- Forschungs- und Erinnerungsarbeit zu Zwangsarbeiterschicksalen und NS-Geschichte im Harzgebiet -
Dokumentation: Veranstaltung - Displaced Persons, Flüchtlinge und Vertrieben nach 1945
Vortrag und Präsentation der Veranstaltung vom 21. Januar 2016 in Jürgenohl

Publikationen zur Zeitgeschichte - insbesondere NS-Zeit und ihren Nachwirkungen
Forschungskonzept

Historisches Forschungsprojekt:
Goslar in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg (1945-1953)

Forschungskonzept

Historisches Forschungsprojekt:
Goslar in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg (1945-1953)

Konzept

Auschwitz und die Nachkriegszeit: Das Beschweigen und die Integration des IG-Farben Funktionärs aus Monowitz H. Schneider in die Stadtgesellschaft Goslars
Vortrag

UNSER HARZ: Gedenkstätte "Russenfriedhof" am Massengrab der Sprengstoff-Fabrik Tanne in Clausthal-Zellerfeld
Pressemitteilung zur Ausgabe Januar 2014

Dr. Peter Schyga. NS-Macht und evangelische Kirche in Bad Harzburg
Neuerscheinung.

Peter Lehmann: geachtet - geleugnet - geehrt. Oberst Gustav Petri, Retter von Wernigerode
Neuerscheinung. Pressemitteilung.

Frank Baranowski. Rüstungsproduktion in der Mitte Deutschlands 1929 - 1945
Neuerscheinung. Rezension

Nachreichung: Goslar und die Harzburger Front - die Radikalisierung des Bürgertums.
Vortrag im Rahmen der Ausstellungspräsentation am 26.4.2012 im Kreishaus Goslar

Nachreichung: Im Gleichschritt zur Diktatur? Der "Stahlhelm. Bund der Frontsoldaten" in der Harzburger Front1
Vortrag

Nachreichung: Zur Einführung in die Ausstellungspräsentation am 24.4.2012 im Kreishaus Goslar
Rede

NS-Geschichte der Goslarer Fa. H.C. Starck aufgearbeitet - Bd. 5 "Spuren Harzer Zeitgeschichte"
Presseinformation

Austellung zur Harzburger Front in Wolfenbüttel
Vortragsmanuskript: Die Formierung des "Rechtsextremismus der Mitte"

Austellung zur Harzburger Front in Wolfenbüttel
Vortragsmanuskript: Frieden undenkbar?

Politisches Frühjahr 1933: Terror und Gewalt - Begeisterung und Jubel
Vortrag von Dr. Peter Schyga

Nachreichung: Rede von Peter Schyga während der Ausstellungseröffnung zur Harzburger Front in Wernigerode
Redeprotokoll

Auf den Spuren der NS-Kriegswirtschaft im Harz
Artikel zum Thema in "Der Zeppelin" erschienen

"Festung Harz - Die extreme Rechte im Landkreis Goslar und der niedersächsischen Harzregion"
Vortragsveranstaltung am Freitag, den 27. August um 19:00 Uhr, in der Jugendherberge Goslar, Rammelsberger Straߟe 25, Raum Rammelsberg

"Geschichte und Geschichten aus Hahndorf am Harz, Band 1"
Neue Chronik von Hahndorf erschienen

Erntedank und "Blut und Boden" - Bückeberg/Hameln und Goslar 1933 bis 1938
Dokumentation des Symposiums

Der Reichsnährstand in der Reichsbauernstadt - Eine symbiotische Beziehung?
Redebeitrag von Dr. Peter Schyga auf dem Symposium "Erntedank und Blut und Boden"

Wie die Nazis die Bauern betrogen
Redebeitrag von Helmut Liersch auf dem Symposium "Erntedank und Blut und Boden"

Das Erntedankfest als Einfallstor für die religiöse üœberhöhung des "Führers"
Redebeitrag von Helmut Liersch auf dem Symposium "Erntedank und Blut und Boden"

Erntedank und "Blut und Boden" - Bückeberg/Hameln und Goslar 1933 bis 1938
Ausstellungskatalog - Neuerscheinung

Vorstellung der neuen Broschüre "NS-Zwangsarbeit in Seesen am Harz - ein fehlendes Kapitel Stadtgeschichte"
08.12.2009, 12:00Uhr, Bürgerhaus Seesen

Pressemitteilung
Dokumentation zur Harzburger Front aufgrund der großen Nachfrage in Neuauflage erschienen

Neuerscheinung: "Du sollst keinen Gott haben neben mir"
Neuerscheinung - Buchveröffentlichung am 09. Oktober 2009 in der Marktkirche

Katalog zur Ausstellung "Harzburger Front - Im Gleichschritt in die Diktatur"
Neuerscheinung - Ausstellungskatalog

Ein mahnendes Zeitdokument in Bildern
Neuerscheinung - NS-Zeit in Herzberg

Ausstellung Harzburger Front
Ausstellungsflyer zum Download

Beitrag in - Der Harly - Von Wöltingerode zum Muschelkalkkamm
Artikel über den Harly in der NS-ZEit

Neue Broschüre: Arbeiten für Groß-Deutschland - Zwangsarbeit in Bad Lauterberg
Pressemitteilung

Von der Ausgrenzung zur Vernichtung - Leben und Leiden Goslarer Juden 1933 - 1945
Ausstellung in der Marktkirche Goslar vom 09. - 26. Nov

Neuerscheinung - Zwangsarbeit bei Gebr. Borchers/H.C. Starck - "Briefe meines Vaters 1943 - 1945"
Im Februar 1943 wurde Max Dalkowski bei einer Straßenrazzia in Warschau festgenommen...

Spuren Harzer Zeitgeschichte Heft 2
Spurensuche Goslar e.V. (Hrsg.): Harzburger Front von 1931 - Fanal zur Zerstörung einer demokratischen Republik.

Spuren Harzer Zeitgeschichte Heft 1
Spurensuche Goslar e.V. (Hrsg.): Die Reichspogromnacht am 09./10. Nov 1938 in Goslar.

Holocaust-Gedenktag 2007
Dokumentation der Veranstaltung in Langelsheim

Die NS-Rüstungsaltlast "Werk Tanne"
Sprengstoffproduktion im Harz

Rundgang durch die "Reichsbauernstadt"
Stätten der NS-Herrschaft in Goslar

NS-Zwangsarbeitslager im Westharzgebiet - ein verdrängtes Stück Industrie- und Heimatgeschichte- Teil 2
Kriegswirtschaft und Zwangsarbeit in Deutschland und im Harz

NS-Zwangsarbeitslager im Westharzgebiet - ein verdrängtes Stück Industrie- und Heimatgeschichte- Teil 1
Kriegswirtschaft und Zwangsarbeit in Deutschland und im Harz

Buchbesprechung - Dr. Peter Schyga: Goslar 1918 - 1945
Von der nationalen Stadt zur Reichsbauernstadt des Nationalsozialismus - Beiträge zur Geschichte der Stadt Goslar

Arbeiten für Großdeutschland - Anhang - Quellen und Literaturverzeichnis
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Anhang - Teil 6
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Anhang - Teil 5
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Anhang - Teil 4
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Anhang - Teil 3
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Anhang - Teil 2
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Anhang - Teil 1
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Teil 11
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Teil 10
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Teil 9
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Teil 8
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Teil 7
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Teil 6
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Teil 5
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Teil 4
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Teil 3
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Teil 2
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Arbeiten für Großdeutschland - Teil 1
Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Von Dora bis zum Bahnhof Oker - Teil 3
Eine Spurensuche auf der Route der Todesmärsche der Südharzer KZ-Häftlinge vom Apr 1945 im Westharz

Von Dora bis zum Bahnhof Oker - Teil 2
Eine Spurensuche auf der Route der Todesmärsche der Südharzer KZ-Häftlinge vom Apr 1945 im Westharz

Von Dora bis zum Bahnhof Oker - Teil 1
Eine Spurensuche auf der Route der Todesmärsche der Südharzer KZ-Häftlinge vom Apr 1945 im Westharz

1944/45: Der Bau der Helmetalbahn
Sklavenarbeit mitten in unserer Heimat

Die verdrängte Vergangenheit
Rüstungsproduktion und Zwangsarbeit in Nordthüringen, 65 Abb., 15-seitiger Dokumentenabdruck

Erinnerungsstätten an Unmenschlichkeiten des Nationalsozialismus im Landkreis Goslar
Verein Spurensuche Goslar e.V., Wolfgang Janz, Erinnerungsstätten an Unmenschlichkeiten des Nationalsozialismus im Landkreis Goslar, Goslar 2003

Spurensuche Goslar in der Bundestagsdebatte
Deutscher Bundestag, 114. Sitzung, Berlin, Donnerstag, den 6. Juli 2000

"Gebt uns unsere Würde wieder" - Die Briefe
Kriegsproduktion und Zwangsarbeit in Goslar 1939 - 1945

"Gebt uns unsere Würde wieder"
Kriegsproduktion und Zwangsarbeit in Goslar 1939 - 1945

Von "Dora" bis zum Bahnhof Oker
Das Wegzeichenprojekt Westharz und der Marsch des Lebens

"Gebt uns unsere Würde wieder" - Die Briefe

Kriegsproduktion und Zwangsarbeit
in Goslar 1939 - 1945


Dr. Peter Schyga unter Mitarbeit von Frank Jacobs & Friedhart Knolle

Dokumentation: Briefe aus der Ukraine (Auszüge)

1. Brief: Kondrat K., geb. 1926, aus Nikopolski

"Sehr geehrter Verein in Goslar, ich habe Ihren Brief erhalten und möchte erzählen, wie wir gelebt haben bzw. was im Gedächtnis geblieben ist. Anfangs wurden wir nach Oker gebracht, wo wir in dem Werk arbeiten mussten. Wir haben Loren beladen mit 30 kg schweren Platten. Einmal kippte ein Wagen mit den Platten auf meinen Fuß. Dann kamen Kriegsgefangene aus Italien und wir Ostarbeiter wurden in zwei Gruppen geteilt. Eine Gruppe wurde ins Bergwerk geschickt nach Goslar und eine andere ins Werk nach Goslar/Oker an die Drehöfen. Wir mussten die Schlacken aus den Öfen holen mit Schaufeln und Schiebern. Die wurden dann weggebracht. Dort arbeitete ich bis zur Befreiung. Papiere haben sie uns dann nicht mitgegeben, obwohl sie Fotos und Fingerabdrücke von uns hatten. Das Essen war sehr schlecht, dass es für unsere jungen Jahre unmöglich war, damit auszukommen. Einmal wollten wir einen Toten rausbringen, jemand hat ihm aber einen Spiegel vor dem Mund gehalten und der beschlug sich. Er lebte noch - so konnte er am Leben bleiben. Ein Foto habe ich gefunden, das ich nach Deutschland mitgenommen hatte."

2. Brief: Nikolai O., geb. 1926, aus Ordschonikidse

"Ich habe bis 1943 in Dnjepropetrowsk gelebt. Im September wurden wir gewaltsam nach Deutschland, nach Oker/Harz gebracht. Ich habe auf der Zinkhütte Oker gearbeitet. Das Essen war furchtbar. Es gab gekochte Steckrüben und Rote Beete. Brot gab es 200 g und 10 g Margarine für eine halbe Woche. Wir haben in Baracken gewohnt und schliefen auf Stroh. Zur Arbeit wurden wir unter Bewachung gebracht. Wir waren immer eingesperrt und hatten Hunger. 1944 wurde mir ein Finger der linken Hand abgerissen. Wir mussten auch nachts arbeiten. Einmal bin ich eingeschlafen und wurde von einem deutschen Aufseher geschlagen. Ein anderer Deutscher ist aber dazwischengegangen. So ein Leben, das wir als Ostarbeiter gehabt haben, wünsche ich keinem. Gott sei gelobt, dass es solch einen Krieg nicht nochmals gibt. Die Leute sollen in Frieden leben. Ich danke für Eure Hilfe und hoffe dass mit Gottes Hilfe uns geholfen wird."

3. Brief: Raissa G., geb. 1924, aus Tokmak

"In meiner Jugend, am 15.12.1942 wurde ich mit Gewalt von Nazisten nach Deutschland gebracht, wo ich in einem Werk zur metallurgischen Produktion an der N 418 untergebracht war. Wir wurden in Baracken untergebracht ohne Heizung, es war kalt und das Leben war sehr schlecht für unsere Gesundheit. Morgens mussten wir zur Arbeit, entkräftet und hungrig unter Bewachung. In der Mittagszeit bekamen wir Steckrüben oder Spinat. Brot haben wir sehr wenig bekommen, wir waren ständig hungrig. Die Arbeit war sehr, sehr schwer. In dem Werk haben wir mit der Schaufel Schlacken in die Loren getan, in der Nähe waren die heißen Öfen, deren Inhalt in Formen gegossen wurden. Dann wurde ich in eine andere Abteilung geschickt, wo ich Loren voll Abfall schieben musste. Diese Arbeit war ebenfalls sehr schwer. 1944 war ein sehr schwerer Winter. Wir wurden wir auf die Eisenbahn geschickt, wo wir die Schienen und Weichen vom Eis befreien mussten. Den Eltern konnte ich nicht schreiben. Das Elternhaus gibt es nicht mehr, weil eine Bombe alles zerstört hat, so waren auch alle Dokumente vernichtet. Ein Arbeitsbuch haben wir nicht bekommen, Fotos habe ich aus Deutschland mitgebracht. Sehr früh morgens im April 1945, das genaue Datum weiß ich nicht mehr, sollten alle aufstehen und aus den Baracken herauskommen. Wir mussten uns unter Bewachung aufstellen und wurden irgendwo hingeführt, wir wußten nicht wohin. Auf dem Weg kamen wir an einem Ort vorbei, wo unsere Leute aus Zaporoshje bei einem Bauern gearbeitet haben. Auf die Bitte von den Mädchen aus Zaporoshje ich bin auch bei diesem Bauern geblieben. Morgens kamen wir auf das Feld und dann haben wir Panzergeräusche gehört. Dann sind wir zum Bauernhaus gegangen und auf dem Weg dorthin haben wir auf der Straße amerikanische Panzer gesehen und die deutschen Bewohner haben angefangen, weiße Fahnen zu hissen. Das bedeutet, dass sie sich ergeben haben, und der Krieg zu Ende ist. Befreit wurden wir am 12.4.1945 von den Amerikanern.

Nach Hause sind wir zu Fuß gegangen bis Warschau. Dann haben wir uns in einen Zug gesetzt und fuhren weiter nach Hause. Nach dem Krieg habe ich eine Ausbildung zur Hebamme gemacht und danach habe ich 50 Jahre als Hebamme gearbeitet. Als Rente bekomme ich 49 Griven (vergleichbar mit Rubel). Mit diesem Geld kann ich nicht leben. Ich bitte Sie, helfen Sie mir und bezahlen Sie mir wenigstens diese unmenschliche unwürdige Arbeit in Deutschland."

4. Brief: Grigorij R., geb. 1924, aus Zaporoshje

"1941 habe ich die Eisenbahnerausbildung beendet und wurde als Praktikant nach Ilowaisk (Donez-Gebiet) geschickt. Dort wurden wir von den Deutschen angegriffen. Ich wollte nach Hause und ging 15 Tage bis dorthin; als ich angekommen war, waren Vater und Brüder weg. Meine Mutter wurde zur Anwerbekommission gerufen und ihr wurde gesagt, sie solle ihren Sohn für die Reise nach Deutschland fertig machen. Wir gingen dann mit mehreren 25 Kilometer ins nächste Dorf und wurden dem Militär übergeben. Am 15.5.1942 wurden wir in Güterwagen verfrachtet. Die Tür blieb einen Spalt auf. 9 Tage und Nächte sind wir gefahren. Angekommen sind wir in einem großen Lager, dessen Namen ich nicht kenne - ein riesengroßes Lager mit sehr vielen Menschen. Viele haben dort den Verstand verloren, besonders die Frauen. Geschlafen haben wir auf einer Pritsche. Zum Essen gab es gekochtes Wasser mit etwas Mehl, und das für den ganzen Tag. Zum Essen mussten wir antreten und haben es durch den Stacheldraht bekommen. Wie lange ich dort war, kann ich nicht erinnern. Dann wurden wir nach Oker/Harz gebracht. Dort wurden wir desinfiziert und bekamen Holzschuhe. Im Schlafraum waren Zweietagenbetten und Strohmatratzen. Für die Nacht gab es einen Metallbehälter für die Notdurft, den wir morgens rausbringen mussten. Zum Essen gab es morgens Tee und ein Stückchen Brot. Nach dem Frühstück wurden wir zum Werk unter Bewachung mit Hunden geführt. Wir arbeiteten an Drehöfen. Die Arbeit war sehr heiß. In diese Öfen haben wir Schlacken hineingerührt, dort wurden sie abgebrannt. Den Abstich haben wir auf Wagen gelegt und zum Lagerplatz gebracht. Wie der Produktionsprozess weiterging, weiß ich nicht. Zur Technologie kann ich nichts sagen, habe aber gehört, dass zum Schluss Blei produziert wurde. Auf die Toilette konnten wir nur unter Bewachung. Bezahlung haben wir keine bekommen. Wer Meister war, weiss ich nicht. Abends mussten wir in Kolonne zurück ins Lager. Ich kann mich noch erinnern, dass neben dem Werk ein Steinbruch lag, und Leute, die sich irgend etwas haben zu Schulden kommen lassen, mussten dort im Steinbruch bei jedem Wetter arbeiten. Im April 1945 wurden wir befreit. In Russland wurde ich nach Kirgisien in eine Kohlegrube geschickt, ohne Recht auszureisen bis 1953. 1953 durfte ich wieder nach Hause zu meinen Eltern. Seitdem wohne ich in Zaporoshje. 30 Jahre habe ich in einem Werk gearbeitet, jetzt bin ich Rentner. Bekomme 74 Griven, das sind 35 DM. Ich bin Invalide, habe nach 6 Operationen nur noch eine Niere und die ist auch krank. Ich wohne sehr schlecht und die Medikamente sind sehr teuer. Neue Zähne kosten 1.000 Griven. Auf einem Ohr bin ich taub, weil ein Polizist mich geschlagen hat. Nach Hause schrieb ich keine Briefe. Meine Mutter wußte von mir nichts. Nach 8 Jahren hat sie mich das erste mal gesehen. Ich habe sehr viele Erinnerungen, ich könnte einen Roman schreiben, aber ich kann nicht mehr, ich habe Kopfschmerzen. Ich bin sehr dankbar, dass ihr unsere Schicksale nicht vergessen habt, unser junges Leben. Die Erinnerung tut mir weh. Ich bedanke mich noch einmal für eure Arbeit."

5. Brief: Iwan K., geb. 1926, aus Nikopolski

"Wir wurden nach Oker gebracht, dort mussten wir Aluminiumplatten stapeln. Wir waren zwölf Leute und hatten damals folgendes angestellt: Wir sind in die Stadt abgehauen und hatten drei Mark und wollten etwas kaufen, weil wir Hunger hatten. Wir wurden erwischt, obwohl unsere Freunde unsere Arbeit gemacht hatten. Wir wurden eingesperrt und bekamen nichts zu essen. Unsere Freunde haben ein wenig Brot in den Hosentaschen versteckt und uns heimlich gebracht. Dann kamen 2 Gendarmen und wir zwölf wurden in einen Keller getrieben, der 1,5 x 3 m groß war und dort wurden wir mit Gummibleipatschen geschlagen. Diese erste Taufe vergesse ich bis heute nicht. Nach einer Woche wurden wir zwölf Leute nach Goslar auf den Rammelsberg gebracht. Dort war ich auf der oberen 3. Sohle. Wir sollten die Loren beladen und 12 Stück 1,5 km transportieren. Zwei Tage sollte ich angelernt werden. Am ersten Tag schaffte ich 8, am zweiten Tag 10. Mein Kumpel hat mich gewarnt, wenn ich morgen meine Norm (12) nicht schaffe, werden sie mich schlagen. Am dritten Tag kam der Meister, ich hatte bis dahin nur 6 geschafft. Er drohte mir mit der Peitsche. An diesem Tag habe ich trotzdem nur 10 geschafft. Zu Arbeitsende holte er mich ab und brachte mich zum stellvertretenden Direktor. Alles ohne Übersetzer, die Sprache konnte ich sehr schlecht und verstand nicht, was sie mir sagten. Dann wurde der Stellvertreter böse und wütend und stürzte sich mit dem Messer auf mich. In dem Moment habe ich das Messer abgefangen. Eigentlich wollte er mir den Bauch aufschlitzen, konnte mich aber nur am Finger bis auf den Knochen verletzen. Dann schrie er, zwei Männer kamen und die brachten mich raus, legten mich mit einer Trage ins Krankenrevier. Ich sagte, ich kann morgen nicht arbeiten, ich bin krank. Der Meister antwortete: "Du bist nicht krank, du bist ein Faulenzer, morgen arbeitest du schnell!" Nach diesem Gespräch kam ich auf die 7. Sohle. Dort sollte ich vor dem Zug herlaufen und die Weichen stellen. Mit den Holzschuhen konnte man aber nicht schnell laufen und der Maschinist schrie nur: "Iwan schnell, schnell." Dann wurde ich krank und ging nicht zur Arbeit. Es kam ein Bewacher, hat ein Messer gezogen, mir die Decke weggezogen und mich zweimal mit dem Messer in die Fußsohle geschnitten. Und jetzt, jede Minute jede Sekunde sehe ich die Narben und erinnere mich an dieses Leben. Ich wurde dann auf die 9. Sohle geschickt, wo wir kaum atmen konnten. Ich war dort ganz allein und sollte die 5 oder 6 Loren entladen, saubermachen und wegbringen. Natürlich kann ich nicht alles, was ich erlebt habe, aufschreiben. Mein Leben vergeht, in ein paar Monaten werde ich 73. Vor 2 1/2 Jahren ist meine Frau gestorben. Wer braucht mich? Und wenn ich krepiere dann sollen nach der Beerdigung wenige Leute sehen, in welchem Elend und welcher Armut ich gelebt habe. Und jetzt habe ich etwas Hoffnung, dass Euer Goslar Verein mir irgendwie hilft. Das Essen war sehr schlecht und wenig. 300 g Brot aus Roggenmehl zusammen mit Eicheln. Dann haben sie Steckrüben gekocht und geschnitten wie für Schweine, und wenn wir eine halbe Kartoffel bekommen haben waren wir sehr glücklich. Es interessiert mich, meine Arbeitsstelle noch einmal zu sehen. Unser Lager lag unterhalb eines Sees, dort sollten wir nach der Befreiung den Damm bewachen, denn der Stellvertreter (seinen Namen kenne ich nicht) der Grube war abgehauen und hatte vorher angedroht, das Lager überfluten zu lassen".

6. Brief: Pjetr G., geb. 1925, gest. 1997; Brief der Tochter

"Guten Tag, sehr geehrter Herr Frank Jacobs! Vielen Dank für ihre Arbeit im Verein. Mehrere alte Leute, die in Deutschland waren, haben ihre Gesundheit verloren und mehrere sind auch gestorben. Leider ist unser Vater Pjetr Pawlowitsch auch verstorben. In der Kindheit hat er gehungert, dann die schwere Arbeit in Deutschland und danach die Zeit, als er nach dem Krieg noch im russischen Lager war; das alles hat seiner Gesundheit geschadet. Er ist 1997 gestorben. Ich kann ihnen nicht sehr viel erzählen über seinen Aufenthalt in Deutschland. Wir haben keine Fotos und auch kein Arbeitsbuch und keine Briefe. Ich kann nur sagen, dass mein Vater am 17.4.1942 verschleppt wurde aus Iwanowka aus dem Gebiet Zaporoshje. In Deutschland hat er in Oker/Harz gearbeitet, 37 km von Braunschweig auf einem Werk, in dem Zink, Kupfer und Blei erzeugt wurden. Er hat im Zinkbetrieb gearbeitet. Der Meister war August Rosenkranz. Seine Nummer war 18. Er hat im Lager gewohnt neben dem Berg und der Kommandant des Lagers hieß August Panowitzki. Er hat im Monat 4 bis 5 Mark bekommen. Der Arbeitstag betrug 8 Stunden in drei Schichten. Er wurde von der amerikanischen Armee befreit im April 1945. Das ist alles, was wir wissen, alles Gute."

7. Brief: Iwan S., geb. 1928, aus Kriwoj Rog

"Ich wurde am 22.8.1942 verschleppt und habe in der Blei-Kupferhütte gearbeitet. Diese Arbeit bestand darin, die Öfen mit Kohle zu beschicken, oder was uns sonst gerade befohlen wurde. Die Deutschen konnten uns einfach schlagen. Als Fliegeralarm war, wurde der Strom abgeschaltet und in dem Moment wurde meine Hand zerquetscht. Ich musste auf die Krankenstation und konnte dann mit der kaputten Hand nicht mehr arbeiten. Bald wurden wir von der amerikanischen Armee befreit und die Amerikaner haben uns an der Elbe der russischen Armee übergeben. Danach habe ich immer in Bergwerken gearbeitet. 1945 kam ich nach Hause, habe einige Zeit in der Kolchose gearbeitet. Ich konnte nicht lernen oder studieren, weil alle Leute, die in Deutschland waren, als Verräter galten und uns wurde kein Vertrauen geschenkt. Die ganze Gesellschaft wandte sich von mir ab. Ich wurde Invalide und bin allein, ohne Verwandte. Seit 1953 habe ich im Bergwerk gearbeitet. Bis jetzt träume ich vom Krieg und diesem schrecklichen Konzentrationslager. Ich sehe bis jetzt immer meine Nummer 473 und höre jeden Morgen meinen Kopf. In den mitgeschickten Arbeitsbüchern stehen unterschiedliche Geburtsdaten, weil ich keine Verwandten habe und nicht weiß, wann ich genau geboren wurde. Vielen Dank Ihnen Frank Jacobs und dem Verein für das Gute und Ihre Hilfe, vielen Dank ihnen jungen Leuten. Die Söhne helfen so, dass wir den Vätern verzeihen können."

8. Brief: Vera G., geb. 1926, aus Nikolajew

"Sehr geehrter Herr F. Jacobs und Ihr Verein in Goslar! Ich habe ihren Brief bekommen und bin ihnen dankbar für die Mühe und ihre Hilfe. Ich bin 1926 geboren. Als ich 17 Jahre alt war, wurde ich nach Deutschland verschleppt. Wir wurden in Güterwagen gebracht und kamen in Deutschland in eine Stadt, an deren Namen ich mich nicht erinnern kann. Da wurden wir schon von Vertretern von verschiedenen Firmen und Fabriken erwartet. Wir wurden wie Sklaven in einer Reihe aufgestellt und diesen Vertretern übergeben. 5 Mädchen mit mir zusammen wurden in die Chemiefabrik Oker-Braunschweig gebracht. In dieser Fabrik wurde chemisches Pulver hergestellt. Am Tag mussten wir 12 Stunden arbeiten bei einer 1/2 Stunde Pause. Das Pulver kam wie bei einer Mühle in Säcke, diese Säcke musste ich auf die Loren stellen, ein Sack wog 20 kg. Auf eine Lore mussten 20 Säcke geladen werden. Dann musste ich diese Lore in das andere Gebäude schieben, dort ausladen und stapeln. Zwei Deutsche, Heinrich und Ernst, beobachteten diesen Prozess. Ernst hat mir geholfen, die Säcke auszuladen, aber Heinrich schrie nur: "Los Mensch!" Ernst war etwa 40 Jahre alt und Heinrich etwa 50. Die ganze Zeit musste ich den Pulverstaub einatmen. Und nach kurzer Zeit wurde der ganze Körper und das Gesicht von eitrigem Ausschlag befallen. Meine Füße, Beine und der ganze Körper schmerzten und mir wurde ständig schwindelig. Diese Furunkel sind erst ein Jahr nach Ende des Krieges weggegangen.

Morgens bekamen wir 300 g Brot für den ganzen Tag; später, als wir nach einem Jahr immer schwächer geworden waren, bekamen wir noch 100 g hinzu. Mittags und abends gab es gekochte Steckrüben, aber auch nicht genug, um satt zu werden. In diesen fast zwei Jahren haben wir keine Kartoffel, kein Körnchen und natürlich kein Fleisch gesehen. Wir haben nur überlebt, weil wir sehr jung waren. Wir haben am Ende Goslars gewohnt unter dem Wald. Im Erdgeschoss war ein Warenlager, im 1. Stock waren unsere Schlaflager. Wenn dieses Gebäude noch existiert, schauen Sie sich den Fußboden an, er ist aus Zement. Im Winter war es sehr kalt, unsere Lageraufseherin hat uns einen Eimer Briketts für den Abend gegeben. Als Strafe hat die Aufseherin Brotrationen gestrichen. Wir waren sehr schwach und hungrig. Auf die Toilette mussten wir nach draußen. Manches schwache Mädchen hat das nicht geschafft und in solch einem Zustand mussten wir uns zur Arbeit schleppen.

Ich möchte eine Episode, die sich kurz vor dem Kriegsende ereignet hat, erzählen. Das war Anfang April 1945. Wir gingen von der Arbeit zurück und irgendein Mann kam auf uns zu und sagte, wir sollen nicht ins Lager zurückgehen, sondern uns im Wald verstecken, denn nachts sollten alle Russen evakuiert werden. Wir hatten schon von diesen "Evakuierungen" gehört, angeblich haben die Deutschen alle Russen in Züge verfrachtet und diese dann zum Entgleisen gebracht. Ob das stimmt oder nicht, weiß ich nicht, aber das Gerücht war im Umlauf. Wo die Kämpfe waren, wussten wir natürlich nicht, aber wir haben schon verstanden, dass der Krieg bald zu Ende ist. In dieser Nacht haben wir unsere Sachen angezogen und so gingen wir ins Bett und warteten. Um 2 Uhr nachts wurden wir von der Aufseherin geweckt. Sie sagte: "Bald kommt Polizei und wir werden zum Bahnhof gebracht zum Evakuieren."

Wir 6 Mädchen aus dem gleichen Dorf gingen schnell raus, als ob wir zur Toilette mussten. Die Lagertore waren offen, die Polizei war noch nicht da, wir gingen schnell in den Wald. Es war sehr kalt und nass. Wir hatten Angst im Wald zu bleiben, weil wir gehört hatten, dass die Hitlerjugend den Wald nach Geflohenen durchkämmt. Dann haben wir uns entschlossen, zur Fabrik zu gehen. Wir haben Angst vor Patrouillen gehabt und gingen deshalb am Stadtrand. Dann kamen wir zu der Fabrik und kletterten über den Zaun. Hier gab es eine Sackgasse, wo die Wagen verladen wurden, und da gab es eine breite Röhre, durch die wir krochen und waren dann auf dem Fabrikgelände. Wir sind in ein altes Gebäude gegangen, wo alte Säcke verstaut wurden. Als es hell geworden waren, sahen wir, wie die Deutschen, Franzosen und Belgier hin- und hergelaufen sind.

Wir hatten Hunger und zwei Portionen Steckrüben für zwei junge Russen abgegeben. Zur Mittagszeit waren die Deutschen verschwunden; ich und noch ein Mädchen gingen in die Unterkunft, um irgend etwas zu essen zu finden. Wir haben uns gewaschen, und in die Unterkunft kam eine nette Französin die uns sagte, wir sollten verschwinden, denn alle Russen würden in der Nacht weggebracht, sonst würden wir verhaftet. Wir haben einen Eimer mit Steckrüben genommen und gingen schnell raus. Bevor wir das Tor erreicht hatten, kam Meister Willi und sagte uns: "Mädchen, Mädchen, was habt ihr gemacht, alle Russen wurden weggebracht, ihr sterbt vor Hunger, ich kann euch aber nur ein bisschen Brot geben, ich habe nicht genug für alle." Wir gingen zu den anderen 4 zurück, um ihnen zu sagen, dass die Deutschen wüssten, wo wir sind. Wir aßen unsere Rüben und warteten, auf was, wussten wir nicht. Polizei kam aber nicht, dann hörten wir Sirenen und Alarm und dachten, jetzt wird Goslar ohne Kampf aufgegeben. Wir haben noch gesehen, dass die Deutschen in den Wald liefen. Dann hörten wir laute Geräusche, amerikanische Panzer, Autos, Motorräder, alle schauten in die Fabrik und fuhren weiter. Wir kamen aus unserem Unterschlupf, gingen in unsere Stube, haben uns gewaschen, so gut wie möglich zurecht gemacht und dann gingen wir mit Freude hinaus, die Amerikaner fuhren vorbei und sie riefen: "Russki, Russki", sie hatten uns an dem "OST" auf unserer Kleidung erkannt. Dann kamen Amerikaner und begleiteten uns in die Küche, wo wir das erste mal nach 2 Jahren sehr gut gegessen haben. Am nächsten Tag kam ein Amerikaner, er sprach ukrainisch und sagte, wir können ab jetzt immer in die Küche zum Essen gehen, sie hätten genug. Dann wurden wir in Gebäuden am Flughafen untergebracht. Hier haben wir sehr gut gegessen. Am 9. Mai kamen unsere sowjetischen Offiziere und sagten, wir würden bald abgeholt. Und dann wurden wir von den Amerikanern zu unserer Armee gebracht und dort hatten wir das Gefühl, wir wären schon zu Hause.

Jetzt über mich. Mein Vater ist im April 1944 gefallen. Jetzt bin ich Rentnerin, meine Rente ist sehr klein, ich brauche aber regelmäßig Medikamente, weil ich die Parkinsonsche Krankheit habe. Ich bin sehr dankbar, dass Sie versuchen, mir zu helfen. Das ist eine ehrenwerte Aufgabe, dass Ihr die Schulden eurer Elterngeneration begleichen wollt. Und verzeih Gott eurer Elterngeneration für das, was sie unserem Land angetan hat."

9. Brief: Onufprij P., geb. 1924, aus Winniza

"Diesen Brief schreibt meine Tochter Ludmilla. Ich bin die Witwe Antonina. Mein Mann Onufprij Stepanowij ist am 26.9.1994 verstorben. Ich bin allein mit meiner Tochter. Sie ist Invalide und hat Diabetes. Mein Mann ist an einer Lungenkrankheit gestorben, er war 70 Jahre alt. Wir haben aber einen Brief an Moskau, in dem er geschrieben hat, wann und wo er in Deutschland gearbeitet hat. Im August 1943 wurde er nach Deutschland verschleppt. Er wurde hier aus einem Sammellager nach Lehrte gebracht. Von da wurde er in die kleine Stadt Oker/Harz zur Arbeit verbracht. Er wurde in der Zink-Kupfer-Hütte eingesetzt und hatte die Nummer 453 und das OST-Zeichen. Im April 1945 wurde er befreit und von den Amerikanern der sowjetischen Armee übergeben. In Rußland wurde er dann zur Arbeit in den Ural geschickt als Waldarbeiter im Gebiet von Swerdlow. Dort war er drei Jahre und kam dann wieder nach Hause. Anschließend hat er in Winniza bis zu seiner Pensionierung gearbeitet. Er hatte sich an die Organisation Memorial gewandt und Unterlagen für Ostarbeiter erhalten, das ist alles, was uns geblieben ist von unserm Mann und Vater, der in seinem Leben solch ein Schicksal erlebt hat. Er fehlt uns und es ist schwer und schmerzlich ohne ihn. Aber er ist immer mit uns in unseren Herzen. Ich kann mich sehr gut erinnern an seine schrecklichen Erinnerungen an die Lager in Deutschland. Wenn er mir davon erzählte, standen Tränen in seinen Augen. Er hat auch erzählt, dass er aus dem Lager geflüchtet ist und sich in den Wäldern versteckt hat. Er hatte sich eine Erdhöhle gegraben. Dann haben ihn Suchtrupps mit Hunden gefunden, die Hunde stürzten auf ihn zu und die Soldaten schlugen ihn. Er musste dann wieder ins Lager, wieder hungern und arbeiten wie alle anderen auch."

Jetzt schreibt die Tochter: "Der Vater hat mir nicht viel über diese Zeiten erzählt, er wollte das nicht. Aber wenn er gesprochen hat, hat er geweint. Er hat auch über seine Kindheit erzählt. Sein Vater ist gestorben als er sehr jung war. Er hinterließ eine Mutter mit zwei Kindern. Damals war mein Vater 9 und seine Schwester 6 Jahre alt. Die ganze Arbeit lag auf den Schultern dieses neunjährigen Kindes. Er hat in einer Kolchose gearbeitet. Sein Leben war von Anfang an nicht einfach. Dann kam der Krieg, Aufenthalt in Deutschland, der ihm viel weggenommen hat, hauptsächlich seine Gesundheit. Er hat mir erzählt, dass er nach Deutschland in den Ural musste und erst später nach Hause kam. Als er zurückkam, haben seine Verwandten ihn nicht wieder erkannt. Er hat als Lagerarbeiter und Fahrer gearbeitet. Er hatte viele Auszeichnungen in seinem Betrieb erhalten und war auch Verdienter Veteran der Arbeit. Als er in Rente war, hat er weiter gearbeitet. Er war 48 Jahre alt, als ich geboren wurde und 50, als sein Sohn geboren wurde. Außer uns beiden hatte er keine Kinder. Ich weiß nur, wie schwer es für meine Eltern und auch meinen Vater war, uns auf die Beine zu stellen. Aber er war sehr glücklich mit uns. Er war sehr krank, aber vor uns hat er die Krankheit immer versteckt. Ich kann mit Überzeugung sagen, dass dieser Krieg unser halbes Leben und unsere Gesundheit gekostet und tiefe Spuren hinterlassen hat. Als er den Brief nach Moskau geschickt hatte, hat er noch Hoffnung gehabt, dann ist die Hoffnung erloschen. Er war ein wunderbarer Mensch, ein guter Vater, sehr treuer und guter Ehemann. Als er noch lebte, war er sehr optimistisch und ist mit Realitätssinn durchs Leben gegangen. Ich kann Ihnen sehr viel Gutes über meinen Vater schreiben, über sein sehr schweres Leben und seine Narben. Er hat keinen um etwas gebeten. Und er hat für uns gelebt und gearbeitet. Er hat sehr viel Freunde gehabt, viele von ihnen sind auch verstorben. Ich schreibe Ihnen soviel über ihn, weil er wirklich ein sehr guter Mensch war. Er ist jetzt nicht mehr unter uns; wenn er gelebt hätte, hätte er selber geschrieben. Jetzt sind nur wir geblieben. Als er nach vielen Jahren die Zwangsarbeiterbescheinigung bekam, hat er sehr geweint. Ihm wurde es deshalb ermöglicht, eine gute Wohnung zu bekommen und unsere Familie erhielt Veteranenvergünstigungen. Und jetzt wissen wir nicht, ob wir das behalten. Als er noch gearbeitet hat, bekam er nur einen sehr kleinen Lohn und auch nur eine sehr kleine Rente. Er hatte aber gehört, dass Deutschland den ehemaligen Zwangsarbeitern helfen will. Er hat geglaubt, wartete und trotzdem hat er es nicht mehr erlebt. Jetzt ist seine Familie allein, Frau, Tochter und Sohn." Jetzt wird die Krankheit der Tochter beschrieben, Herz, Nieren, Beine und Augen sind durch Diabetes geschädigt; sie benötigt eine kostspielige Insulin-Therapie. "Ich weiß, dass Ihr mir vielleicht nicht helfen könnt, aber ich hoffe, in unseren Herzen und unseren Seelen ist immer noch Hoffnung. Verzeihen Sie bitte nochmals bitte, wir warten, hoffen, glauben und noch mal hoffen auf ihre Hilfe. P.S.: Sehr geehrter Herr Jacobs, entschuldigen Sie meinen Brief. Ich habe nichts schlechtes gemeint oder gedacht. Vielleicht sind wir etwas enttäuscht, dass mein Vater zur Lebzeit keine Hilfe bekommen hat, aber 1995 haben wir etwas Geld bekommen (600 DM). Uns wurde gesagt, dass wir später noch etwas bekommen sollten, das war aber nicht der Fall. Als er noch lebte, hatte er Fragebögen nach Moskau geschickt, jetzt haben wir die kleine große Hoffnung, dass wir von Ihnen diese Hilfe erhalten. Vielleicht gibt es in Euren Archiven irgendwelche Unterlagen über meinen Vater. Ich bitte Sie, Herr Jacobs, lassen Sie uns nicht im Stich und nicht alleine."

10. Brief: Anastasia B., geb. 1925, aus Bogdanowka

"Ich wurde am 25.5.1943 nach Deutschland verschleppt. Ich war damals 18 Jahre alt. Wir wurden nach Goslar gebracht und dann in der Zinkhütte Oker/Harz eingesetzt. Wir haben im Lager gewohnt und unsere Bewacher haben uns nicht wie Menschen gehalten. Unser Arbeitstag war 11 Stunden lang, die Deutschen arbeiteten 6 Stunden. Am Tag haben wir 130 g Brot bekommen, nicht reines Brot, sondern mit Sägemehl. Unsere Arbeit war sehr schwer. Wir mussten Wagen mit Ziegeln ausladen. Ohne Handschuhe, die Hände waren immer rauh und geschwollen. Dann wurden die Ziegel zu den Öfen zur Reparatur gebracht. Mein Bein wurde verletzt und zwei Wochen habe ich kein Brot bekommen. Dann habe ich gebetet, dass ich vielleicht irgendeine Arbeit bekomme im Sitzen, dass ich wenigstens meine Brotration bekomme. Unsere Mädchen haben mich aus Mitleid mit einer Schubkarre zu einem Aufzug gebracht, wir fuhren nach oben und ich habe im Sitzen Steine geklopft. Dann habe ich meine Ration wieder bekommen. Wir haben im Monat 5 Mark bekommen, dafür mussten wir Holzschuhe kaufen. Für uns selber konnten wir nicht einmal Limonade kaufen. Wir wurden unter Bewachung zur Arbeit hin und zurück gebracht. Die deutschen Mütter kamen zu unserem Lager mit Kindern; sie waren sehr gut angezogen. Sie haben uns angespuckt. Und wir jungen schönen Mädchen mussten schweigend stehen und unter Tränen diese Spucke im Gesicht wegwischen. Familiennamen haben wir nie gehabt, nur die Nummer. Meine Nummer war 422. Im April 1945 kam die amerikanische Front näher. Wir wurden aus dem Lager gejagt. Wir sollten eine Decke und eine Tasse mitnehmen. Zuerst wurden wir von der Polizei begleitet, dann wurden wir von einem Dorf zum anderen geschleppt. Wir waren 9000 Mädchen. Am 4. Tag haben uns die Amerikaner eingeholt und wir wurden befreit. Wir wurden über die Elbe gebracht; aus der Sowjetzone gingen wir zu Fuß nach Hause. Aufbruch war im Mai und unsere Heimat haben wir im August erreicht. 4 Monate gingen wir zu Fuß nach Hause. Ein Leutnant war Kommandant, wir haben Soldatenrationen bekommen. Oft waren wir hungrig, aber die Hoffnung auf die Heimat gab uns die Kraft. Unsere lieben Leute. Die Erinnerung ist schmerzhaft und bitter. Ich habe keine Gesundheit, das was wir erlebt haben, wie wir als Menschen gedemütigt wurden, so etwas wünsche ich keinem Menschen, nicht einmal meinen Feinden. Ich wünsche, dass keiner auf dieser Erde das erlebt. Drei meiner Freundinnen sind verstorben. Vielleicht werde ich auch nie Hilfe bekommen, aber ich hoffe und warte, vielleicht kommt zu meiner kleinen Rente etwas dazu. Mit großer Hoffnung und Verehrung."

11. Brief: Romanowa Tsch., geb. 1924, aus Orechow

"Aus ihrem Brief habe ich gelesen, dass unsere Schicksale Ihnen nicht gleichgültig sind und mein Schicksal auch nicht. Als Antwort auf Eure Bitte, Euch über meine Zeit in Deutschland zu erzählen, schreibe ich Ihnen diesen Brief, um Ihnen über mein schweres, schweres Schicksal zu erzählen. Im Dorf Wassilewka wurden wir alle in Güterwagen verfrachtet. Im Waggon war nur Stroh. Das war ein langer schwerer Weg, unterwegs sind viele gestorben. Wir wurden gedemütigt, verspottet, wir waren für die keine Menschen, wir waren nur Arbeitskraft. Keiner hat Notiz genommen von unseren Nöten, Schmerzen, physische wie auch seelische. Nach der tagelangen Fahrt wurden wir in ein Sammellager gebracht. Hier wurden ich und meine Freundin Nadja getrennt. Sie wurde nach Braunschweig geschickt und ich in die Fabrik in Oker. Hier wurde sofort das OST-Schild angebracht. Nach mehreren Tagen in der Fabrik wurden ich und andere Mädchen zu einer anderen Arbeitsstelle geschickt. Ich wurde zum Café am Bahnhof geschickt. Da musste ich putzen und Hausarbeiten erledigen. In dieser Zeit habe ich mich in der Stadt mit den Mädchen getroffen, die über die Arbeit in der Fabrik geredet haben. Von denen habe ich auch gehört, wie unmenschlich die Arbeit dort war, und wie unmenschlich sie von den Deutschen behandelt wurden. Die Luft war vergiftet.

Ich habe ohne freie Tage gearbeitet. Ich habe aber immer Hoffnung gehabt, dass irgendwann die Zeit der Leiden vorübergeht und wir zu unseren Verwandten, in unsere Dörfer, in unser Land zurückkehren können. Dieser Gedanke hat mich die ganze Zeit am Leben gehalten, als ich in Deutschland war. Der Tag, als wir von den Amerikanern befreit wurden, war für mich der glücklichste Tag in meinem Leben. Diesen Tag vergesse ich nie. Er bleibt in meinem Gedächtnis für immer. Der 9.5. ist natürlich für mich auch sehr wichtig und bedeutend, wie auch für jeden Menschen, nicht nur in unserem Land, sondern auch für die Menschen in Deutschland, die auch vom Faschismus befreit wurden. Dieser Krieg hat nicht nur uns, sondern auch den Deutschen viel Leid gebracht. Die Gedenkstätte aufzubauen finde ich sehr, sehr gut, nicht nur für uns, sondern auch für die zukünftige Generation, die wissen sollte, was der Krieg bedeutete. Und auf dieser Erde wird es keinen Krieg mehr geben, wenn sich alle Menschen an den Krieg erinnern, an die, die gefallen und gestorben sind. Wenn sich alle erinnern und gedenken, wird es auf diesem Planeten keinen Krieg mehr geben. Und unsere Aufgabe ist es, dass das nie vergessen wird. Die Gedenkstätte ist für die zukünftige Generation und nicht nur für die ältere Generation. Wir müssen miteinander reden und aufeinander zugehen."

12. Brief: Fedora G., geb. 1922, aus Tokmak

"Nachdem ich sieben Jahre die Schule besucht hatte, ging ich 1941 in die Kolchose. Wir waren zahlreiche Kinder und mussten viel auf den Feldern arbeiten. Als der Krieg begann und am 15.12. Nazisten in unsere Stadt kamen, mussten wir zu Fuß zum Bahnhof gehen. Wir waren ungefähr hundert Leute und zwei Wochen unterwegs. Zum neuen Jahr kamen wir nach Goslar. Als wir verteilt wurden, blieben wir sechs Mädchen, die nachts nach Oker/Harz in die Fabrik gebracht wurden. Den Namen des Werkes kenne ich nicht. (wahrscheinlich die Zinkhütte). Wir haben unter sehr schweren Bedingungen gearbeitet, das Metall in die Loren geladen, und die Männer haben das mit Lastwagen weggebracht, wohin, weiss ich nicht. Unser Arbeitstag dauerte von 8 bis 5 Uhr. Zum Essen haben wir morgens Tee mit ein bisschen Brot bekommen, mittags nichts und abends Spinat oder Steckrüben mit Würmern. Zur Arbeit wurden wir im Konvoi unter Bewachung mit 4 oder 5 Hunden gebracht. Wenn jemand zurückblieb oder nicht gehen konnte, haben sie uns mit Stöcken geschlagen. Durch das OST-Zeichen waren wir gekennzeichnet. Nach der Arbeit durften wir nicht aus dem Lager. Papiere haben wir nicht erhalten und auch keine Arbeitsbücher. Wir durften allerdings Briefe schreiben und sogar Päckchen bis zu einem Kilo erhalten. Wir durften uns auch fotografieren.

Als der Krieg beendet war, haben sie uns gesagt: "Nach Hause!" Ich kam erst im September in die Heimat. Die Straßen waren verstopft. Tausende Menschen wollten nach Hause. Nachts haben wir uns in Güterwagen versteckt. Es gab manchmal nette Schaffner, die uns vor Überprüfungen versteckt haben. So kamen wir aus Deutschland nach Hause. Ich schicke Ihnen ein Foto aus der damaligen Zeit. Das sind die Mädchen aus meinem Ort, die in Deutschland waren von 1943 bis 1945. Ich bin die zweite von links. Wenn Sie meine Hilfe benötigen, helfe ich Ihnen gerne. Ich bedanke mich und warte auf Ihre Nachricht. Hochachtungsvoll."

13. Brief: Natalja K., geb. 1922, aus Licnischansk

"Ich habe von Ihnen einen Brief bekommen und bin sehr dankbar und froh, dass es Menschen wie Sie gibt, die sich an uns und die schwere Zeit in Deutschland erinnern. Ich bin traurig, dass ich Ihnen nicht viel helfen kann, denn ich habe keine Papiere, keine Arbeitsbücher oder andere Dokumente, denn wir haben nichts bekommen. Ich schicke Ihnen mein Foto. Ich bin dort mit meinen Freundinnen abgebildet, die auch in der Baracke gewohnt haben - ich bin oben in der Mitte. Wir haben in Oker/Harz in der chemischen Fabrik gearbeitet. Sehr oft mit Masken vor dem Gesicht. Wir haben im Packraum 4 gearbeitet. Der war gelb und grün gekennzeichnet und darauf stand "Gift" . Wir haben das produzierte weiße Pulver in Säcke gefüllt und die wurden in Waggons geladen. Wohin sie geschickt wurden, weiß ich nicht. Wir haben von morgens bis abends gearbeitet. Ich kann mich an drei Meister erinnern. Der erste Meister, dessen Name ich nicht kenne, starb, ein weiterer hieß Walter. Wir haben in Baracken gewohnt, die immer abgeschlossen waren, die Fenster waren vergittert. Wir haben auf Etagenbetten geschlafen. In einem Raum waren 50 Leute. In den Baracken waren viele untergebracht - Russen, Italiener, Franzosen, Belgier und Polen. Die Baracken standen vor einem Berg. Außer unserer Arbeitskleidung und den Holzschuhen haben wir nichts bekommen. Zum Essen gab es Steckrübensuppe und ein kleines Stück Brot mit Sägemehl. Dadurch habe ich blutige Pickel bekommen, aber ich musste es verheimlichen, dass ich so krank war, denn die kranken Menschen wurden in die Öfen geschickt. Wir haben auch Marken bekommen, aber davon konnten wir nicht viel kaufen. Wir als Russen wurden schlechter behandelt als die anderen Nationalitäten, das wusste jeder, denn auf unserer Kleidung stand OST und mit diesem Zeichen war alles gesagt. Bevor die Fabrik befreit wurde, wurden wir bombardiert und wir wurden nach Halberstadt gebracht. Unterwegs haben sie gesagt: Seht zu wo ihr bleibt. Sie haben Angst gehabt, weil die amerikanische Armee im Anmarsch war. Ende Mai wurden wir befreit und es dauerte noch einen Monat bis unsere Armee kam. Solange wurden wir von den Amerikanern versorgt. Als unsere Leute kamen, wurden wir in ein polnisches Dorf gebracht und im Herbst wurden wir nach Hause geschickt. Hochachtungsvoll und mit viel Dankbarkeit."

14. Brief: Jakob R., geb. 1917, aus Ratnowckij

Wir wurden 1942 nach Deutschland in die Stadt Oker gebracht. Wir haben alle den Schriftzug OST aufgenäht bekommen und kamen ins Lager. Wir haben in Baracken gelebt, Fenster und Türen waren geschlossen. Ich habe in der Zinkhütte gearbeitet. Viele junge Leute, mit denen ich gearbeitet hatte, sind gestorben. Sie wurden auf einem Feld unweit des Lagers, bei einem deutschen Dorf auf der anderen Seite der Chaussee, begraben. Die Gräber erhielten Kreuze aus Metall. Das Essen bestand aus 200 g Brot und irgendwelchem Gemüse. Als ich nach Goslar kam, wog ich 80 kg, bei der Befreiung 40 kg. Unter den Zwangsarbeitern wurde auch für die Wlassow-Armee geworben. Ich habe keine Dokumente und Fotografien. Wir sind von den Amerikanern befreit worden und mussten 40 km gehen bis die russische Front kam. Ich bitte Sie um eine Bescheinigung, dass ich dort gearbeitet habe, und um eine kleine Entschädigung für die drei Jahre. (Der Brief ist in Ukrainisch verfasst und nur mit Schwierigkeiten übersetzbar.)

Alle Quellen und Veröffentlichungen: Archiv Verein "Spurensuche Goslar e.V."

Vorstehender Text entstand aus einem Begleittext zur gleichnamigen Ausstellung im Goslarer Museum; die Tafeln der Ausstellung sind über den Verein Spurensuche Goslar e.V., Postfach 2505, 38615 Goslar, Tel. 05321/41387, Fax 41347, e-mail fknolle@t-online.de auszuleihen. Hier ist auch die vollständige Begleitbroschüre zu Ausstellung erhältlich.

Wir danken dem Land Niedersachsen und insbesondere dem Niedersächsischen Kultusministerium, durch dessen finanzielle Unterstützung die Ausstellung erst möglich wurde.

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