- Forschungs- und Erinnerungsarbeit zu Zwangsarbeiterschicksalen und NS-Geschichte im Harzgebiet -
Dokumentation: Veranstaltung - Displaced Persons, Flüchtlinge und Vertrieben nach 1945
Vortrag und Präsentation der Veranstaltung vom 21. Januar 2016 in Jürgenohl

Publikationen zur Zeitgeschichte - insbesondere NS-Zeit und ihren Nachwirkungen
Forschungskonzept

Historisches Forschungsprojekt:
Goslar in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg (1945-1953)

Forschungskonzept

Historisches Forschungsprojekt:
Goslar in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg (1945-1953)

Konzept

Auschwitz und die Nachkriegszeit: Das Beschweigen und die Integration des IG-Farben Funktionärs aus Monowitz H. Schneider in die Stadtgesellschaft Goslars
Vortrag

UNSER HARZ: Gedenkstätte "Russenfriedhof" am Massengrab der Sprengstoff-Fabrik Tanne in Clausthal-Zellerfeld
Pressemitteilung zur Ausgabe Januar 2014

Dr. Peter Schyga. NS-Macht und evangelische Kirche in Bad Harzburg
Neuerscheinung.

Peter Lehmann: geachtet - geleugnet - geehrt. Oberst Gustav Petri, Retter von Wernigerode
Neuerscheinung. Pressemitteilung.

Frank Baranowski. Rüstungsproduktion in der Mitte Deutschlands 1929 - 1945
Neuerscheinung. Rezension

Nachreichung: Goslar und die Harzburger Front - die Radikalisierung des Bürgertums.
Vortrag im Rahmen der Ausstellungspräsentation am 26.4.2012 im Kreishaus Goslar

Nachreichung: Im Gleichschritt zur Diktatur? Der "Stahlhelm. Bund der Frontsoldaten" in der Harzburger Front1
Vortrag

Nachreichung: Zur Einführung in die Ausstellungspräsentation am 24.4.2012 im Kreishaus Goslar
Rede

NS-Geschichte der Goslarer Fa. H.C. Starck aufgearbeitet - Bd. 5 "Spuren Harzer Zeitgeschichte"
Presseinformation

Austellung zur Harzburger Front in Wolfenbüttel
Vortragsmanuskript: Die Formierung des "Rechtsextremismus der Mitte"

Austellung zur Harzburger Front in Wolfenbüttel
Vortragsmanuskript: Frieden undenkbar?

Politisches Frühjahr 1933: Terror und Gewalt - Begeisterung und Jubel
Vortrag von Dr. Peter Schyga

Nachreichung: Rede von Peter Schyga während der Ausstellungseröffnung zur Harzburger Front in Wernigerode
Redeprotokoll

Auf den Spuren der NS-Kriegswirtschaft im Harz
Artikel zum Thema in "Der Zeppelin" erschienen

"Festung Harz - Die extreme Rechte im Landkreis Goslar und der niedersächsischen Harzregion"
Vortragsveranstaltung am Freitag, den 27. August um 19:00 Uhr, in der Jugendherberge Goslar, Rammelsberger Straߟe 25, Raum Rammelsberg

"Geschichte und Geschichten aus Hahndorf am Harz, Band 1"
Neue Chronik von Hahndorf erschienen

Erntedank und "Blut und Boden" - Bückeberg/Hameln und Goslar 1933 bis 1938
Dokumentation des Symposiums

Der Reichsnährstand in der Reichsbauernstadt - Eine symbiotische Beziehung?
Redebeitrag von Dr. Peter Schyga auf dem Symposium "Erntedank und Blut und Boden"

Wie die Nazis die Bauern betrogen
Redebeitrag von Helmut Liersch auf dem Symposium "Erntedank und Blut und Boden"

Das Erntedankfest als Einfallstor für die religiöse üœberhöhung des "Führers"
Redebeitrag von Helmut Liersch auf dem Symposium "Erntedank und Blut und Boden"

Erntedank und "Blut und Boden" - Bückeberg/Hameln und Goslar 1933 bis 1938
Ausstellungskatalog - Neuerscheinung

Vorstellung der neuen Broschüre "NS-Zwangsarbeit in Seesen am Harz - ein fehlendes Kapitel Stadtgeschichte"
08.12.2009, 12:00Uhr, Bürgerhaus Seesen

Pressemitteilung
Dokumentation zur Harzburger Front aufgrund der großen Nachfrage in Neuauflage erschienen

Neuerscheinung: "Du sollst keinen Gott haben neben mir"
Neuerscheinung - Buchveröffentlichung am 09. Oktober 2009 in der Marktkirche

Katalog zur Ausstellung "Harzburger Front - Im Gleichschritt in die Diktatur"
Neuerscheinung - Ausstellungskatalog

Ein mahnendes Zeitdokument in Bildern
Neuerscheinung - NS-Zeit in Herzberg

Ausstellung Harzburger Front
Ausstellungsflyer zum Download

Beitrag in - Der Harly - Von Wöltingerode zum Muschelkalkkamm
Artikel über den Harly in der NS-ZEit

Neue Broschüre: Arbeiten für Groß-Deutschland - Zwangsarbeit in Bad Lauterberg
Pressemitteilung

Von der Ausgrenzung zur Vernichtung - Leben und Leiden Goslarer Juden 1933 - 1945
Ausstellung in der Marktkirche Goslar vom 09. - 26. Nov

Neuerscheinung - Zwangsarbeit bei Gebr. Borchers/H.C. Starck - "Briefe meines Vaters 1943 - 1945"
Im Februar 1943 wurde Max Dalkowski bei einer Straßenrazzia in Warschau festgenommen...

Spuren Harzer Zeitgeschichte Heft 2
Spurensuche Goslar e.V. (Hrsg.): Harzburger Front von 1931 - Fanal zur Zerstörung einer demokratischen Republik.

Spuren Harzer Zeitgeschichte Heft 1
Spurensuche Goslar e.V. (Hrsg.): Die Reichspogromnacht am 09./10. Nov 1938 in Goslar.

Holocaust-Gedenktag 2007
Dokumentation der Veranstaltung in Langelsheim

Die NS-Rüstungsaltlast "Werk Tanne"
Sprengstoffproduktion im Harz

Rundgang durch die "Reichsbauernstadt"
Stätten der NS-Herrschaft in Goslar

NS-Zwangsarbeitslager im Westharzgebiet - ein verdrängtes Stück Industrie- und Heimatgeschichte- Teil 2
Kriegswirtschaft und Zwangsarbeit in Deutschland und im Harz

NS-Zwangsarbeitslager im Westharzgebiet - ein verdrängtes Stück Industrie- und Heimatgeschichte- Teil 1
Kriegswirtschaft und Zwangsarbeit in Deutschland und im Harz

Buchbesprechung - Dr. Peter Schyga: Goslar 1918 - 1945
Von der nationalen Stadt zur Reichsbauernstadt des Nationalsozialismus - Beiträge zur Geschichte der Stadt Goslar

Arbeiten für Großdeutschland - Anhang - Quellen und Literaturverzeichnis
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Anhang - Teil 6
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Anhang - Teil 5
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Anhang - Teil 4
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Anhang - Teil 3
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Anhang - Teil 2
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Anhang - Teil 1
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Teil 11
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Teil 10
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Teil 9
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Teil 8
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Teil 7
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Teil 6
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Teil 5
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Teil 4
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Teil 3
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Teil 2
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Teil 1
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Von Dora bis zum Bahnhof Oker - Teil 3
Eine Spurensuche auf der Route der Todesmärsche der Südharzer KZ-Häftlinge vom Apr 1945 im Westharz

Von Dora bis zum Bahnhof Oker - Teil 2
Eine Spurensuche auf der Route der Todesmärsche der Südharzer KZ-Häftlinge vom Apr 1945 im Westharz

Von Dora bis zum Bahnhof Oker - Teil 1
Eine Spurensuche auf der Route der Todesmärsche der Südharzer KZ-Häftlinge vom Apr 1945 im Westharz

1944/45: Der Bau der Helmetalbahn
Sklavenarbeit mitten in unserer Heimat

Die verdrängte Vergangenheit
Rüstungsproduktion und Zwangsarbeit in Nordthüringen, 65 Abb., 15-seitiger Dokumentenabdruck

Erinnerungsstätten an Unmenschlichkeiten des Nationalsozialismus im Landkreis Goslar
Verein Spurensuche Goslar e.V., Wolfgang Janz, Erinnerungsstätten an Unmenschlichkeiten des Nationalsozialismus im Landkreis Goslar, Goslar 2003

Spurensuche Goslar in der Bundestagsdebatte
Deutscher Bundestag, 114. Sitzung, Berlin, Donnerstag, den 6. Juli 2000

"Gebt uns unsere Würde wieder" - Die Briefe
Kriegsproduktion und Zwangsarbeit in Goslar 1939 - 1945

"Gebt uns unsere Würde wieder"
Kriegsproduktion und Zwangsarbeit in Goslar 1939 - 1945

Von "Dora" bis zum Bahnhof Oker
Das Wegzeichenprojekt Westharz und der Marsch des Lebens

Historisches Forschungsprojekt:
Goslar in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg (1945-1953)

KLIOpes zeithistorische Forschung und Publikation

Dr. phil. Peter Schyga

Geschichte soll nicht das
Gedächtnis beschweren, sondern
den Verstand erhellen.
G. E. Lessing

Hannover im August 2014

Historisches Forschungsprojekt:
Goslar in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg (1945-1953)


Prolog:
Goslarer Nachkriegsgeschichte oder Gesamtgeschichte – kein Gegensatz Geschichtsschreibung nach dem Baukastenprinzip


In der Stadt Goslar wird die Debatte um die wissenschaftliche Bearbeitung der örtlichen Nachkriegsgeschichte seit dem Frühjahr auf einer neuen Ebene geführt. Die Frage ist nicht mehr, ob solch ein Projekt in Angriff genommen werden soll, sondern wie, von wem und in welchem Kontext?
Dabei scheint die Alternative darin zu bestehen, Goslarer Nachkriegsgeschichte im Rahmen einer großen Stadtgeschichtsschreibung seit dem 10. Jahrhundert zu behandeln oder sie als eigenständiges Projekt von Fortschreibung der Stadtgeschichte im 20. Jahrhundert zu begreifen.

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Diese Alternative muss sich so nicht stellen. Sie kann produktiv aufgelöst werden. Goslarer Nachkriegsgeschichte kann durchaus in ein hoch ambitioniertes Projekt „Gesamtgeschichte“ integriert werden, ohne dass ihr Charakter als zeitgeschichtliches Thema mit der entsprechenden wissenschaftlichen Tiefe verloren geht. Das „Zeitalter der Extreme“ in stadtgeschichtlicher Perspektive, deren erster Teil (1918-1945) schon vorliegt, würde sowohl einen eigenständigen als auch integrierten Bestandteil einer Gesamtdarstellung bilden, ein Baustein auf dem mühsamen Weg der wissenschaftlichen Erarbeitung des bislang unvollkommenen, und lückenhaften historischen Wissens um die Stadt sein.

Dr. Peter Schyga, Badenstedter Str. 24, 30449 Hannover
Tel.: 0511-21 52 14 7; E-Mail: Peter.Schyga@gmx.de; www.kliopes.de
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In diesem Sinne sprechen wissenschaftspraktische Gründe dafür, das hochkomplexe Thema Goslarer Geschichte seit 922 nach einem Baukastenprinzip zu organisieren, in dem wissenschaftliche Kompetenzen und Ressourcen rationell genutzt und optimiert werden können.

Konkret hieße das: Die Erforschung definierter Zeiträume und Themen zur historischen Entwicklung der Stadt wird jeweils solchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern als Einzelpersonen oder Teams anvertraut, deren Kernkompetenz in den entsprechenden Zeit-und Themenkomplex nachgewiesen ist. Unter dem Primat wissenschaftlicher Redlichkeit und finanzieller Verantwortung werden Historikerinnen und Historiker engagiert, die sich in ihren spezifischen Fachgebieten auskennen, mit der Fachliteratur vertraut sind und ihre Archive und Quellen genau kennen. Sie können somit zielgerichtet, planvoll und ohne organisatorische und inhaltliche Reibungsverluste arbeiten.
So könnten im Laufe der Jahre gut lesbare Monografien mittleren Umfangs entstehen, die in ihrer Gesamtheit die Geschichte der Stadt abbilden. Wie solch ein Projekt organisiert wird, ist dann eine andere Frage, die zu erörtern ist.

Bedeutung von Zeitzeugen:

Allerdings geben forschungspraktischen Überlegungen durchaus eine zeitliche Prioritätensetzung vor, die der Bearbeitung der Geschichte nach der nationalsozialistischen Diktatur Vorrang geben sollten.
Denn es gilt die Möglichkeit von Zeitzeugenschaften nicht verstreichen zu lassen. Dies ist auch deshalb von grundlegender Bedeutung, weil uns eine für die Bearbeitung neuer Geschichte und Zeitgeschichte bedeutende Quelle fehlt: die örtliche Tageszeitung, die Goslarsche Zeitung. Tageszeitungen sind deshalb eine besondere Quellenart, weil in ihr Stimmungen in der Stadt, öffentliche Meinungen und gesellschaftliche Ereignisse dokumentiert sind, die in anderen Quellenbeständen fehlen. Die GZ erhielt erst im Dezember 1949 eine neue Lizenz. Der für Goslar zuständige Regionalteil der Braunschweiger Zeitung konnte diese Lücke nicht füllen. Es fehlen also fast vier Jahre Stadtereignisdokumentation.
Deshalb ist Geschichtsschreibung für diesen Zeitraum in besonderem Maße auf die Erinnerung von Zeitgenossen angewiesen, Zeitgenossen, die mehr oder minder aktiv und bewusst diese Zeit des Übergangs von einer totalitären Diktatur in eine demokratische Gesellschaft mitgestaltet haben. Diese Personen sind mittlerweile hoch betagt. Deshalb müssen deren Erfahrungen und Erinnerungen jetzt - und nicht erst in ferner Zukunft - als wesentlicher Bestandteil dieses Forschungsabschnitts genutzt werden.

Darstellung des Forschungsprojekts Nachkriegsgeschichte:

Meine Projektskizze vom Frühjahr 2014 "Goslar in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg (1945-1953)" würde auch in diesem skizzierten Gesamtrahmen seinen Platz finden. Ich halte mein Angebot entsprechend aufrecht und veröffentliche es erneut mit einigen kleinen Änderungen.
In diesem Zusammenhang möchte ich den Titel als Arbeitstitel verstanden wissen, der sowohl für eine inhaltliche Schwerpunktverlagerung als auch für eine zeitliche Dehnung offen ist. Denn zum einen bedeutete das Ende des Zweiten Weltkriegs zugleich das Ende der NS-Diktatur und den Übergang in einen zuerst verordneten, dann akzeptierten demokratischen Verfassungsstaat. Zum anderen – das wird untern etwas näher ausgeführt – ist die Datierung unter dem Aspekt die Auflösungserscheinungen der städtischen NS-Volksgemeinschaft, die schon vor 1945 zu beobachten sind, nicht als gesetztes Dogma zu verstehen.

Vorbemerkung:
Es gibt kaum qualifizierte gesellschaftsgeschichtliche Lokal-bzw. Regionalforschung über die Zeit nach 1945 in Deutschland. Allgemeine Darstellungen, Untersuchungen zur Wirtschafts-und Politikgeschichte, Forschungen zu spezifischen Fragen im Rahmen der Debatten über die Nachkriegszeit und die NS-Vergangenheitsbearbeitung liegen dagegen zahlreich vor. Die diversen Gründe für diesen Tatbestand sollen hier nicht erörtert werden.
Nur eine Überlegung sei genannt:
Ein Grund ist gewiss die enorme Vielschichtigkeit des Untersuchungsgegenstandes Stadtgesellschaft nach 1945. Die ergibt sich unter anderem daraus, dass die Periode des Aufbruchs in die Freiheit zugleich eine Zeit der Bearbeitung bzw. Nichtbearbeitung einer damals schwer begreifbaren – für das Individuum und die Kollektive - Vergangenheit ist:
Eine Zeit des Neubeginns, mancher Brüche und - retrospektiv verblüffender, zeitgenössisch als selbstverständlich wahrgenommener - Kontinuitäten.
Das totalitäre Regime hatte ja nicht nur die absolute politische Kontrolle inne, nicht nur ein terroristisches Gewaltmonopol exekutiert, es war in alle Poren des Öffentlichen und Privaten eingedrungen – und die Menschen hatten mit all dem gelebt. Nicht unbedeutende Teile hatten profitiert, viele Volksgenossen und Volksgenossinnen hatten an das Regime und seine Herrschaftsverheißungen geglaubt, hatten, ob gebildet oder nicht, die obskursten Geschichts-und Lebensdeutungen nachgeplappert oder sogar dran geglaubt, hatten antisemitischen und anderen Rassismus aufgesogen und praktiziert.
Da gleichzeitig die christlich-abendländische Kultur sowenig wie Werte und Moral der Aufklärung in den zwölf Jahren NS-Herrschaft einfach zu tilgen waren, wussten viele Menschen – manche sehr bewusst, andere eher untergründig - vor diesem menschheitsgeschichtlichen Hintergrund im Angesicht des gefühlten "Untergangs" (J. Fest) um die Widersprüchlichkeiten ihrer Existenz. Diese Zerrissenheiten drückten sich im Denken und Handeln der Deutschen in der Nachkriegszeit aus.
Bei der Betrachtung und Analyse des politischen und sozialen Handelns der Nachkriegsgesellschaft im kleinen städtischen Raum, wo Nähe zum anderen und damit Wissen um sein Schicksal ein bedeutsames Kennzeichen ist, gilt es diese Widersprüchlichkeiten im Auge zu behalten. Sie bilden quasi die Folie, unter der sich empirische Forschung zu Aussagen entwickelt.

I. Inhaltliche Dimension des Projekts
Vor diesem Hintergrund seien hier zentrale Fragestellungen angerissen. Sie bilden die Eckpfeiler für konkrete Forschungen vor Ort. Sie sind so gewählt, dass ihre Behandlung zu bewältigen ist und zugleich einen erzählenden Blick auf diese Zeit erlaubt, der analytische Qualität hat und damit Erkenntnisgewinn bietet.
Quasi auf einer Metaebene steht über allem die Frage:
Wie transformiert sich die örtliche NS-Volksgemeinschaft eines totalitären Regimes in eine Gesellschaft der Freiheit, Demokratie und sozialen Gerechtigkeit, wie sie das Grundgesetz dann 1949 formuliert?
Und anders und konkreter formuliert: wie geht eine Stadtbürgerschaft ab dem Frühjahr 1945 mit Schuld und Verantwortung, mit Tätern und Opfern, mit zugefügtem und erlittenem Leid, mit Charakterlosigkeit und Rückgrat, mit Scham und ignoranter Überheblichkeit, alles Dinge, die sich in konkreten lebendigen Mit-Menschen manifestieren, um?
Diese Ebenen im Blick behaltend sind folgende Elemente für eine spezifische Untersuchung grundlegend:
Dies ist deshalb von Belang, weil sich schon spätestens seit Herbst 1944 massive Veränderungen innerhalb der städtischen Kriegsgemeinschaft ergeben, die einen Gutteil der Probleme – aber auch Lösungsmöglichkeiten - der Zeit nach dem 10. April 1945 ausmachten. Stichworte: Versorgungsschwierigkeiten auf allen Ebenen, Evakuierte/Flüchtlinge und - Angst! Die städtische Staatsmacht wird noch repressiver und tönender, doch ihre Macht wankt. Die Gemeinschaft zeigt Auflösungserscheinungen, organisiert sich aber individuell und in Gruppen informell um. Der allgemeine Wahrnehmungshorizont dieser Ereignisse – formuliert in den Begriffen Befreiung oder Niederlage, die gar nicht so antagonistisch sind wie gemeinhin angenommen -, stellt sich im Lokalen als erheblich komplexer heraus. Diese Komplexität stellt sich für die Bewohner jedoch in zwei ganz elementaren Problemen einfacher dar, nämlich mit dem Problem: Ersteres wurde schon geübt, Zweites übernehmen erst einmal die Briten, ab Juni die Amerikaner in Kontakt und mithilfe einheimischer, ihnen vertrauenswürdig erscheinender Personen. Die Stadt hat eine neue politische Führung, deren zentrale Aufgaben bestehen in:
In diesen objektiven Handlungszusammenhängen sind Kernpunkte politisch-sozialer Strategien und Ideologien der Nachkriegszeit zu befragen: Zusammengefasst: In einer Untersuchung dieser Zeit geht es einmal darum, die qualitative und quantitative Dimension der objektiven Aufgabengebiete und politischen Stimmungen herauszuarbeiten und darzustellen. In diesem Zusammenhang gilt zu erörtern, wie und von wem diese Aufgaben geleistet wurden. Dabei geht es um Institutionen und Personen. Der Untersuchungszeitraum sollte sich bis zum Beginn der 50er Jahre (zweite Bundestagswahl 1953) erstrecken, als sich das alltägliche Leben einigermaßen zu normalisieren begann und eine demokratische Ordnung weitgehend institutionalisiert war.
Eingebettet wird diese lokale Untersuchung in einen kurzen Abriss der Geschichte der deutschen und ab 1949 bundesdeutschen Nachkriegsgesellschaft.

II. Wie kann solch Programm bewältigt werden?
In meinem Wissen um die Quellenlage, die mir aus früheren Forschungen weitgehend geläufig ist, und Literatur - die erwähne ich hier nicht extra - konkretisiert sich solch Forschungsprogramm in die Bearbeitung folgender Quellen:
a) Die späte Kriegszeit ist von mir erforscht – teilweise auch veröffentlicht. Ich kann darauf zurückgreifen.
b) Für die Nachkriegszeit, zu der ich kleinere Einzeluntersuchungen angestellt habe, stehen als Quellen, deren Bearbeitungsdimension ich aufgrund meiner Kenntnisse gut einschätzen kann, prinzipiell zur Verfügung:
  1. die Protokolle der Verhandlungen des Magistrats (ab Juni 1945), der Magistratsausschüsse, diverser Ämter, später die Rats-und Ausschussprotokolle. Enthalten sind in diesem Konvolut auch Berichte zur sozialen Lage (Ernährung, Wohnung, Infrastruktur etc.) deutscher und alliierter Stellen,
  2. eine Reihe unmittelbar 1945 oder später verfasster „Erlebnisberichte“ von Goslarer Zeitgenossen,
  3. Berichte zur wirtschaftlichen, politischen und sozialen Lage des Verw. Bez. Braunschweig. Desgleichen dann später von der Landesebene,
  4. dergleichen von Wirtschafts-und anderen Interessenverbänden z. B. Gewerkschaften,
  5. Protokolle und Berichte zu den örtlichen Entnazifizierungsverfahren und Prozessunterlagen.
  6. verstreute Druckerzeugnisse einiger Verbände, Vereine, Parteien (Flugschriften, Plakate, Sitzungsberichte etc.),
  7. Meldungen über Stadt und Landkreis Goslar in der Braunschweiger Zeitung. Ab d. 1. Nov. 1949 auch wieder der GZ,
  8. Protokolle, Notizen, Berichte, Persilscheinausstellungen der örtlichen Kirchengemeinden und der Landeskirche,
  9. Zeitzeugenbefragungen.
III. Bearbeitung:
Das vorliegende Forschungskonzept ist auf ein wissenschaftlich befriedigendes Ergebnis ausgerichtet, das ich in einem Zeitrahmen von zwei Jahren erbringen kann. Meine Honorarvorstellung bewegt sich im Bereich von etwa 30.000 Euro (brutto) für den genannten Zeitraum Entsprechend der im Prolog angestellten Überlegungen ist die Arbeitsweise und Forschungsorganisation flexibel handhabbar.

IV. Persönliche Voraussetzungen:
In der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts kenne ich mich gut aus. In diesem Rahmen liegt der Schwerpunkt meiner bisherigen Forschungen auf der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Kenntnisse zu Goslar in dieser Zeit sind profund und durch diverse Veröffentlichungen belegt (s. Publikationsverzeichnis zur Zeitgeschichte im Anhang).
Das bedeutet: die gesellschaftlichen Verhältnisse sind mir ebenso bekannt, wie mir wesentliche Persönlichkeiten und Institutionen ein Begriff sind. Dies gilt auch für die Gegenwart; ich bin seit 1996 in der Stadt mit ihren Menschen gegenwärtig.

Im Umgang mit Zeitzeugen bin ich durch Dutzende Gespräche und ihrer Bearbeitung nicht nur geübt, weiß also Erinnerungsgeschichten in Geschichtsforschung zu transformieren, sondern habe darüber hinaus etliche Kontakte zu Menschen gefunden, die als Zeugen der Zeit von erheblicher Bedeutung für die Forschung sind.

Es ist in der Stadt und darüber hinaus bekannt, dass ich großen Wert auf eine Öffentlichkeit von Forschung lege, immer bestrebt bin, die Bürgerinnen und Bürger Stadtgesellschaft an dem Prozess der Erarbeitung von Geschichte teilhaben zu lassen. Das schafft eine Atmosphäre der Offenheit gegenüber einer unbequemen Geschichte, bildet Vertrauen und fördert somit den Erekenntnisgewinn, der sich in der zu schreibenden Studie niederschlagen wird.

Geschichtsschreibung wird auf diese Art zu einem Projekt von Bürgerinnen und Bürgern, ohne dass die Verantwortung der Wissenschaft gegenüber ihrem Gegenstand delegiert wird.

Die für dies Projekt grundlegenden Archivbestände in Goslar, Wolfenbüttel und Hannover kenne ich ausgezeichnet.



(Dr. Peter Schyga)

Anlage: Meine Publikationen zur Zeitgeschichte – insbesondere NS-Zeit und ihren Nachwirkungen als PDF-Datei.

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