raum", Agrarpolitik, Sozial- und Raumplanung im NS-Staat, Stuttgart.<br><br>
4 Peter Schyga, 1999: Von der nationalen Stadt zur Reichsbauernstadt des Nationalsozialismus. Goslar 1918-1945, Bielefeld. Ders. 2009: Kirche in der NS-Volksgemeinschaft - Selbstbehauptung, Anpassung und Selbstaufgabe. Die ev.-luth. Gemeinden in Goslar, der Reichsbauernstadt des Nationalsozialismus, Hannover.<br><br>
5 Reichsobmann Staatsrat Wilhelm Meinberg in: GZ v. 19.11.("Neblung")1934, unter der Titelzeile: "Schlusstag des Bauernthings. Gewaltiges Bekenntnis zum Bauerntum - Meinberg und der Reichsbauernf&uuml;hrer sprachen." (Hervorhebungen, P.S.) Biogr. Angabe zu Meinberg: geb. 1898 in Wasserkurl bei Dortmund. 1919 Deutschv&ouml;lkischer Schutz- und Trutzbund. 1923 Bauer, 1929 Nationalsozialist, SA- Mann, Versammlungsredner. 1932 MdL Preu&szlig;en, 1933 MdR. Reichsobmann des Reichsn&auml;hrstands, Preu&szlig;. Staastrat, 1935 landwirtschaftlicher Gaufachberater der NSDAP, stellv. Reichsbauernf&uuml;hrer. Ab 1937 im Vorstand der AG Reichswerke Hermann G&ouml;ring. Nach dem Krieg: Mitarbeit im Naumannkreis, der die FDP nationalsozialistisch unterwandern wollte; 1953 Mitglied der Deutschen Reichspartei u. Vorsitzender des Direktoriums, 1955-1960 mit einmonatiger Unterbrechung deren Vorsitzender.<br><br>
6 Stadtf&uuml;hrer Goslar, 1936: Geleitwort von Dr. Carl Borchers, Goslar.<br><br>
7 Stadtf&uuml;hrer Goslar, verantw. Carl Borchers o. J. (wahrscheinlich 1937 oder 1938), S. 13-15. Geleitwort in dieser Auflage Oberb&uuml;rgermeister Heinrich Droste, Autor dieses Abschnitts Karlheinz Backhaus, Goslar.<br><br>
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