- Forschungs- und Erinnerungsarbeit zu Zwangsarbeiterschicksalen und NS-Geschichte im Harzgebiet -
Statt Dr.-Otto-Fricke-Platz Ehrung des ?Gerechten unter den Völkern? Walter Krämer, der in Goslar ermordet wurde
Presseinformation

Forschungen zur Nachkriegsgeschichte Goslars
Vortrag (Dr. Peter Schyga) und Gespräch, Donnerstag, 18. Februar 2016, 18:30 Uhr, Amsdorfhaus, Dorothea-Borchers-Str. 14, 38640 Goslar

Holocaust-Gedenktag
Lutherkirche in Bad Harzburg am 27.1.2016 um 18.00 Uhr statt

Fremde in Deutschland
Displaced Persons, Flüchtlinge und Vertrieben nach 1945 - Veranstaltung am Donnerstag, den 21. Januar 2016, 19 Uhr,
Gemeindesaal der Ev.- luth. Kirchengemeinde St. Georg, Danziger Str. 32, 38642 Goslar

Einweihung des André Mouton-Platzes in Goslar-Oker
Donnerstag, 21. Mai 2015, um 11:45 Uhr, André-Mouton-Platz

Gedenkveranstaltung am 8.5.2015 am KZ-Gedenkstein Baßgeige
17 Uhr, Gedenkstein Stapelner Straße Ecke Grauhöfer Landwehr

Gedenkveranstaltung am 9.5.2015 in Ilsede
Spurensuche Harzregion hilft bei der Wiederentdeckung der Gadenstedter Stele

70 Jahre Harzer Todesmärsche kurz vor dem Kriegsende
Gedenken im HöhlenErlebnisZentrum Bad Grund - Dienstag, 14. April 2015, 18 Uhr

10. April 1945 - Kriegsende in Goslar
Vortrag, Lesungen, Film, Gespräche - Freitag, 10. April 2015, 18 Uhr,
Goslarer Museum

Harzer Ahnenerde, Maschinen-Weule und Zwangsarbeit in Goslar
Ortsbesichtigung und Lesung am Do. 20. November 2014, 18 Uhr, Odermarkplatz (Treffpunkt)

Auschwitz und die Nachkriegszeit
Veranstaltungshinweis Mittwoch, 29. Januar 2014, 18.30,
Gemeindesaal Stephanikirche, Goslar

Holocaustgedenktag - Kranzniederlegung
Veranstaltungshinweis Montag, 27. Januar 2014, 18.00,
Trollmönch, Ecke Glockengießerstraße, Goslar

Holocaustgedenktag - Zum Gedenken an Regina Jonas
Veranstaltungshinweis Montag, 27. Januar 2014, 18.00,
Lutherkirche Bad Harzburg

Jahrestag der Harzburger Front. Veranstaltung
18. Oktober 2013, 18 h,
Haus der Kirche, Lutherstraße 7, Bad Harzburg

Veranstaltungshinweis: NS-Machtergreifung in Goslar 1933 - Mob und Elite zerstören des Menschen Recht
Vortrag am Donnerstag, den 15.08.2013 im Kino Goslarer Theater, Breite Straße, Goslar

Veranstaltung: Deutschland und Bad Harzburg 1933 - Die Zerstörung der demokratischen Republik.
Veranstaltung des Vereins Spurensuche Harzregion am 9. April 2013, 18.30 Uhr Haus der Kirche,
Luthergemeinde (Lutherstr. 7)

Haben wir alles richtig gemacht? Widerstand im KZ Buchenwald
Vorstellung der neuen Audio-CD von Bernd Langer in Goslar am 13. April 2013, 15 Uhr, Hotel „Die Tanne“, Bäringerstr. 10

Aufstieg, Machteroberung, Machtsicherung der NSDAP in Wernigerode - einige aktuelle Forschungsergebnisse
Einladung zum Vortragam Dienstag, dem 3. Juli 2012 um 19.00 Uhr in der Mahn- und Gedenkstätte am Veckenstedter Weg, Wernigerode

"Und dann fangen wir von vorne an"
Aus dem Leben des 96-jährigen deutschen jüdischen kritischen Kommunisten Prof. Theodor Bergmann. Film und Gespräch. Mi. 11. Juli 2012 18. 00 Uhr Wandelhalle Bad Harzburg

Harzburger Front: Präsentation der Ausstellung im Kreishaus Goslar
In der Zeit vom 24.04. bis zum 03.05. wird die Ausstellung im Kreishaus des Landkreises Goslar gezeigt.

Harzburger Front: Präsentation der Ausstellung in der Synagoge Celle
Auf Einladung des Stadtarchivs Celle ist die Ausstellung vom 26. Januar bis zum 1. April 2012 der Celler Synagoge zu sehen.

Harzburger Front: Ausstellung wird während der Antifawoche der IGMetall in Wolfsburg gezeigt
Ausstellungseröffnung: 06.11.11 17:00Uhr, Gewerkschaftshaus Wolfsburg

Harzburger Front: Erinnern an die Harzburger Front von 1931
Veranstaltungsreihe

Harzburger Front: Ausstellung wird in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora gezeigt
27. Sept. bis 31. Okt. 2011

Wer kennt Dr. Paul Bosse
Anfragen an die Redaktion

Austellung zur Harzburger Front in Wolfenbüttel
Veröffentlichung zweier Vorträge aus dem Begleitprogramm

Die Ausstellung in der Wandelhalle in Bad Harzburg
Interview mit Dr. Peter Schyga und Markus Weber auf TV38

Mutwillige Beschädigung der Ausstellung zur "Harzburger Front" in Bad Harzburg. Eine antisemitisch motivierte Aktion?
Pressemitteilung

Harzburger Front: Das Ende der Ausstellung in der Wandelhalle
Neue Konzeptionen in Angriff genommen

Harzburger Front: Zerstörung einer Tafel in der Ausstellung
Ein politisch motivierter Anschlag?

Ausstellung zur Harzburger Front wird in Wolfenbüttel gezeigt
12. Mai bis 4 Juli 2011,
Große Schule, Wolfenbüttel

Verein Spurensuche Harzregion e.V. tagt am 29.3.2011 um 18 Uhr in Seesen
Seesener Stadtgeschichte um ein wichtiges Kapitel ergänztg

Ausstellung zur Harzburger Front in Wernigerode
Presseberichterstattung

Das Treffen der Nationalen Front
Dokumentation aller Artikel und Meldungen der Goslarschen Zeitung

Die Ausstellung "Harzburger Front. Im Gleichschritt zur Diktatur" wird in Hannover gezeigt
7. bis 25. M&auuml;rz 2011,
Volkshochschule Hannover

Die Ausstellung "Harzburger Front. Im Gleichschritt zur Diktatur" wird in Wernigerode gezeigt
20. Januar bis 18. Februar 2011, Hochschule Harz

Eine Bilanz: Die Ausstellung zur Harzburger Front in Braunschweig
Die Doppelausstellung "Harzburger Front. Im Gleichschritt zur Diktatur" des Vereins Spurensuche Harzregion und "Rechtsextremismus Heute" der ARUG im Braunschweigischen Landesmuseum - eine kurze Bilanz.

Feierstunde zur 200. Wiederkehr der Einweihung des Jacobstempeks
Fr. 12. November 2010, 11.00 Uhr, Aula des Schulzentrums Seesen

Spuren jüdischen Lebens in Bad Harzburg
Do. 27. Oktober 2010, 19.00 Uhr, Vortrag und Gespräch in der Wandelhalle Bad Harzburg

Ausstellung der "Harzburger Front" in Braunschweig eröffnet
Dokumentation der Eröffnungsrede von Dr. Peter Schyga

Vorträge zur Ausstellung der "Harzburger Front" in Braunschweig
Termine zur Vortragsreihe und Flyer

"Erziehung von Rechts?" - Chancen und Mäglichkeiten einer zivilgesellschaftlichen Prävention
Seminar in der JH Goslar vom 01. bis zum 02.10.2010

Ausstellung "Harzburger Front" in Braunschweig
19.09.-19.12.2010, Eröffnung 19.09.2010, 11 Uhr, Braunschweigisches Landesmuseum

"Kuhle Wampe"
Film in der Wandelhalle Bad Harzburg am 13. April 2010um 18:00 Uhr

Radiomitschnitt: Erntedank und "Blut und Boden" - Bückeberg/Hameln und Goslar 1933 bis 1938
Interview mit Dr. Peter Schyga auf Radio Tonkuhle

Lesung und Debatte: Schygas Buch "Kirche in der NS-Volksgemeinschaft"
Veranstaltung am 18.02.2010, Buchhandlung Tippach

Die Ausstellung "Harzburger Front" geht auf Reisen
Im niedersächsischen Landtag vom 22.02.2010 bis 05.03.2010

Webseite zur Ausstellung "Harzburger Front - Im Gleichschritt in die Diktatur
www.harzburger-front.de

Grüne Sternwanderung auf den Brocken
Aktion am 31. Januar 2010 - Pressemitteilung

"Jugend auf der Spur von Vielfalt und Kultur"
Ein Workshop der Jugendherberge Goslar

Onlinemeldeformular für Niedersachsen
Meldestelle Rechtsextremismus

Harzburger Front - Zeitzeugen berichten
Pressemitteilung und Einladung

Harzburger Front - Veranstaltung zum Jahrestag
Freitag, 16. Oktober 2009, 15-18 Uhr, Wandelhalle/Badepark

Ausstellungseröffnung - Erntedank und "Blut und Boden"
Pressemitteilung

Ausstellung - Erntedank und "Blut und Boden"
Goslarer Museum, 04. Oktober - 01. Nov

Heilsame Unruhe - erfüllte und enttäuschte Hoffnungen
Veranstaltung am 10. Oktober 2009 um 19:00 Uhr in Wernigerode

Mahn- und Gedenkstätte Wernigerode
Neuregelung der Öffnungszeiten in der Mahn- und Gedenkstätte Wernigerode

"Im Gleichschritt zur Diktatur"
Neue Ausstellung zur Harzburger Front

Harzburger Front. Im Gleichschritt in die Diktatur
Ausstellungseröffnung

Veranstaltung: Amsdorfabend
Peter Schyga. Goslarer Kirchengemeinden gegen Blut-Boden-Rasse-Fundamentalismus

Von der Harzburger Front zur Diktatur
Gemeinsam mit der Arbeitsgruppe "Ausstellung Harzburger Front von 1931" veranstalteten wir am 15. Apr 2008 im Rathaus Bad Harzburg...

Besuch ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in Seesen 2008
Vom 27.3.-1.4.2008 sind auf Einladung unseres Vereins und der Stadt Seesen ehemalige polnische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter im Harz zu Besuch.

Video: Einmarsch US-amerikanischer Truppen in Langelsheim und in Goslar
Dieses Video zeigt den Einmarsch US-amerikanischer Truppen in Langelsheim und in Oker.

65. Jahrestag der Ermordung von Walter Krämer und Karl Peix
Veranstaltungsbericht

Harzburger Front 1931
Fanal zur Zerstörung einer demokratischen Republik

Holocaust-Gedenktag 2006
Bericht über die Veranstaltung in Clausthal-Zellerfeld

Holocaust-Gedenktag 2005
Bericht über die Veranstaltung in Mönchehof

Sprengstoff im Oberharz
Stadterkundung zur Clausthal-Zellerfelder NS-Geschichte

NS-Zeit in Vienenburg
Bitte um Unterstützung

Zur antifaschistischen Geschichte im Südharz
Ein Überblick über die NS-Zeit und antifaschistische Tätigkeiten in Bad Lauterberg

Prof. Walter Schoenichen in Goslar
Wer war Prof. Walter Schoenichen?

"Gebt uns unsere Würde wieder - Kriegsproduktion und Zwangsarbeit in Goslar 1939 - 1945"
Die KZ-Mahn- und Gedenkstätte Wernigerode zeigt derzeit unsere Sonderausstellung

Harzer Gedenktag 2005 für die Opfer des Nationalsozialismus in Seesen-Münchehof
Vorträge mit begleitender Wandtafelausstellung und Diskussionen zu Ereignissen und Plätzen nationalsozialistischen Unrechts und Zwangsarbeit in Münchehof und Umgebung.

GZ: Plagge kämpfte für seine Juden
Vortrag über einen gerechten unter den Völkern - "Ich habe getan, was mir erlaubt war"

Geschichte des KZ-Außenkommandos aufarbeiten
CvD-Gymnasium schließt Patenschaftsvertrag mit Verein Spurensuche

Spurensuche Goslar - wir über uns
"Die sich des Vergangenen nicht erinnern, sind dazu verurteilt, es noch einmal zu erleben."

Akteneinsicht für unsere Recherchen verweigert
Preussag und Borchers/H.C. Starck: Akteneinsicht für unsere Recherchen verweigert

Spurensuche Goslar in der Bundestagsdebatte
Vom Sep 1999 bis Juni 2000 haben wir im Goslarer Museum auf 10 Schautafeln unsere Ausstellung "Zwangsarbeit in Goslar 1939 - 1945" präsentiert...

Schnelle Hilfe tut not - was kann ich tun?
Viel zu lange spielten viele deutsche Unternehmen ganz offensichtlich auf Zeit.

Einweihung des Gedenksteins am Standort des ehemaligen KZ-Lagers Goslar nahe dem Fliegerhorst Goslar
Am 21. Juni 2002 mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und öffentlichem Leben...

Erinnerungsstätten im Landkreis Goslar
Unser zweites Anliegen ist die Schaffung von Erinnerungsstätten zur Zwangsarbeit und zum NS-Geschehen in Goslar...

Aktuelle Projekte - machen Sie mit!
Wir beteiligten uns an der Ausrichtung des bundesweiten Gedenktages an die Opfer des Nationalsozialismus...

Harzer Gedenktag 2005 für die Opfer des Nationalsozialismus in Seesen-Münchehof

Verein Spurensuche Goslar e.V. und Arbeitsgemeinschaft Spurensuche in der Südharzregion

Donnerstag, 27. Januar 2005

Harzer Gedenktag 2005 für die Opfer des Nationalsozialismus in Seesen-Münchehof:

Münchehof im Harz 1933 - 1945


Vorträge mit begleitender Wandtafelausstellung und Diskussionen zu Ereignissen und Plätzen nationalsozialistischen Unrechts und Zwangsarbeit in Münchehof und Umgebung. Hierzu zählen auch die Ereignisse um die durch Osterode nach Bergen-Belsen gerichteten Evakuierungstransporte und Todesmärsche.

Die Veranstaltung findet im Dorfgemeinschaftshaus Seesen-Münchehof am 27.1.2005 von 16.30 - 20 Uhr statt.

Eintritt frei!

Programm:

16.30 Uhr: Gang vom Dorfgemeinschaftshaus zum Friedhof; Kranzniederlegung an der von der Reservistenkameradschaft „Sehusa“ Seesen sanierten Grabstätte der 23 KZ- Häftlinge

17.00 Uhr: Beginn der Veranstaltung im Dorfgemeinschaftshaus

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Grußworte: Joachim Pedroß, Ortsbürgermeister von Münchehof, und Hubert Jahns, Bürgermeister der Stadt Seesen

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Einführung: Frank Jacobs, 1. Vorsitzender Spurensuche Goslar e.V.

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Referat Wolfgang Janz: Der 27.1. und das Geschehen in Münchehof

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Referat Firouz Vladi: Hasenjagd und Todesmarsch - April 1945 zwischen Osterode und Seesen

Zeitzeugenberichte von Irmgard Horn (Jg. 1930): Als im Frühjahr 1945 der Krieg seinem Ende zuging, war ich 15 Jahre alt und machte mein Pflichtjahr (so nannte man es damals) in einer Familie hier in Münchehof. Es gab immer öfter Fliegeralarm bei Tag und bei Nacht, und man verbrachte viel Zeit im Luftschutzkeller. Dort hatte man sich schon häuslich eingerichtet mit Sitzgelegenheiten, Kissen und Decken und immer einem Koffer mit den wichtigsten Papieren. Schaufel und Spitzhacke standen immer bereit für eventuelle Ausgrabungsarbeiten. Auf den Hausböden standen Sand und Wasser, um etwa Feuer durch Brandbomben zu löschen.

Nun, wir hatten ja Glück gehabt, denn in den ganzen Jahren waren wir von Bombenabwürfen verschont geblieben. Nahe dem Kalkwerk auf den Gleisanlagen waren einmal zwei Bomben gefallen und auch einmal des Nachts am Törenberg. Wenn die Großstädte wie Braunschweig, Hildesheim, Hannover oder Kassel bombardiert wurden, sah man die riesigen Feuerscheine und hörte das Detonieren der Bomben. Wir haben oft dem lieben Gott gedankt, dass wir auf dem Lande wohnten und dieses Inferno nicht mitmachen mussten.

Eines Tages, es war Ende März - Anfang April, kam eine große Kolonne mit Häftlingen in ihren gestreiften Anzügen daher gezogen, begleitet von Soldaten der Wehrmacht. Gegenüber am Ortsausgang war eine Runkelkuhle von Bauer Röbbel; dorthin lief der eine oder andere Häftling und holte sich so eine Runkel, um sie zu essen. Die Soldaten ließen sie auch gewähren. Es war eine große Anzahl von Männern, und man fragte sich, wo kommen die alle her? Man wusste zu der Zeit, dass es Arbeitslager gab und diese Leute irgendwo eingesetzt wurden. Irgendjemand sprach auch vom Lager Dora, welches da bei Nordhausen läge. Eine Nachbarin sagte hinter vorgehaltener Hand: "Jetzt hat Adolf seine Zuchthäuser aufgemacht, nun ist alles aus."

Wir hörten natürlich auch laufend Nachrichten aus unseren kleinen Volksempfängern, die uns Glauben machten, dass die Amerikaner noch weit weg von uns seien und alles auf die neue Wunderwaffe setze, die im Bau sei. Es hörten aber auch manche den englischen Sender, und daher wussten wir, dass die feindlichen Truppen schon ganz in der Nähe waren.

So etwa ab dem 7., 8. April hörten wir Geschützdonner. Da wussten wir, jetzt ist es so weit, die Amis kommen. Tagelang waren schon deutsche Truppen durchgezogen, und es hieß: Der Harz wird verteidigt. Am Abend des 9. April waren schon amerikanische Panzer auf dem Asseken gesichtet worden.

Ich war dann zu Haus bei meiner Mutter. Meine Chefin hatte gesagt: Du kommst erst wieder, wenn alles vorüber ist. Wir bekamen dann noch Einquartierung von einer Familie aus Seesen, Vater, Mutter und Kind. Der Mann hatte seine frisch operierte Frau aus dem Osteröder Krankenhaus geholt und war dann nicht mehr weiter gekommen.

Die Nacht ging vorüber zwischen Bangen und Hoffen, und der neue Tag fing mit Artilleriefeuer an. Viele Einwohner mit Pferde- oder Handwagen verließen das Dorf, um in der Nähe der Tiefen Kuhle Schutz zu suchen. Wir blieben im Keller.

Vor dem Haus waren noch deutsche Soldaten, die meine Mutter mit Kaffee versorgte, bis sie dann gegen 9. 30 abrückten. Unsere Kellerfenster hatten wir mit alten Sofakissen verstopft, um so vor Granatsplittern geschützt zu sein.

Gegen 11 Uhr war plötzlich Feueralarm, und einer unserer Hausbewohner, der Feuerwehrmann war, musste den Keller verlassen, um mit zu löschen.

Als er nach etwa einer Stunde zurückkam, berichtete er, dass das Schlachtehaus von Heinrich Knoke einen Treffer erhalten hatte und abgebrannt sei und sie nicht mehr viel machen konnten. Dass aber die Amerikaner schon bei Ahlborn in den gegenüber des Spritzenhauses gelegenen Häusern seien und die Feuerwehrleute mit einer MG-Salve empfangen hätten, dass ihnen die Kugeln um ihre Beine geflogen seien.

Es war gegen 14 Uhr, als wir sie hörten, die fremden Stimmen. Türen wurden eingetreten, dass die Krampen aus dem Rahmen sprangen. Die Kellertür wurde aufgerissen, und einige Amerikaner kamen die Treppe hinunter mit vorgehaltener Maschinenpistole und bedeuteten den vier Männern mit erhobenen Händen hinauf zu kommen. Die gingen mit schlotternden Knien.

Es wurde auch immer noch geschossen. Die Granaten flogen über uns hinweg in die Harzberge.

Wir blieben noch einige Zeit im Keller aus Sicherheit.

Als wir dann gegen 15 Uhr nach oben gingen, sahen wir die amerikanischen Panzer und die zum Teil farbigen Soldaten.

In den nächsten Tagen überschlugen sich dann die Ereignisse. Hausdurchsuchungen bei Tag und bei Nacht. Sie suchten Soldaten, Waffen und Munition, nahmen aber alles mit, was sie brauchen konnten, Fotoapparate, Schmuck und Geld; Sachen, mit denen sie nichts anfangen konnten, warfen sie einfach wieder weg.

Es gab eine Sperrstunde von abends 9 bis morgens 6 Uhr. Dann sahen wir elende Gestalten, sicher aus dem Zug am Bahnhof, denen die Frauen Suppe kochen mussten aus Trockengemüse. Einer von denen aß eine ganze Dose Schweinefleisch, die er wohl von den Bauern geholt hatte; er konnte nicht aufhören, weil er so ausgehungert war. Die Frauen im Haus warnten ihn, dass er das in seinem Zustand gar nicht vertragen würde. Tage später fand man ihn tot. Auf dem Bahnhof stand ein Zug mit Häftlingen, die dann dort von den Amerikanern befreit wurden. In diesem Zug waren aber auch andere Sachen wie Schmalz, Fallschirmseide, Leder, Leinen, Zahnarztzubehör und verschiedene andere Dinge. Die Bewohner versorgten sich. Meistens erfuhr man erst viel später davon, wenn alles alle war. Auch das RAD-Lager wurde leer gemacht. Betten, Tische und Büromöbel wechselten den Besitzer. Die Besatzungsmacht erließ einen Aufruf, dass alles wieder zurückgebracht werden solle. Aber wer machte das schon. Etliche Tage später wurden dann alle Männer des sogenannten Volkssturms aufgerufen, mit Schaufeln zum Friedhof zu kommen, um Tote zu beerdigen. Jeder fragte sich, was für Tote?

Es stellte sich dann heraus, dass in jenem besagten Zug, der auf dem Bahngelände stand und aus dem die Amerikaner die Häftlinge befreit hatten, es auch viele nicht überlebt hatten und schon vorher verstorben waren.

Insgesamt waren es 23 Leichen, die begraben werden mussten, dazu kam ein deutscher Soldat, der bei den Kämpfen gefallen war. Die Männer haben dann auf dem Friedhof ein Massengrab ausheben müssen, in das sie dann die Toten in mehreren Reihen hinein legten. Otto Ruhe war damals Totengräber und sagte später, dass sie auf Geheiß der Amerikaner die Toten mit Kalk bestreuen mussten, ehe sie sie dann zuschaufelten. An der Stelle, wo der Soldat lag, machten sie ein Zeichen, und man kann heute noch das einzeln eingefasste Grab sehen, in welchem der Soldat ruht.

Eines Tages gab es eine fürchterliche Explosion. Auf dem Bahnhof war ein Munitionswaggon in die Luft geflogen und riss zwei Amerikaner mit in den Tod, die sicher geraucht hatten. Die umstehenden Gebäude waren fürchterlich zugerichtet und konnten zum Teil nicht bewohnt werden.

Schwierigkeiten hatten die Besatzer wohl mit den Uniformen der Deutschen, von denen es ja auch verschiedene gab.

Mein Onkel Richard und Herr Zenge, die beide Eisenbahner waren, wurden im Laufschritt in Begleitung von Amerikanern nach Kirchberg getrieben und mussten bei Meiers an der Scheunentür mit erhobenen Händen stehen und der Dinge ausharren, die da auf sie zukamen. Sie rechneten schon mit dem Schlimmsten. Irgendwann konnten sie dann aber wieder nach Hause gehen, als sich alles aufgeklärt hatte. Man hat sie sogar nach dem Wehrwolf (!) gefragt.

Als dann die Waffen schwiegen und etwas Ruhe einkehrte, war es für uns ungewohnt, keine Sirenen mehr zu hören; es gab keinen Fliegeralarm mehr und auch keine Verdunkelung vor den Fenstern. So oft hatte man von draußen gehört: "Licht aus!", wenn es durch eine winzig kleine Ritze nach draußen schien. Die Zeit war endlich vorbei, und man konnte frei durchatmen. Es blieb uns dann noch die Sorge um unsere Väter, Brüder und Angehörige, die irgendwo in den Kriegswirren steckten und von denen keine Nachricht vorlag.

Anmerkung:
In den 80er Jahren, ich hatte noch mein kleines Lebensmittelgeschäft, kam ein Kunde mit Begleiterin in meinen Laden. Er fuhr ein Auto mit holländischem Kennzeichen und fragte so nebenbei, ob ich denn hier schon länger wohne. Ich erwiderte, dass ich hier geboren sei. Es stellte sich dann heraus, dass er als Besatzungssoldat hier eine ganze Zeit gewesen sei und gegenüber im ehemaligen "Beamtenhaus" logiert war. Dort mussten damals die Bewohner raus und die Besatzer zogen ein. Er wolle jetzt die verschiedenen Orte aufsuchen, wo er als Besatzungssoldat gewesen sei. Gelobt hat er unser Münchehof, dass es so ein schönes, sauberes Dorf geworden sei. Damals wären soviel Misthaufen im Ort gewesen, die man heute nicht mehr sähe. Wir mussten sehr lachen und kamen zu der Feststellung: erstens, dass im Krieg nirgendwo Ordnung ist und dass sich durch die Modernisierung vieles verbessert habe. Wir kamen zu dem Resultat: Nazis und Misthaufen sind beide verschwunden.

| gedenktag || seesen || münchehof || ausstellung || || 3513 Mal gelesen, zuletzt am 22.03.2017 um 23:39:55 |